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Macron über 66-Millionen-Mann: „Schockierend und exzessiv“

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Von: Stefan Brändle

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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron steht neben Carlos Tavares, der gestikuliert und spricht. Aufgenommen Oktober 2018 (Archivbild)
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist empört über Carlos Tavares Jahresgehalt. (Archivbild) © AFP

Carlos Tavares, Chef des Autokonzerns Stellantis, erhält exorbitante Bezüge. Ein Problem mehr für Emmanuel Macron, der bei der Wahl in Frankreich erneut kandidiert.

Niemand in der Autobranche würde bestreiten, dass Carlos Tavares ein Ausnahmetalent ist. In acht Jahren verwandelte der 63-jährige Portugiese den französischen PSA-Konzern mit den Marken Peugeot und Citroën von einem Pleitebetrieb in ein florierendes Unternehmen. Anfang 2021 fusionierte er es mit Fiat und Chrysler zum Branchengiganten Stellantis; binnen eines Jahres machte er daraus den drittrentabelsten Autokonzern der Welt mit einem Gewinn von 13,4 Milliarden Euro. Auch Opel gehört zu Stellantis.

Statt Applaus hagelt es nun aber empörte Kritik. Laut dem Stellantis-Aktionär Phitrust, einem ethischen Investor, kommt Tavares auf 66 Millionen Euro Jahresverdienst. Dieser Betrag besteht aus 19 Millionen Gehalt inklusive Bonus, diversen Erfolgsprämien und Rentenanspruch. Dazu kommen 47 Millionen an jetzt zugesagten, aber erst 2026 bis 2028 auszuzahlenden Aktien und Sonderprämien für die Fünfjahres-Performance.

Frankreich – 66 Millionen sind „nicht zu verteidigen“

Selbst die wirtschaftsfreundliche Zeitung Figaro schrieb am Dienstag, Tavares sei „nicht zu verteidigen“. Die Gewerkschaften monieren, Stellantis habe in Frankreich zugleich 2600 Jobs abgebaut. Die Angestellten hätten zwar eine Lohnerhöhung von 2,8 Prozent sowie eine Prämie von 4400 Euro erhalten. Dies stehe aber in keinem Verhältnis zu den „astronomischen“ Einkünften des Konzernchefs. Auch nicht im internationalen Vergleich: VW-Boss Herbert Diess erhalte zum Beispiel 8,6 Millionen Euro, Renault-Chef Luca de Meo 4,7 Millionen. Sogar in den USA, wo viel höhere Spitzengehälter Usus seien, streiche Mary Barra, Chefin von General Motors, „nur“ umgerechnet 21 Millionen Euro ein.

Die Stellantis-Aktionäre haben Tavares’ Entlohnung bei ihrer Versammlung letzte Woche mit 52 Prozent zurückgewiesen. Der unübliche Entscheid hat allerdings nur konsultativen Charakter. Der Verwaltungsrat verteidigt die zweistelligen Millioneneinkünfte mit Blick auf die Geschäftsperformance. Phitrust-Vorsteher Denis Branche hält entgegen, Tavares leiste zwar gute Arbeit – „doch das selbstfliegende Auto hat auch er noch nicht erfunden“.

Die auffälligste Reaktion kommt aus dem Elysée-Palast in Frankreich. Der wiederkandidierende Staatspräsident Emmanuel Macron bezeichnete die Stellantis-Entlohnung als „schockierend und exzessiv“. „Es geht nicht an, dass die Leute Kaufkraftprobleme haben und zugleich diese Summen sehen“, meinte Macron, um dann von der zuständigen EU-Kommission eine „Deckelung“ der Chefgehälter zu verlangen. „Wenn wir das auf europäischer Ebene machen, kann es funktionieren, ähnlich wie mit der Steuerflucht“, sagte er.

Wirtschaft Frankreich – Auch Macron kennt Grenzen, bei aller Unternehmerfreundlichkeit

Dass der unternehmerfreundliche Präsidentschaftskandidat so prompt reagierte, hat auch damit zu tun, dass das Thema Kaufkraft als das Thema seiner Widersacherin Marine Le Pen gilt. Die Rechtsnationalistin zählt Arbeiter, Kleinbeamte und Arbeitslose zu ihrer Wählerschaft und hatte als erste erkannt, welche politische Sprengwirkung in den steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreisen steckt. Macron richtete sein Wahlprogramm hingegen auf außen- und umweltpolitische Themen sowie eine unpopuläre Rentenreform aus.

In Sachen Kaufkraft ist er deshalb kurz vor dem zweiten Präsidentschaftswahlgang in der Defensive: Von Le Pen wie auch von der Linken wird er der sozialen Härte bezichtigt, zumal er erklärte, die Franzosen müssten „mehr arbeiten“. Trotz Milliardenversprechen für untere Einkommensklassen hat es der ehemalige Investmentbanker nicht geschafft, seinen Ruf als „Präsident der Reichen“ loszuwerden.

Le Pen bezeichnet Tavares’ Einkünfte als Beweis für die „üblen Praktiken in den Pariser Eliten“. Sie sei „natürlich auch schockiert“ über die 66 Millionen, kommentierte sie im Bewusstsein, dass ihr solche eingängigen Affären mehr Wählerstimmen einbringen als komplizierte ökonomische Debatten. Denn sie gilt ansonsten als wirtschaftspolitische Amateurin. (Stefan Brändle)

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