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Bestellung ins Büro: Eine Foodora-Kurierin betritt das Konrad-Adenauer-Gebäude der CDU in Berlin.

Lieferdienste

Delivery Hero verkauft an Takeaway

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Lieferhelden, Lieferando, Deliveroo, Foodora - Essens-Lieferdienste boomen. Delivery Hero verkauft nun für viel Geld seine hiesigen Aktivitäten.

Neuer Boss für die Lieferhelden: Das Berliner Unternehmen Delivery Hero hat seine hiesigen Aktivitäten verkauft – und zwar an den niederländischen Rivalen Takeaway.com. Damit ruckeln sich die Lieferdienste für Pizza und Burger hierzulande zurecht.

Der Deal hat ein ungewöhnlich hohes Volumen von 930 Millionen Euro. Dafür gab es von Börsianern am Freitag heftigen Applaus. Der Kurs der Delivery-Aktie schoss im frühen Handel zeitweise um rund 25 Prozent in die Höhe. Auch mit dem Takeaway-Papier ging es trotz des hohen Preises nach oben.

Die Lieferdienste boomten im vergangenen Jahr. Umsätze und Kundenzahlen schossen in die Höhe. Plötzlich waren überall die Mahlzeitenkuriere in grell-bunter Montur und mit großen Thermoboxen auf dem Rücken zu sehen. In manchen Metropolen konkurrierten fünf, sechs Dienste miteinander. Inzwischen haben sich Betreiber des Essens auf Fahrrädern vielerorts schon wieder zurückgezogen. Das gilt insbesondere für die Türkisfarbenen (Deliveroo) und die Pinken (Foodora).

Alles fing einst mit der Bestellung der Pizza per Telefon an. Start-ups machten daraus professionelle Bestellplattformen im Internet. Das Ausfahren müssen die Restaurants selbst übernehmen, aber mit Rädern und Boxen im Design der Plattformbetreiber. Hierzulande arbeiten Lieferando, Lieferheld und Pizza.de nach diesem Prinzip. Die beiden Letzteren gehörten bislang zu Delivery Hero und agieren künftig gemeinsam mit Lieferando unter dem Dach von Takeaway. Hinzu kommt Foodora, das sich an einer veredelten Variante versucht: Mit eigenen Fahrern für feinere Restaurants – bislang ist es aber schwer, mit dieser Variante Geld zu verdienen. Die Pinken haben bislang riesige Verluste eingefahren.

Für Branchenkenner ist klar, dass Lieferdienste nur dann profitabel sein können, wenn sie hohe Marktanteile in einer Stadt haben. Deshalb wurde seit Monaten darüber spekuliert, dass die Lieferando-Mutter sich die drei Delivery-Marken schnappt. Die Niederländer sind stark auf den deutschen Markt fokussiert, sind hierzulande zum Wachsen verdammt und deshalb auch bereit, den hohen Preis zu zahlen. Jitse Groen, Gründer und Chef von Takeaway sieht enorme Potenziale, denn Deutschland weise die geringste Durchdringung mit Lieferdiensten in Europa auf. Die 930 Millionen Euro entsprechen dem Sechsfachen des Jahresumsatzes der drei akquirierten Dienste.

Für Niklas Östberg, Delivery-Boss, bringt die Transaktion gleich eine ganze Reihe von Vorteilen. Einerseits wird das Unternehmen, das aus der Start-up-Schmiede Rocket Internet kommt, mit einem Anteil von 18 Prozent Großaktionär von Takeaway. Zudem fließen rund 500 Millionen Euro in die Kasse der Berliner, mit denen sie in fernen Ländern expandieren und im nächsten Jahr die Umsätze um 45 Millionen Euro steigern wollen. Erlöse von insgesamt 1,1 Milliarden Euro sollen dann aus Mahlzeitendiensten in 41 Ländern zusammenkommen.

Allerdings geht Östberg auch davon aus, dass sein Unternehmen – Weltmarktführer nach eigenen Angaben – 2019 aus der betrieblichen Tätigkeit einen Verlust von bis zu 320 Millionen Euro einfahren wird. Das hört sich zunächst einmal dramatisch an. Man muss aber bedenken, dass andere internetbasierte Firmen wie Amazon über viele Jahre gezielt rote Zahlen geschrieben haben, weil es ihnen nicht um Gewinne, sondern um die Steigerung des Unternehmenswerts durch massive Investitionen ging.

Die Frage ist nun vor allem, wie es mit Foodora weitergeht. Takeaway-Chef Groen hat die Belieferung mit eigenen Fahrern als „sehr schlechtes Geschäftsmodell“ bezeichnet. Es sei unmöglich, es profitabel zu betreiben. Gut möglich, dass Foodora künftig auf ganz kleiner Flamme weiterkocht, um eine Nobelsparte als Nischenangebot im Takeaway-Konzern am Leben zu erhalten.

Andererseits sitzt der hiesige Ableger des britischen Konkurrenten Deliveroo den Pinken mit einem identischen Geschäftsmodell im Nacken. Deliveroo verhandelt seit Monaten mit dem weltweit wertvollsten Start-up über eine Übernahme: Gemeint ist der US-Fahrdienst Uber. Dessen Taschen dürften tief genug sein, um einen Großteil der Lieferdienst-Konkurrenz wegzufegen. Aber auch Amazon ist angeblich an Deliveroo interessiert. Es geht um einen Deal mit einem Volumen von bis zu vier Milliarden Dollar.

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