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Der Commerzbank-Turm ist mit 259 Metern das höchste Hochhaus in Frankfurt.
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Der Commerzbank-Turm ist mit 259 Metern das höchste Hochhaus in Frankfurt.

Commerzbank

Der dauerhafte Umbau

  • Nina Luttmer
    VonNina Luttmer
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Die Commerzbank legt schlechtere Zahlen vor als erwartet. Für die Kundschaft wird es immer schwerer, Strafzinsen zu entgehen.

Die Zustände bei den deutschen Großbanken erinnerten in den vergangenen Jahren oft an schlecht geplante staatliche Bauprojekte. Jahrelang stehen Gerüste, um das Haus in Schuss zu bringen, es wird mehr oder weniger eifrig an allen Stellen gewerkelt. Dann ist man so gut wie fertig, das Gerüst wird abgebaut - nur um es dann kurze Zeit später wieder aufzustellen, weil - leider, leider, - ein paar wesentliche Dinge vergessen oder falsch montiert wurden und das gerade renovierte Gebäude plötzlich einzustürzen droht.

Eine dieser Baustellen ist die Commerzbank. Das ist nicht neu. Doch die Vorlage der Quartalszahlen am Mittwoch hat wieder vor Augen geführt, dass die Begriffe „Restrukturierung, Transformation, Umbau“ seit vielen Jahren zum Standardvokabular der Bank gehören. Einige Male wurde bei der Bank das Baugerüst schon abgebaut - und dann schnell wieder aufgestellt.

Deutschlands viertgrößtes Geldhaus richtet sich neu aus. Der seit Anfang des Jahres amtierende Vorstandschef Manfred Knof will bis 2024 netto 7500 Stellen abbauen. Davon sind nach gut einem halben Jahr schon 3400 geschafft. Die Zahl der Filialen wird von 790 auf 450 reduziert. Die Kosten sollen gesenkt, das Ergebnis gesteigert werden.

Aktie sackt ab

Das alles kostet erstmal Geld, zwei Milliarden Euro insgesamt bis 2024. Nicht nur, aber auch die hohen Umbaukosten verhagelten der Bank nun das zweite Quartal. Unter dem Strich stand ein Minus von 527 Millionen Euro - nachdem das Institut im ersten Quartal überraschend ein kleines Plus vorweisen konnte. Das Ergebnis war noch etwas schlechter als Analyst:innen erwartet hatten, der Kurs der im M-Dax notierten Commerzbank-Aktie sackte am Mittwoch ab.

Für das erste Halbjahr steht nun ein Minus von 394 Millionen Euro zu Buche. Für das Gesamtjahr erwartet Finanzchefin Bettina Orlopp ein Ergebnis „irgendwo um die Null-Linie“. Im vergangenen Jahr hatte die Bank einen Verlust von 2,9 Milliarden Euro geschrieben - auch wegen hoher Umbaukosten.

Die gute Nachricht: Die Restrukturierungskosten, sind nun fast komplett verbucht. Ebenfalls eine gute Nachricht: Die Risikovorsorge für ausgefallene oder ausfallgefährdete Kredite lag im Quartal mit 87 Millionen Euro deutlich unter dem Vorjahreswert von 469 Millionen Euro. Auch bei anderen Instituten zeigt sich der Trend einer sinkenden Risikovorsorge: Vor einem Jahr hatten viele Fachleute wegen der Pandemie noch eine hohe Zahl von Firmeninsolvenzen und dadurch große Belastungen für die Banken befürchtet. Diese Sorge hat sich bislang nicht bestätigt.

Ab 50 000 Euro Strafzinsen

Für Kundinnen und Kunden der Commerzbank wird es aber immer ungemütlicher. Wie auch viele andere Geldhäuser verlangt das Institut sogenannte Verwahrentgelte für große Beträge auf Giro- und Tagesgeldkonten. Wer nach dem 10. Mai Kunde oder Kundin der Bank wurde, muss ab August schon für Einlagen ab 50 000 Euro solche Strafzinsen zahlen. Mit Bestandskund:innen versucht die Bank individuell, Entgelte auszuhandeln.

Finanzvorständin Orlopp rechnete am Mittwoch vor, welches Geschäftspotenzial in diesen Verwahrentgelten steckt. Im Privatkundensegment will die Bank in diesem Jahr damit 50 Millionen Euro, im Firmenkundensegment 200 Millionen Euro einnehmen. Momentan seien im Privatkundensegment Einlagen im Wert von 13 Milliarden bepreist. Insgesamt hat die Bank in dem Bereich 148 Milliarden Euro Einlagen. Würden alle Guthaben über 50 000 Euro künftig mit einem Verwahrentgelt versehen, würden Einlagen im Wert von 60 Milliarden Euro darunter fallen.

Die Banken verweisen bei den Verwahrentgelten darauf, dass sie damit kompensierten, dass sie 0,5 Prozent Zins an die Europäische Zentralbank (EZB) zahlen müssen, wenn sie Geld bei ihr parken. Kritiker:innen betonen, dass die Banken hohe Freibeträge bei der EZB haben und ja nicht alle Einlagen dort hinbrächten, sondern die Liquidität für Geschäfte nutzten. Vielmehr hätten sie die Strafzinsen als Geschäftsmodell entdeckt.

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