+
Ein beliebtes Spielzeug unter Millionären: Die Yacht.

Vorstandsvergütung

Dax-Chefs mit goldenen Nasen

  • schließen

Die Vorstandsvorsitzenden der Dax-Konzerne haben im vergangenen Jahr so viel Gelde erhalten wie nie zuvor. Spitzenverdiener war SAP-Chef McDermott mit 21,1 Millionen Euro.

Was macht man nur mit so viel Geld? Das dann auch noch jedes Jahr aufs Neue auf dem Konto eingeht? Vielleicht eine schön gelegene Villa kaufen – oder auch zwei, dazu noch eine Yacht oder einen Helikopter? Die meisten Menschen in Deutschland stehen nicht vor solch „schwierigen“ Entscheidungen, sehr wohl aber die Chefs vieler hiesiger Großunternehmen.

7,4 Millionen Euro erhielten die Vorstandsvorsitzenden der 28 größten deutschen, im Leitindex Dax notierten Firmen im vergangenen Geschäftsjahr im Durchschnitt (alleine die Vergütung des Commerzbank-Chefs Martin Zielke ist noch nicht publik; bei der Münchner Rück fand Mitte 2017 ein Chefwechsel statt, wodurch es keine vergleichbaren Jahreswerte gibt). „Das ist ein Rekordjahr. Noch nie hat es eine so hohe durchschnittliche Vorstandsvergütung gegeben“, sagt Michael Kramarsch, Managing Partner bei der Unternehmensberatung HKP, die die Gehälter ausgewertet hat.

Absoluter Spitzenverdiener war, wie schon im Vorjahr, der Chef des Walldorfer Softwareriesen SAP, Bill McDermott. Er erhielt für 2017 noch einmal 38 Prozent mehr als im Vorjahr und damit satte 21,1 Millionen Euro – ein Betrag, der in Deutschland zuvor noch niemals an einen Dax-Vorstandschef ausgezahlt worden ist. Bislang war der ehemalige Volkswagen-Chef Martin Winterkorn mit einer Vergütung von 15,9 Millionen Euro im Jahr 2014 historischer Spitzenreiter. Laut HKP steht McDermott damit auch auf europäischer Ebene an der Vergütungsspitze.

„Die Zahlung durch SAP ist durchaus von wirtschaftlichem Erfolg untermauert“, sagt Kramarsch. Tatsächlich steht SAP sehr gut da und gilt als wertvollste Unternehmensmarke Deutschlands. Auch die „normalen“ Mitarbeiter von SAP verdienen sehr gut, „im Schnitt so um die 120 000 Euro im Jahr“, sagt Kramarsch. Dennoch dürfte den meisten Menschen eine derartig hohe Vorstandsvergütung bitter aufstoßen.

Der Zuwachs der durchschnittlichen Vorstandschefvergütung lag zwar 2017 bei „nur“ 3,5 Prozent zum Vorjahr, ohne das Megagehalt von McDermott sogar bei nur einem Prozent. Zum Vergleich: Die Bruttolöhne- und gehälter in Deutschland wuchsen von 2016 auf 2017 laut dem Statistischem Bundesamt um 2,7 Prozent.

Schaut man sich aber den Zeitraum von 2013 bis 2017 an, so wirken die Zahlen gleich anders: In diesem Zeitraum stieg die Vergütung der Dax-Vorstandschefs laut HKP um 37,7 Prozent, die Bruttolöhne- und gehälter dagegen nur um 11,2 Prozent. Und es ist nun einmal ein Unterschied, ob ein Jahresgehalt von 30 000 Euro leicht zweistellig wächst, oder das eines Einkommensmillionärs.

Da dürfte den Ottonormalverbraucher auch kaum das Argument überzeugen, dass ja auch die Gewinne der Dax-Konzerne laut Finanzdatendienst Thomson kräftig gestiegen sind – um 36,5 Prozent von 2016 auf 2017 und um 54,1 Prozent seit 2013. Im Regelfall dürfte das ja nicht nur auf die unbestritten oft guten Leistungen der Firmenchefs, sondern auch auf das Engagement der Mitarbeiter und die herausragend gut laufende Konjunktur zurückzuführen sein.

Seit 2013 haben nunmehr 15 Dax-Vorstandschefs mehr als zehn Millionen Euro im Jahr erhalten, davon alleine fünf im vergangenen Jahr. Neben SAP-Chef McDermott waren das Daimler-Boss Dieter Zetsche, BASF-Chef Kurt Bock, Siemens-Manager Joe Kaeser und Volkswagen-Chef Matthias Müller.

Insbesondere Müllers Vergütung ist in Zeiten, in denen der Diesel-Skandal weiterhin die Schlagzeilen beherrscht, VW-Kunden um Entschädigung kämpfen und Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge drohen, pikant. Auch wenn das Unternehmen 2017 Rekordergebnisse ausgewiesen hat. Zumal Volkswagen eigentlich im vergangenen Jahr festgelegt hatte, dass das Gehalt des Vorstandschefs bei zehn Millionen Euro gedeckelt sein soll.

Bei Volkswagen heißt es dazu zur Erklärung, dass man die Altersvorsorge und Nebenleistungen ja nicht in das Gehalt einrechnen dürfe und Müllers Vergütung dann ja nur bei 9,4 Millionen Euro liege. Jedoch fließen eben diese Leistungen laut Leitlinien des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) doch in die Gesamtvergütungsberechnung ein. Die Manager können auf die Altersvorsorge – anders als auf alle anderen Bestandteile der Vergütung – natürlich nicht sofort zugreifen; das Geld liegt aber sozusagen schon auf einem Konto für sie bereit.

Seit 2013 sind diese Altersleistungen für die Dax-Chefs um 34,5 Prozent gewachsen. Spitzenreiter im vergangenen Jahr war bei der Altersversorgung Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger, für den das Unternehmen nur für dieses eine Jahr 2,3 Millionen Euro zurücklegte. Im Durchschnitt lagen die Versorgungsleistungen der Dax-Chefs bei 789 000 Euro.

Gesunken sind in den vergangenen Jahren alleine die Nebenleistungen für die Manager, und zwar um 40,7 Prozent im vergangenen Jahr und um 23,4 Prozent seit 2013. „Da verstecken sich keine Schweinereien mehr drin“, sagt Kramarsch. Früher durchaus gängige Nebenleistungen wie ein lebenslanger privater Fahrer oder ein Gärtner für die Pflege der heimischen Grünflächen sind heute unüblich.

Im internationalen Vergleich verdienen die Manager in Deutschland allerdings trotz allem unterdurchschnittlich. „In den USA ist von Bescheidenheit nichts zu spüren. Ein Vorstand dort verdient etwa das Dreifache von einem in Deutschland“, sagt Kramarsch.

Er macht auch darauf aufmerksam, dass auch in kleineren Firmen oft horrende Gehälter bezahlt werden. „Der größte Vergütungsunfug geschieht bei den kleineren Unternehmen und im Dunkeln“, sagt er. „Das Schlaglicht, in dem die Dax-Vorstände stehen, hat einen reinigenden Effekt auf die Vergütung. Das ist bei kleineren Unternehmen nicht so.“ So bezog der bis Februar 2018 amtierende Chef von ProSiebenSat.1, Thomas Ebeling, 2014 ein Jahresgehalt von knapp 29 Millionen Euro – damals war der Konzern   noch nicht im Leitindex Dax notiert, dem er bis vor einigen Tagen angehörte.

Eine variable Vergütung

Vergangenes Jahr reihte sich Ebeling dagegen in die Gruppe der Geringverdiener und „Abgestürzten“ der Dax-Chefs ein. Er erhielt 3,5 Millionen Euro und damit 43 Prozent weniger als im Vorjahr. Nur RWE-Manager Rolf Martin Schmitz erhielt mit 2,8 Millionen Euro weniger Geld – er ist das Schlusslicht der Tabelle.

Noch tiefer als Ebeling fiel der hoch umstrittene und inzwischen abgelöste Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, der mit 3,6 Millionen Euro 55 Prozent weniger verdiente als noch 2016. Relativer Aufsteiger 2017 war Infineon-Boss Reinhard Ploss mit einem Gehaltsplus von 52 Prozent auf 4,3 Millionen Euro. Die Deutsche Bank, die ob zahlreicher Skandale und wiederkehrender Verluste seit Jahren im besonderen Fokus der Öffentlichkeit steht, zahlte ihrem Chef John Cryan 4,4 Millionen Euro; er erhielt weder eine variable Vergütung für das vergangene noch für vorhergehende Jahre.

Hoffnungsfroh stimmt Berater Kramarsch, dass viele Dax-Unternehmen nach teils heftiger Kritik von Aktionären ihre Vergütungsberichte „aufgeräumt“ und transparenter gestaltet hätten. Ausnahme seien die Banken, was allerdings vor allem den umfassenden Vorgaben für die Institute geschuldet sei. „Das ist eine juristische und technische Schlacht. Bankvergütungen zu analysieren macht uns auch keinen Spaß mehr“, so Kramarsch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare