WIR-MU-AUFSCHLAG-B_144917_1_6
+
Die Zentrale der Deutschen Bank spiegelt sich in einer Glasfassade.

Deutsche Bank

Dem Investmentbanking sei Dank

  • Nina Luttmer
    vonNina Luttmer
    schließen

Deutschlands größtes Geldhaus legt bessere Zahlen als erwartet vor. Überzeugen kann das Ergebnis aber nicht.

Das muss man erst einmal verstehen. Die Welt steckt wegen der Corona-Pandemie in einer Krise historischen Ausmaßes – sowohl in politischer wie auch in wirtschaftlicher Hinsicht, im Frühjahr stürzten die Aktienmärkte ab, die Wirtschaftsprognosen sind verheerend. Und doch verdienen die Banken momentan viel Geld an den Märkten. Das zeigt sich auch bei der Deutschen Bank, die am Mittwoch ihre Ergebnisse für das zweite Quartal vorlegte. Im Investmentbanking stiegen die Erträge des Instituts im Vergleich zum Vorjahresquartal um 46 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Im erstem Quartal hatten sie schon um 18 Prozent zugelegt. Die amerikanischen Wettbewerber erfreuen sich ebenfalls satter Gewinne in diesem Geschäftsfeld. Was ist da los?

„Hohe Volatilitäten, also Kursschwankungen, spiegeln letztlich die hohe Unsicherheit der Marktteilnehmer über die künftige Marktentwicklung wieder“, sagt Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies in Frankfurt. „Die professionellen Anleger, also etwa Hedge-Fonds und Investmentfonds, passen ihre Prognosen dann laufend an und schichten ihre Portfolien um, manchmal stündlich.“

Sie kaufen und verkaufen also etwa Aktien und Anleihen und sichern ihre Geschäfte mit Derivaten ab. Davon wiederum profitieren die Banken, die die vielen Order ausführen und daran unter anderem durch Provisionen verdienen. „Dieses Geschäft ist aber relativ risikolos. Der Eigenhandel, bei dem die Banken früher mit Wertpapieren auf eigene Rechnung spekuliert haben, ist ja weitgehend eingestellt“, sagt Brühl.

In der Öffentlichkeit hat das Investmentbanking nach den Erfahrungen der Finanzkrise dennoch weiterhin einen denkbar schlechten Ruf. In der jetzigen Krise ist es aber die Stütze der Deutschen Bank – und das, obwohl Konzernchef Christian Sewing es eigentlich zugunsten weniger volatiler Geschäftsfelder zurechtstutzen will. Im ersten Halbjahr kamen knapp 40 Prozent der Gesamterträge der Bank von 12,6 Milliarden Euro aus dem Investmentbanking. Die Privatkundensparte sowie die Vermögensverwaltung verloren dagegen sowohl im zweiten Quartal als auch auf das gesamte Halbjahr betrachtet Erträge, in der Unternehmensbank blieben sie stabil.

Unter dem Strich verzeichnete Deutschlands größtes Geldhaus im zweiten Quartal einen Verlust von 77 Millionen Euro. Auch wenn die Bank damit besser abschnitt als von Analysten erwartet, bleibt die Frage, was passiert, wenn die durch die Corona-Krise hervorgerufene Sonderkonjunktur im Investmentbanking verpufft. Denn in den anderen Geschäftsbereichen sieht die Lage überwiegend mau aus. Was auch die Börsianer am Mittwoch so sahen: Der Aktienkurs der Bank sackte ab.

Das Bankmanagement bekräftigte zwar das Ziel, vor Steuern in diesem Jahr einen Gewinn zu schreiben. Im zweiten Quartal stand vor Steuern ein Ergebnis von 158 Millionen Euro, im ersten Halbjahr von 364 Millionen Euro. Diese Prognose sei aber wegen der Corona-Pandemie mit vielen Unsicherheiten behaftet, so Finanzvorstand James von Moltke. „Die Kristallkugel ist sehr wolkig“, sagte er.

Im vergangenen Jahr hatten vor allem Kosten für den erneuten Umbau der Bank zu einem Verlust von 5,7 Milliarden Euro geführt. Inzwischen seien aber 76 Prozent der bis 2022 avisierten Restrukturierungskosten verarbeitet, so der Finanzchef.

Ein Risikofaktor für Banken ist momentan die steigende Risikovorsorge für ausfallgefährdete oder bereits ausgefallene Kredite. Die Vorsorge der Deutschen Bank stieg im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 600 Millionen Euro auf 761 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr liegt sie nun bei 1,3 Milliarden Euro – im gesamten Vorjahr hatte sie nur 723 Millionen Euro betragen. „Der größte Teil der Risikovorsorge ist bereits in der ersten Jahreshälfte angefallen und wir erwarten eine Normalisierung im Laufe des Jahres“, gab sich die Bank in ihrem Quartalsbericht überraschend optimistisch.

Dort hebt sie – neben zahlreichen Risiken – auch Chancen hervor, die sich aus der Corona-Krise ergeben: eine beschleunigte Digitalisierung der Bankbranche etwa oder die Aussicht auf niedrigere Büro-Kosten. Das Management prüfe „Optionen, um zum Beispiel die Immobilien-Kosten zu senken, indem wir einen erhöhten Anteil an Heimarbeit aufrecht erhalten“. Auf der anderen Seite erhöhe die verstärkte Heimarbeit „das Risiko von Cyber-Angriffen, welche zu Technologieversagen, Sicherheitsverletzungen, unbefugtem Zugriff, Verlust oder Zerstörung von Daten oder Nichtverfügbarkeit von Dienstleistungen führen könnten“.

Bis 2022 will die Bank 18 000 Arbeitsplätze streichen – auf dann 74 000. Zuletzt lag die Zahl bei 86 824. Die Pandemie könnte die reguläre Fluktuationsrate der Mitarbeiter verzögern und die Ziele gefährden, warnt das Geldhaus.

Kommentare