1. Startseite
  2. Wirtschaft

Der Bitcoin bedroht El Salvador

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Klaus Ehringfeld

Kommentare

El Salvadors Präsident Nayib Bukele bewertet den Absturz des Bitcoin als nicht so problematisch.
El Salvadors Präsident Nayib Bukele bewertet den Absturz des Bitcoin als nicht so problematisch. © dpa

Seit vergangenem Herbst ist die Kryptowährung in dem zentralamerikanischen Land offizielles Zahlungsmittel. Die Angst vor einer Pleite des Staats geht um.

Die jüngsten Verwerfungen an den Kryptomärkten drohen das kleine Land El Salvador in die Krise zu stürzen. In der Bevölkerung, aber auch unter Fachleuten geht die Angst um. Nur nicht bei Staatschef und Bitcoin-Fan Nayib Bukele. Er will auch nach dem Zusammenbruch der Kryptobörse und den folgenden Abstürzen der virtuellen Währungen an seinem Projekt festhalten, das zentralamerikanische Land perspektivisch völlig auf den Bitcoin umzustellen. Er sei das Gegenteil von FTX, schrieb Bukele über sein Lieblingsmedium Twitter dieser Tage. „Manche verstehen es, manche nicht“.

Alle Salvadorianer:innen haben allerdings verstanden, dass der Bitcoin im Sinkflug ist und nur noch einen Bruchteil von dem Wert hat, den er im September 2021 hatte, als Bukele ihn in großem Stil einkaufte und zum offiziellen Zahlungsmittel machte. Expert:innen, die die Aufwertung des Bitcoin zur offiziellen Währung für so etwas wie finanzpolitisches russisches Roulette halten, sehen sich bestätigt. Das Gespenst des Staatsbankrotts stehe im Raum, sagt Ricardo Castaneda vom Zentralamerikanischen Institut für fiskalische Studien. Er geht von einem Wertverlust des Bitcoin in El Salvador von rund 67 Prozent seit Einführung aus.

Castaneda schätzt die Verluste für die Staatsfinanzen bisher auf etwa 70 Millionen Dollar: „Das entspricht dem kompletten Budget des Landwirtschaftsministeriums“. Und das in einem Land, in dem die Hälfte der Bevölkerung unter Ernährungsunsicherheit leidet. El Salvador hat 6,5 Millionen Einwohner:innen und ist das kleinste Land Zentralamerikas und etwa so groß wie Hessen. Nach Angaben der Weltbank lebt ein Viertel der Bevölkerung in Armut. Fehlender Internetzugang und fehlende Smartphones schließen von vornherein einen Großteil der Bevölkerung von der Bezahlung mit Bitcoin aus.

China gewinnt an Einfluss

Bukele, der sich selbst als „CEO“ eines Landes sieht, verkaufte den Bitcoin als die ideale Möglichkeit, unabhängig vom internationalen Finanzsystem zu werden und für die Bevölkerung viele Kosten zu reduzieren. Mit dem neuen Zahlungsmittel sollen die Menschen an Tankstellen und in Supermärkten zahlen. Auch die Steuern sollen so entrichtet werden können. Aber vor allem sollten die Überweisungen der Millionen Auslandssalvadorianer:innen in der virtuellen Währung getätigt werden, um Transaktionskosten zu sparen. Nach Angaben der Zentralbank nutzen aber gerade mal zwei Prozent der Migrant:innen die virtuelle Plattform, um Geld an die Familien daheim zu überwiesen.

Und mit der Pleite der großen Krypto-Handelsplattform FTX droht der Bitcoin vollständig zum Flop zu werden. „Die jüngsten Verluste sind fast ein Todesstoß für die Hoffnung der Regierung, dass sich der Bitcoin in El Salvador langfristig durchsetzt und von der Bevölkerung akzeptiert wird“, unterstreicht Castaneda. „Spätestens jetzt haben die Menschen die Volatilität der Währung aus erster Hand erfahren. El Salvador war das erste Land der Welt, das Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt hat, aber es ist gut möglich, dass es auch das Land ist, in dem der überwiegende Teil der Bevölkerung dem Zahlungsmittel die kalte Schulter zeigt.“

Derweil läuft der Regierung die Zeit davon. Sie muss im Januar internationale Schulden in Höhe von 667 Millionen Dollar begleichen, und Analysten zufolge könnte das Land zahlungsunfähig werden. Anfang des Jahres bat Bukele den Internationalen Währungsfonds (IWF) um eine Finanzierung, doch die multilaterale Organisation lehnte ab und forderte Bukele auf, die Einführung von Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel zu überdenken.

Laut Vizepräsident Felix Ulloa will China nun die Auslandsschulden des Landes kaufen. Ein Vorschlag, der von der Regierung geprüft werde, sagte er. Kurz danach verkündete Bukele, dass El Salvador ein Freihandelsabkommen mit der Regierung in Peking unterzeichnet habe.

Auch interessant

Kommentare