1. Startseite
  2. Wirtschaft

Deal mit Tata steht

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thorsten Knuf

Kommentare

Ein ThyssenKrupp-Mitarbeiter prüft die Stahlqualität nach dem Abstich.
Ein ThyssenKrupp-Mitarbeiter prüft die Stahlqualität nach dem Abstich. © dpa

Thyssen-Krupp fusioniert seine Stahlsparte mit dem indischen Mischkonzern Tata. Das neue Unternehmen soll am schwankungsanfälligen Markt besser bestehen können.

Im Ruhrgebiet geht ein weiteres Kapitel deutscher Wirtschaftsgeschichte zu Ende: Der Essener Industriekonzern Thyssen-Krupp spaltet seine traditionsreiche Stahlsparte ab und fusioniert sie mit den europäischen Aktivitäten des indischen Stahl-Riesen Tata. Die neue Gemeinschaftsfirma mit dem Namen ThyssenKrupp Tata Steel wird ihren Sitz aber nicht in Deutschland, sondern in den Niederlanden haben. Das teilte der deutsche Konzern am Wochenende mit. Am Montag sollen weitere Details bekanntgegeben werden.

Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesiger ließ sich mit den Worten zitieren, das Gemeinschaftsunternehmen sichere dem Konzern langfristig eine wettbewerbsfähige Position in der europäischen Stahlindustrie. „Damit erhalten wir langfristig Arbeitsplätze und erhalten Wertschöpfungsketten in europäischen Schlüsselindustrien.“ Das Stahlgeschäft ist sehr schwankungsanfällig. Thyssen-Krupp will sich künftig stärker auf sein Industriegeschäft fokussieren, etwa den Bau von Aufzügen, Fabriken, Autoteilen und Schiffen.

Die Wettbewerbsbehörden müssen der geplanten Fusion noch zustimmen. Das neue Stahl-Unternehmen wäre mit einem Umsatz von mehr als 17 Milliarden Euro und 48 000 Mitarbeitern nach Arcelor Mittal die Nummer zwei in Europa. Beide Partner sollen künftig jeweils die Hälfte der Anteile an dem Konzern halten. Er wird Stahlwerke in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien betreiben.

In einer Mitteilung von Thyssen-Krupp heißt es, dass mit jährlichen Synergien in Höhe von bis zu 500 Millionen Euro zu rechnen sei. Weiter ist zu lesen: „Um die Kostensynergien realisieren zu können, ist in den kommenden Jahren ein Abbau von bis zu 4000 Stellen in den Verwaltungsbereichen und in der Produktion erforderlich. Die beiden Partner gehen davon aus, dass die Lasten ungefähr hälftig auf die beiden Joint-Venture-Partner verteilt werden.“

Die Fusionsankündigung kommt alles andere als überraschend. Bereits im vergangenen September hatten sich beide Partner grundsätzlich auf einen Zusammenschluss verständigt, danach aber um die Modalitäten gerungen. Auf deutscher Seite gab es zunächst heftigen Widerstand von Seiten der Arbeitnehmer und der IG Metall. Die ließen sich jedoch mit Job-Garantien bis Herbst 2026 sowie einer langfristigen Standort-Sicherung umstimmen.

Das weltweite Stahlgeschäft ist derzeit von starken Überkapazitäten geprägt. Vor allem chinesische Hersteller fluten die Märkte mit billiger Ware. US-Präsident Donald Trump hatte erst kürzlich Schutzzölle auf Einfuhren von Stahl und Aluminium aus dem Ausland verhängt.

Der indische Stahlkonzern Tata ist gemessen am Produktionsvolumen der zehntgrößte Hersteller der Welt. ThyssenKrupp kam zuletzt auf Rang 29. Das deutsche Unternehmen ist selbst das Ergebnis von Fusionen und der Konsolidierung der Schwerindustrie im Ruhrgebiet. Thyssen-Krupp entstand im Jahr 1999 durch den Zusammenschluss der damaligen Thyssen AG mit der Friedrich Krupp AG, welche sich ihrerseits einige Jahre zuvor die Hoesch AG einverleibt hatte.

Auch interessant

Kommentare