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Ukraine-Krise: Angst vor Krieg lässt Europas Börsen einbrechen

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Der Außenbereich des Handelssaals der Deutschen Börse in Frankfurt.
Aus Furcht vor einem Einmarsch Russlands in die Ukraine fliehen Anleger in Scharen aus den Aktienmärkten.  (Symbolbild) © Boris Roessler/dpa/Symbolbild

Der Ukraine-Konflikt spitzt sich weiter zu. An den Börsen hat die politische Krise die Zinswende als Nummer-Eins-Risikofaktor abgelöst.

Frankfurt - Aus Furcht vor einem Einmarsch Russlands in die Ukraine* fliehen Anleger in Scharen aus den Aktienmärkten. Dax und EuroStoxx50 fielen am Montag um mehr als drei Prozent auf 14.919 beziehungsweise 4027 Punkte. Im Gegenzug stieg der VDax, der die Nervosität der deutschen Anleger widerspiegelt, auf ein 13-Monats-Hoch von 31,72 Punkten. Daher deckten sich Investoren mit den als sicher geltenden Bundesanleihen ein. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf 0,204 Prozent.

Risiko-Faktor Ukraine-Konflikt

„Die Russland-Krise hat die Zinswende als Nummer-Eins-Risikofaktor* abgelöst“, warnte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. „Die Angst vor weiter steigenden Energiepreisen im Fall einer militärischen Eskalation ist riesig.“ Die wirtschaftliche Erholung von der Corona-Pandemie könnte damit abwürgt werden.

So stieg der europäische Erdgas-Terminkontrakt um 13 Prozent auf 84,20 Euro je Megawattstunde. Russland ist ein wichtiger Lieferant dieses Energieträgers. Spekulationen auf Lieferausfälle trieben auch den Ölpreis in die Höhe. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich bis zu 1,8 Prozent und kostete mit 96,16 Dollar je Barrel (159 Liter) zeitweise so viel wie zuletzt vor siebeneinhalb Jahren.

Einsetzende Gewinnmitnahmen drückten den Preis zuletzt aber auf 94,28 Dollar. „Wenn es Truppenbewegungen gibt, wird der Brent-Preis problemlos über die Marke von 100 Dollar springen“, prognostizierte Analyst Edward Moya vom Brokerhaus Oanda. Die US-Regierung hatte zuletzt wiederholt gewarnt, dass eine russische Invasion in der Ukraine jederzeit möglich sei.

Russische und ukrainische Börsen unter Druck

Aus den Depots flogen auch russische Wertpapiere. Der Moskauer Index für in Dollar notierte Aktien rutschte um bis zu 5,4 Prozent ab. Der Ausverkauf russischer Staatsanleihen trieb die Rendite der zehnjährigen Bonds auf ein Sechs-Jahres-Hoch von 10,05 Prozent. „Es ist sinnvoll, Risiken in Bezug auf Russland so weit wie möglich zu minimieren und sich nicht aktiv in russischen Werten zu engagieren, bis das Risiko eines militärischen Zusammenstoßes verschwunden ist“, sagte Volkswirt Jewgeni Suworow von der CentroCreditBank.

Am Devisenmarkt zogen sich Investoren aus dem russischen Rubel und der ukrainischen Währung Hrywnja zurück. Im Gegenzug verteuerte sich der Dollar um 1,5 Prozent auf 78,29 Rubel beziehungsweise um 2,5 Prozent auf 28,749 Hrywnja.

Am westeuropäischen Aktienmarkt gerieten vor allem Reisewerte unter Verkaufsdruck. Der Branchenindex rutschte um vier Prozent ab, da einige Airlines ihre Flüge in die Ukraine eingestellt haben oder dies in Erwägung ziehen. Die Aktien der österreichischen Raiffeisen Bank, die stark in Russland engagiert ist, brachen um mehr als zehn Prozent ein, so stark wie zuletzt vor eineinhalb Jahren.

In den Fokus rückten auch die Papiere des Schweizer Spezialchemiekonzerns Clariant, die in Zürich zeitweise um mehr als 17 Prozent abstürzten. Sie steuerten damit auf den größten Tagesverlust der Firmengeschichte zu. Wegen möglicher Falschbuchungen verschob das Unternehmen die Veröffentlichung seiner Geschäftszahlen.

Sorgen um Zinsentwicklung

Neben der Ukraine-Krise verunsicherten auch weiter Zinserhöhungsängste die Investoren. Der anhaltende Preisdruck lasse eine Straffung der Geldpolitik weltweit wahrscheinlicher werden, prognostizierte Bruce Kasman, Chef-Volkswirt der US-Bank JPMorgan. Allerdings erwarte er trotz der hohen Inflation in den USA keine drastische Zinsanhebung durch die Notenbank Fed im März.

Auch die prinzipiell positive Bilanzsaison komme mit dem einen oder anderen Wermutstropfen, gab Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets zu bedenken. „Während die meisten Unternehmen ihre Erwartungen zum Ergebnis im vierten Quartal zwar erreichen konnten, hat gut die Hälfte irgendeine Warnung im Schlepptau ihre Umsätze, Margen oder Gewinne für das laufende Jahr betreffend. Die Unternehmen spüren, dass sie in Zukunft nicht mehr so einfach in der Lage sein werden, die gestiegenen Preise für Vorprodukte und Rohstoffe* eins zu eins an ihre Kunden weiterzureichen.“ (rtr)

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