Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Der israelische Milliardär Steinmetz steigt beim angeschlagenen Warenhaus-Konzern Karstadt ein.
+
Der israelische Milliardär Steinmetz steigt beim angeschlagenen Warenhaus-Konzern Karstadt ein.

Karstadt Übernahme

Dealen mit Karstadt

  • Frank-Thomas Wenzel
    VonFrank-Thomas Wenzel
    schließen

Nach dem Rückzug des Investors Nicolas Berggruen und der Übernahme durch den Österreicher René Benko gibt es verschiedene Szenarien für die Zukunft von Karstadt. Was könnte aus der Kaufhauskette werden?

Nach dem Rückzug des Investors Nicolas Berggruen und der Übernahme durch den Österreicher René Benko gibt es verschiedene Szenarien für die Zukunft von Karstadt. Was könnte aus der Kaufhauskette werden?

Dass sich Nicolas Berggruen bei Karstadt früher oder später zurückzieht, war für Beobachter längst beschlossene Sache. Gerätselt wurde aber, wie er das anstellt. Jetzt wird immer deutlicher, worauf es hinausläuft: auf eine Art Tauschgeschäft. Der Belegschaft wird derweil immer mulmiger zumute.

Vor gut zwei Monaten machte Berggruen den ersten Schritt. Er gab an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko jeweils 75,1 Prozent des operativen Geschäfts der drei Nobelkaufhäuser – KaDeWe (Berlin), Alsterhaus (Hamburg), Oberpollinger (München) – und der 28 Sportfilialen ab. Laut Medienberichten soll Benko nun gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Beny Steinmetz, ein Diamantenhändler, eine Option zur Übernahme von 75,1 Prozent der Anteile an den 83 Standard-Kaufhäusern des Konzerns haben.

Nicht an Bekleidung interessiert

Die Deals sind ganz speziell gestrickt: Die Kontrolle über die Nobel- und Sporthäuser hat Benko gegen die Zusicherung erhalten, 300 Millionen Euro in die Sanierung von Karstadt-Filialen zu stecken. Davon profitiert der Investor selbst: Denn ihm gehören mittlerweile die Immobilien von 21 Karstadt-Standorten, und in diese Filialen soll wohl das Geld vor allem fließen. Wobei die überfälligen Renovierungen mit Mieterhöhungen einhergehen könnten, die dann in Benkos Kassen fließen. Berggruen wiederum soll für die Abgabe der Mehrheit an den 83 Kaufhäusern eine Beteiligung an einer Benko-Gesellschaft erhalten, in der ein Großteil der Warenhaus-Immobilien gebündelt ist.

Wird all dies umgesetzt, ist Berggruen nicht mehr Kaufhaus-Betreiber sondern Immobilieninvestor. Für Beobachter ist klar, dass auch Benko nicht wirklich am Verkaufen von Bekleidung und Spielsachen interessiert ist, sondern an den Gebäuden in guter Lage.

Das liefe darauf hinaus, dass Benko eine „Verwertung“ angehen könnte, für die es verschiedene Spielarten gibt. Denkbar wäre eine Fusion mit dem Rivalen Kaufhof, obwohl die Manager der Metro-Tochter derzeit von Verhandlungen nichts wissen wollen. Aber Benko hatte schon 2011 Interesse an Kaufhof, das könnte bald wieder erwachen.

Berggruen würde weiter profitieren

Zusätzlich könnten Kaufhäuser verkleinert werden. Die abgetrennten Räume ließen sich an andere Einzelhändler vermieten, die Verkaufsflächen in Innenstädten suchen. Vielleicht gibt es Fitnessstudios, die sich in Obergeschossen von Karstadt-Häusern breitmachen wollen. Vielleicht lassen sich Immobilien in innerstädtische Einkaufszentren umbauen. Denkbar wäre auch, dass ausländische Unternehmen, die in den hiesigen Einzelhandel einsteigen wollen, Karstadt-Standorte übernehmen. Der französischen Kette Printemps wird dies immer wieder nachgesagt. Von diesen Vermietungsgeschäften würde auch Berggruen als Teilhaber an Benkos Warenhaus-Immobiliengesellschaft profitieren.

Damit würden sich die Horrorvisionen von Arbeitnehmern und Gewerkschaftern erfüllen. Diese feierten Berggruen einst als Retter, als er den Konzern im Sommer 2010 für einen symbolischen Euro übernahm. Die Gewerkschaft Verdi jedenfalls fordert nun Aufklärung. Ein Gespräch mit Benko ist für Januar geplant. Einen Termin mit Steinmetz gibt es noch nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare