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Den Streik gecancelt

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Von: Johanna Apel

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Viele Reisende werden erleichtert sein - der Flieger hebt ab. afp
Viele Reisende werden erleichtert sein - der Flieger hebt ab. afp © afp

Lufthansa und Pilotengewerkschaft einigen sich in letzter Minute

Bis zuletzt wurde verhandelt, am frühen Dienstagnachmittag kam der Durchbruch: Der für Mittwoch geplante Pilotenstreik bei der Lufthansa findet nicht statt. Man habe am Dienstag eine Teillösung erreicht, teilte ein Sprecher der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) der dpa mit. Das umfangreiche Paket finanzieller und struktureller Themen sei im Kern vereinbart und müsse in den folgenden Tagen ausgestaltet werden. Die angekündigten Arbeitskampfmaßnahmen würden abgesagt.

Am Dienstagmorgen hatte die Gewerkschaft noch gedroht. Der für Mittwoch angekündigte Streik könne nur abgewendet werden, wenn Lufthansa ein „ernstzunehmendes Angebot“ mache, hieß es seitens der Vereinigung Cockpit. Eine Arbeitsniederlegung bis Donnerstagmorgen hatten die Pilotinnen und Piloten ins Auge gefasst, bei Lufthansa Cargo sogar einen Tag länger. Erneut wären in der Urlaubssaison – in den südlichen Bundesländern sind noch Sommerferien – etliche Passagiere gestrandet.

Für die Kranich-Airline wäre das schmerzhaft gewesen: Bereits am vergangenen Freitag hatten die Pilot:innen von Deutschlands größter Fluggesellschaft ihre Arbeit niedergelegt, nachdem die VC zum Streik aufgerufen hatte. Rund 800 Flüge mussten gestrichen werden. Die Gewerkschaft hatte ursprünglich 5,5 Prozent mehr Geld in diesem Jahr sowie einen automatisierten Inflationsausgleich ab 2023 gefordert.

Zuletzt waren die Pilot:innen von ihrer Forderung nach einem automatisierten Inflationsausgleich abgerückt und hatten stattdessen eine jährliche Tariferhöhung um 8,2 Prozent ab 2023 gefordert – zusätzlich zu einer Erhöhung in diesem Jahr um 5,5 Prozent. Die Lufthansa hat pauschale Erhöhungen der Grundvergütung von 500 Euro zum 1. September 2022 und um 400 Euro zum 1. April 2023 angeboten. Das ergebe je nach bisherigem Gehalt Steigerungen zwischen 5 und 18 Prozent, so das Unternehmen.

Laut Lufthansa beliefen sich die ursprünglichen Forderungen der VC auf rund 900 Millionen Euro Mehrkosten in zwei Jahren. Dies sei selbst ohne Rücksicht auf die finanziellen Folgen der Corona-Krise außerhalb des Vertretbaren, hieß es.

Nach Lufthansa-Angaben liegt das Jahres-Einstiegsgehalt eines Piloten oder einer Pilotin bei 69 000 Euro brutto. Je nach Dienstjahren und zusätzlichen Qualifikationen steigt der Verdienst an. „Die Endstufe ist bei 250 000 Euro erreicht“, sagte eine Sprecherin auf RND-Anfrage.

Bei Redaktionsschluss stand noch nicht fest, auf was sich beide Seiten geeinigt hatten. Der Tarifkonflikt schwelt allerdings schon länger. Hinzu kommt, dass es hinter den Kulissen großen Unmut über das Gründen neuer Tochter-Airlines gibt. Nachdem bereits Eurowings Discover gegründet wurde, wird nun unter dem internen Namen Cityline 2.0 eine weitere Lufthansa-Abspaltung diskutiert. mit dpa

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