1. Startseite
  2. Wirtschaft

Dayli macht endgültig dicht

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Schlecker-Nachfolger Dayli muss in Österreich endgültig schließen. Alle Konzepte zur Rettung der Handelskette sind gescheitert.
Schlecker-Nachfolger Dayli muss in Österreich endgültig schließen. Alle Konzepte zur Rettung der Handelskette sind gescheitert. © dpa

Bis zuletzt haben etwa 2200 Angestellte der insolventen österreichischen Handelskette Dayli auf einen Fortführung von Teilen ihres Unternehmens gehofft. Doch alle Konzepte sind gescheitert, 522 Filialen schließen noch in dieser Woche.

Von Daniel Kortschak

Bis zuletzt haben etwa 2200 Angestellte der insolventen österreichischen Handelskette Dayli auf einen Fortführung von Teilen ihres Unternehmens gehofft. Doch alle Konzepte sind gescheitert, 522 Filialen schließen noch in dieser Woche.

"Juhuuuuuu wir schließen!!!!!!!!!!!", "Endlich die erlösende Nachricht.....wir schließen!!!!". Mit Einträgen wie diesen in einem Internetforum der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) machen die Mitarbeiterinnen der insolventen österreichischen Einzelhandelskette Dayli ihrer Erleichterung Luft.

Seit Montag ist klar, dass es keine Rettung mehr für den Nachfolger der in die Pleite geschlitterten Drogeriemarkt-Kette Schlecker gibt, alle Gespräche mit potenziellen Interessenten sind gescheitert. Er sei "frustriert" über die gescheiterte Suche nach möglichen Investoren, sagt Dayli-Insolvenzverwalter Rudolf Mitterlehner. "Bis zuletzt behaupteten die Investoren, die drohenden laufenden Verluste abdecken zu wollen, das Geld kam aber nicht“, so Mitterlehner in einer Pressemitteilung.

522 Filialen müssen schließen

Nun bleibt dem Insolvenzverwalter nichts Anderes übrig, als die verbliebenen 522 Dayli-Filialen zu schließen. Noch diese Woche sollen in den früheren Schlecker-Läden die Lichter endgültig ausgehen. Auch die restlichen 2200 Dayli-Angestellten verlieren damit ihren Job.

Doch zwischen die Stimmen jener Mitarbeiterinnen, die sich erleichtert darüber zeigen, dass sie nun endlich Klarheit über ihre berufliche Zukunft haben, mischen sich in der GPA-Erfahrungsbörse im Internet auch wehmütige Töne: "Auch wenn ich es geahnt habe ... es ist schwer zu glauben, ich bin grad den Tränen nahe in meinem leeren Shop ohne Kunden", schreibt zum Beispiel die Angestellte mit dem Pseudonym "welserin". "Schade....wir haben auch gerne bei Schlecker/Dayli gearbeitet. Aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende", postet "tantum". Andere Betroffene beklagen in dem Internet-Forum, sie würden von ihren Vorgesetzten über ihr Schicksal im Unklaren gelassen.

Die Insolvenz von Dayli ist mit rund 3500 betroffenen Angestellten die größte Pleite im österreichischen Einzelhandel seit dem Konkurs der Konsum-Genossenschaft, die im Jahr 1995 nicht weniger als 17.000 Menschen den Arbeitsplatz gekostet hat.

Konkurrenz hat Interesse an Angestellten

Dennoch sehen Arbeitsmarkt-Experten die Zukunft für viele der ehemaligen Dayli-Mitarbeiterinnen vorsichtig positiv. "Die Dayli-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter sind natürlich da und dort - je nachdem, wie die regionale Situation ist - für andere Supermarktketten durchaus sehr interessant, weil viele von ihnen wirklich viele Jahre Berufserfahrung haben", sagte Johannes Kopf vom Arbeitsmarktservice (AMS) im ORF-Radio.

Die großen Supermarktkonzerne sowie einige Drogerieketten haben bereits angekündigt, ehemalige Dayli-Beschäftigte bevorzugt aufnehmen zu wollen. Allerdings liegen viele der früheren Schlecker-Filialen in kleinen Orten auf dem Land, wo es kaum Beschäftigungs-Alternativen in der Branche gibt. Viele der Dayli-Angestellten sind zudem weiblich und arbeiten in Teilzeit. Wegen bestehender Betreuungspflichten können sind sie auch nur eingeschränkt mobil.

Für alle jene, die nicht sofort einen neuen Job finden, sollen Arbeitsstiftungen gegründet werden, verspricht das AMS: "Das bedeutet, dass die Betroffenen dort völlig andere Ausbildungen machen können, sei es im technischen Bereich, sei es im Pflegebereich. Aber auch Höherqualifizierungen im Handel sind denkbar," sagte Arbeitsmarkt-Experte Kopf im Ö1-Morgenjournal. Während dieser Umschulungs-Maßnahmen können die früheren Dayli-Mitarbeiterinnen bis zu vier Jahre lang Arbeitslosengeld beziehen.

Auch die Bundesregierung sichert den betroffenen Angestellten Unterstützung zu. Alle ausstehenden Gehälter, das Urlaubsgeld und etwaige Abfertigungsansprüche würden vom Insolvenzgeldfonds ausgezahlt, so Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) in einer Pressemitteilung.

Warten aufs Geld

Bis die früheren Dayli-Mitarbeiterinnen aber tatsächlich ihr Geld sehen, kann es wegen des hohen bürokratischen Aufwandes aber noch einige Wochen dauern. In Informationsveranstaltungen wollen Gewerkschaft und Arbeitsmarktservice die Betroffenen nun landesweit über ihre Ansprüche informieren.

Wenig Hoffnung, ihre offenen Rechnungen bezahlt zu bekommen, können sich indes die Gläubiger von Dayli machen. Freien Vermögenswerten von 12.8 Millionen Euro stehen Verbindlichkeiten von 62,4 Millionen Euro gegenüber. Nach Abzug der Verfahrens- und Verwertungskosten rechnen Insolvenzexperten mit einer mageren Quote von nur 15 Prozent.

Zu den größten Gläubigern zählen mit rund 25 Millionen Außenständen der Glückspielkonzern Novomatic, der früher die Hälfte der Dayli-Anteile hielt, sowie die Lieferanten, denen das insolvente Unternehmen etwa 18 Millionen Euro schuldet.

Auch interessant

Kommentare