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Von den Gehältern der Chefs und Chefinnen können Beschäftigte nur träumen.
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Von den Gehältern der Chefs und Chefinnen können Beschäftigte nur träumen.

Dax-Vorstände

Dein Gehalt mal 48

  • Nina Luttmer
    VonNina Luttmer
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Dax-Konzerne bezahlen die Vorstandsmitglieder sehr gut – die Mitarbeitenden dagegen nicht immer.

Was „die da oben“ in den Vorstandsetagen verdienen, ist jedes Jahr aufs neue ein Aufreger - unter den Beschäftigten der betroffenen Unternehmen wie in der breiten Öffentlichkeit. Aber wie groß ist eigentlich die Kluft zwischen den Gehältern der Chefs und Chefinnen und den der normal Beschäftigten? Das hat sich die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) gemeinsam mit der Technischen Universität München für das Jahr 2020 für die 30 im deutschen Leitindex Dax notierten Unternehmen angeschaut.

Ergebnis: Im Durchschnitt kostete ein Vorstand oder eine Vorständin (ohne Pensionszusagen) die Unternehmen 48-mal so viel wie eine durchschnittlich entlohnte Mitarbeiterin beziehungsweise ein durchschnittlich bezahlter Mitarbeiter. Betrachtet man die Führungsgremien aller Dax-Konzerne zusammen, verdiente eine Vorständin oder ein Vorstand im vergangenen Jahr im Schnitt 3,4 Millionen Euro. Jedem und jeder Beschäftigten einer Dax-Firma flossen im Schnitt 71 000 Euro zu.

Was deutlich mehr ist als der deutsche Schnitt: Dem Statistischen Bundesamt zufolge lag der durchschnittliche Bruttolohn eines Arbeitnehmers beziehungsweise einer Arbeitnehmerin in Deutschland im Jahr 2019 bei 37 139 Euro im Jahr.

SAP und Deutsche Bank entlohnen Beschäftigte hoch

Am größten war die Spanne bei dem Essenslieferanten und Dax-Neuling Delivery Hero. Während die Mitglieder des Vorstands die Firma im Schnitt 3,2 Millionen Euro kosteten, gab sie für jeden Mitarbeiter und jede Beschäftigte - vor allem Essenskuriere - nur 27 000 Euro aus, was einem Verhältnis von 121 zu eins entspricht. Danach folgte der Industriekonzern Linde: Die Beschäftigten erhielten dort im Schnitt ordentliche 73 000 Euro, die Vorstände 5,9 Millionen Euro - das ist das 80-Fache.

Besonders hoch sind die durchschnittlichen Gehälter für die Beschäftigten beim Softwarekonzern SAP mit 132 000 Euro, gefolgt von der Deutschen Bank mit 121 000 Euro. Das Verhältnis zu den Vorstandsgehältern lag hier bei 56 beziehungsweise 45 zu eins. Die geringste Spanne findet sich beim Münchner Triebwerkhersteller MTU mit dem Faktor 16 - der Aufwand für die Vorstände betrug durchschnittlich 1,2 Millionen Euro, für die Beschäftigten je 76 000 Euro.

Das Verhältnis zwischen den Vorstandsvergütungen und der Entlohnung der Beschäftigten sei in den vergangenen Jahren relativ stabil geblieben, sagte Gunther Friedl, Professor für Controlling an der TU München: „Die Schere geht nicht weiter auseinander.“ Im vergangenen Jahr ist sie sogar leicht geschrumpft, da die variable Vergütung vieler Vorstände und Vorständinnen wegen der Corona-Krise sank. Im Jahr 2018 bekamen die Vorstandsleute im Schnitt noch 52-mal mehr Geld als die Beschäftigten.

1692-mal mehr als die Mitarbeitenden

Bei der Betrachtung dieser Zahlen muss jedoch eins betont werden: DSW und TU München haben die Vergütung der Vorstandsmitglieder nach dem sogenannten Zuwendungsprinzip berechnet. Das heißt, sie haben geschaut, was die jeweiligen Vorständ:innen ihre Unternehmen im vergangenen Jahr gekostet haben - und nicht, was die Top-Manager:innen am Ende wirklich im Portemonnaie hatten.

So versilberte der Chef von Delivery Hero, Niklas Östberg, der nur ein relativ niedriges Fixgehalt bezieht, im vergangenen Jahr Aktienoptionen. Diese hatte er nach eigenen Angaben sieben oder acht Jahre zuvor erhalten. Dadurch nahm er im vergangenen Jahr mehr als 45 Millionen Euro ein. Nach der Systematik von DSW und TU München taucht dieser Betrag aber nicht auf, da die Optionen von dem Unternehmen nicht 2020, sondern viele Jahre davor als Kosten mit den damaligen Kursen gebucht wurden.

Legt man Östbergs tatsächliche Einnahmen 2020 zugrunde, so hätte er alleine im vergangenen Jahr etwa 1692-mal so viel Geld bekommen wie ein durchschnittlich entlohnter Beschäftigte oder eine durchschnittliche bezahlte Mitarbeiterin von Delivery Hero.

Vorständinnen bekommen mehr als die Kollegen

Deshalb kann diese Betrachtung nur eine Annäherung an die Einkommensverhältnisse in Unternehmen sein. Zumal Vorständ:innen meist noch üppige Pensionszusagen erhalten. Klar ist: In den USA sind die Unterschiede im Regelfall noch deutlich gravierender. So kostete der Vorstandsvorsitzende des Sportartikelherstellers Nike das Unternehmen laut DSW im vergangenen Jahr 1935-mal mehr als ein durchschnittlich bezahlter oder eine durchschnittliche bezahlte Beschäftigte. „Die Verhältnisse in den USA sind jenseits von Gut und Börse, teilweise zumindest“, sagte Christiane Hölz, Vergütungsexpertin der DSW.

Erstmals verdienten im vergangenen Jahr die Vorständinnen von Dax-Unternehmen im Schnitt mehr als ihre männlichen Kollegen. Sie bekamen 3,4 Millionen Euro, die Vorstände „nur“ 2,9 Millionen Euro. Doch ist der Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder bei Dax-Konzernen mit nicht einmal 18 Prozent weiterhin niedrig.

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