Werbeverbot für Junkfood

Debatte über Werbeverbot für Junkfood

  • vonChristian Burmeister
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Die Lebensmittelindustrie lehnt Einschränkungen empört ab und greift Ernährungsministerin Klöckner für ihre Äußerungen an

Die Idee eines weitgehenden Werbeverbots für ungesundes Essen, auch „Junkfood“ genannt, löst heftige Kritik der Lebensmittelindustrie aus. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) hat sich für einen solchen Schritt grundsätzlich offen gezeigt.

„Ich meine, wir müssen an Kinder gerichtete Lebensmittelwerbung stärker in den Blick nehmen“, sagte Klöckner nach einem entsprechenden Vorstoß der Grünen. Das bedeute auch, über weitergehende Beschränkungen in dem Bereich nachzudenken. Zuvor hatte die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kirsten Kappert-Gonther im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) eine stärkere Regulierung angemahnt, wie sie in Großbritannien bereits umgesetzt wird. Dort darf entsprechende Werbung in TV und Internet künftig erst ab 21 Uhr gezeigt werden. Angesichts steigender Zahlen von Übergewichtigen in der Bevölkerung und etwa 15 Prozent fettleibiger Kinder gebe es „dringenden Handlungsbedarf“, so Kappert-Gonther.

Der Lebensmittelverband Deutschland hält die Debatte für falsch und attackiert Klöckner: „Es ist überraschend, wie wenig Vertrauen die Ministerin in ihre eigene Politik hat, wenn sie ernsthaft Werbeverbote für denkbar hält. Wir vertrauen weiter dem grundgesetzlich geschützten Erziehungsauftrag der Eltern. Man kann Kinder nicht unter einer Käseglocke aufwachsen lassen. Vielmehr müssen sie lernen, mit Medien und Werbung umzugehen und selbst Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen“, sagte Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Verbands, dem RND.

Auch die „Wirtschaftliche Vereinigung Zucker“ hält von der Idee eines weitreichenden Werbeverbots wenig: „Ja, unsere gesellschaftliche Herausforderung ist Übergewicht. Hierbei hilft aber vor allem der Blick auf die Kalorienbilanz: Wer mehr isst, als er verbraucht, nimmt zu. Anstatt sich also auf TV-Werbung und Symbolpolitik zu konzentrieren ist doch die Frage nach dem Pause-Knopf und mehr Bewegung viel wichtiger“, meinte Hauptgeschäftsführer Günter Tissen.

Doch eine stärkere Regulierung hat auch viele Unterstützer. Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD) teilte mit: „Ich schließe mich der Forderung persönlich voll an.“ Martin Rücker, Geschäftsführer von Foodwatch, hält eine weitere Regulierung von „übergriffiger Junkfood-Werbung“ auf allen Kanälen vor allem mit Blick auf Kinder für überfällig: „Weil die Lebensmittelindustrie mit Limo, Süßwaren und ungesunden Snacks höhere Renditen erzielen kann als mit gesunden Produkten, setzt sie auf allen Kanälen alles daran, Kinder ganz gezielt für diese Produkte anzufixen.“

„Frühstücksflocken für Kinder enthalten im Schnitt doppelt so viel Zucker wie Produkte für Erwachsene, daran haben auch die seit Jahren bestehenden Selbstverpflichtungen der Industrie nichts geändert“, argumentierte Anne Markwardt, Lebensmittelexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Ein TV-Werbeverbot alleine reiche nicht aus, notwendig sei vielmehr eine Regulierung der gesamten Produktkategorie für alle Kommunikationskanäle und verbindliche Obergrenzen bei Zucker, Fett und Salz. Laut einer VZBV-Umfrage befürworten 83 Prozent der befragten Verbraucher solche gesetzlichen Höchstmengen.

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