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Steuererklärung richtig prüfen: Wie Sie bei Fehlern im Bescheid reagieren sollten

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Von: Mechthild Henneke

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Steuerbescheid
Eine Lupe wird über einen Steuerbescheid gehalten. © Franziska Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa/Illustration

Es lohnt sich, Steuerbescheide zur Einkommenssteuererklärung genau zu prüfen und gegebenenfalls beim Finanzamt Einspruch zu erheben.

Berlin – Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer reichen jährlich eine Steuererklärung ein und hoffen auf eine satte Rückzahlung.

Doch wenn der Bescheid eintrifft, wird manchmal eine Nachzahlung von mehreren hundert Euro gefordert. Die Finanzverwaltung erkennt Posten nicht an, die geltend gemacht wurden. Dann sollten die Steuerzahler:innen tätig werden. Wir haben bei Fachleuten nachgefragt, worauf bei der Kontrolle des Bescheids zu achten ist.

Den Bescheid vom Finanzamt sorgfältig prüfen

„Den gesamten Bescheid gründlich lesen“ – das empfiehlt Marieke Einbrodt, Steuerexpertin bei Stiftung Warentest. Häufig wandere der Blick vor allem dahin, wo die größten Abweichungen seien. „Doch die Steuererklärung hat für viele Fragen eine Bedeutung“, sagt sie. Ein Beispiel: das zu versteuernde Einkommen. Wenn das Finanzamt dieses höher ansetzt als die Arbeitnehmer:innen, kann sich das auf eventuelle Bafög-Ansprüche der Kinder, auf Hortzuzahlungen oder Kreditanträge auswirken. Deshalb lohne es sich, den Bescheid von vorne bis hinten durchzugehen.

„Übernahmefehler sind bei Bescheiden zur Einkommenssteuer relativ selten, weil sie digital erstellt werden“, sagt Daniela Karbe-Geßler, Leiterin Steuerrecht und Steuerpolitik beim Bund der Steuerzahler. Das Programm markiert Posten, die vom Normbereich oder Vorjahreswerten abweichen. Diese würden von einem Finanzbeamten dann geprüft. Gelegentlich komme es vor, dass ein Posten übersehen werde.

Einreichung und Bescheid zur Steuererklärung vergleichen

Hierbei helfen Computerprogramme – allen voran Elster, die Online-Software der Finanzverwaltung. „Wer darin seine Steuererklärung macht, hat die Möglichkeit, Bescheid und eingereichte Erklärung vergleichen zu lassen“, sagt Einbrodt. Die Abweichungen werden per Mausklick deutlich. Auch einige Computerprogramme zur Erstellung der Steuererklärung bieten diese Möglichkeit – besonders diejenigen, die Schnittstellen zu Elster haben. Was kein Programm herausfiltern kann: „Zahlendreher oder Posten, die der Steuerzahler beim Erstellen der Steuererklärung vergessen hat“, sagt Einbrodt. Also auch die eigenen Angaben noch einmal genau anschauen, wenn der Bescheid nicht so ausfällt wie erhofft.

Das Kleingedruckte im Steuerbescheid studieren

Abweichungen von der eingereichten Erklärung werden im Kleingedruckten am Ende des Bescheids aufgelistet, in den sogenannten Erläuterungen. „Hier wird zum Beispiel erklärt, ob alle Werbungskosten anerkannt oder beantragte Beträge gestrichen wurden“, sagt Karbe-Geßler. Einbrodt weist darauf hin, dass die Erläuterungen nicht immer leicht verständlich sind. „Steuerdeutsch ist nicht leicht“, sagt sie. Manchmal lässt sich am schnellsten über die gestrichene Summe ermitteln, welcher Posten beim Finanzamt durchgefallen ist.

Vorläufiger Steuerbescheid

Neben der Ablehnung eines eingereichten Postens gibt es auch die Variante, dass das Finanzamt Fragen zu einem Posten hat. Es kann zum Beispiel das Vorhandensein eines Arbeitszimmers angezweifelt werden. Das kann dazu führen, dass der Steuerbescheid als vorläufig eingestuft ist. Steuerzahler:innen können hier Angaben nachreichen, die ihre Berechnung belegen, etwa einen Grundriss der Wohnung, auf dem das Arbeitszimmer kenntlich gemacht wurde.

Einspruch beim Finanzamt erheben – bis zu einen Monat nach Erhalt des Steuerbescheids

Weist das Finanzamt dagegen einen Posten konkret zurück, haben Steuerzahler:innen einen Monat Zeit, Einspruch zu erheben. Die Frist startet drei Tage, nachdem der Bescheid abgeschickt wurde. Dann gilt er als bekannt gegeben. Fällt dieser Tag auf einen Samstag oder Sonntag, beginnt die Frist am darauffolgenden Montag. „Kann man nachweisen, dass man den Bescheid erst später erhalten hat, gilt der Tag der Zustellung als Bekanntgabe“, sagt Einbrodt. Nach einem Monat muss der Einspruch beim Finanzamt vorliegen. Da es in diesem Punkt häufig Missverständnisse gibt, hat Stiftung Warentest auf seiner Webseite einen digitalen Rechner zur Ermittlung der Einspruchsfrist eingestellt.

„Im Einspruch sollte der Steuerzahler erklären, warum seiner Meinung nach der Bescheid unrichtig ist“, sagt Karbe-Geßler. Der Einspruch kann online über die Elster-Webseite eingelegt werden. „Meist wird er aber schriftlich per Post eingereicht“, sagt sie. Übrigens können auch Fehler, die Steuerzahler:innen selbst bei der Einreichung passiert sind, per Einspruch korrigiert werden.

Fahrtkosten – hier schaut das Finanzamt genau hin

Die eingereichten Fahrtkosten sind ein Posten auf der Einkommenssteuererklärung, der vom Finanzamt häufig hinterfragt wird. Pro Kilometer der einfachen Strecke werden laut Gesetz 30 Cent veranschlagt, ab Kilometer 21 sind es 35 Cent. „Es zählt die kürzeste Route zur Arbeit. Wer Umwege fährt, um Stau oder Sperrungen zu vermeiden, kann den weiteren Weg absetzen“, sagt Einbrodt. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommt und höhere Ausgaben fürs Ticket hat, als er für die Fahrtkosten erstattet bekäme, kann diese Kosten absetzen.

Arbeitsmittel in der Steuererklärung

Bei den Kosten für Arbeitsmittel wie Computer, Laptop und Co. hat sich etwas geändert. Seit 2021 können sie komplett im Jahr des Kaufs abgeschrieben werden – nicht mehr gestaffelt wie zuvor. Das Finanzamt bezeichnet sie als digitale Wirtschaftsgüter. Tablet, Computer, Laptop und zugehörige Geräte wie Drucker oder Bildschirm zählen dazu. Das Mobiltelefon allerdings nicht, auch wenn viele es bei der Arbeit nutzen. Die Nutzungsdauer beträgt ein Jahr – danach kann ein neues Gerät angeschafft und wieder steuerlich geltend gemacht werden. Die technischen Geräte sind im Steuerbescheid „Aufwendungen für Arbeitsmittel“. „Wer seinen Laptop nur zur Hälfte beruflich nutzt, kann auch nur die Hälfte absetzen“, sagt Einbrodt.

Spenden als Sonderausgabe – beim Steuerbescheid genau hinschauen

Sie stehen im Bescheid bei den „unbeschränkt abziehbaren Sonderausgaben“ unter „geleistete Zuwendungen Paragraf 10b EStG“. Hier ist zu prüfen, ob alle Spenden genannt werden. Bis 300 Euro braucht man mittlerweile keinen Beleg mehr aufzubewahren, sondern kann die Spende per Kontoauszug oder Überweisungsbeleg nachweisen, falls das Finanzamt nachfragt. Es werden aber nur Spenden an kirchliche, religiöse und wissenschaftliche Organisationen, nicht an Privatpersonen anerkannt.

Ablehnung des Einspruchs – Unterstützung durch einen Steuerberater sinnvoll

Die Bearbeitung eines Einspruchs kann lange dauern. In der Antwort kann das Finanzamt dem Einspruch stattgeben oder diesen zurückweisen. „In diesem Fall wird der Steuerzahler gebeten, den Einspruch zurückzuziehen“, sagt Einbrodt. „Wer nicht einverstanden ist, kann Klage erheben“, so Karbe-Geßler, „eine Unterstützung durch einen Steuerberater oder Anwalt ist ratsam, wenn man sich nicht ausreichend sicher fühlt.“ (Mechthild Henneke)

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