+
Umweltaktivisten in Städten auf der ganzen Welt demonstrierten am 18. Mai gegen Bayer und Monsanto, hier in Buenos Aires.

Kritikerliste

Datenkrake Bayer

  • schließen

Der Chemieriese Bayer späht Privatpersonen aus - und verweigert die Löschung dieser personenbezogenen Daten. 

Das zur Bayer AG gehörende Agrarunternehmen Monsanto speichert massenhaft Daten auch von Privatpersonen und weigert sich, diese auf Nachfrage zu löschen. Darauf macht das Umweltinstitut München aufmerksam.

Schon im Mai hatte die Pariser Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen den von Bayer einverleibten Saatgut- und Pestizidhersteller eingeleitet, da dieser eine geheime Liste von Kritikern in Frankreich und weiteren EU-Ländern geführt haben soll. Zahlreiche Medien, darunter die Frankfurter Rundschau, machten darauf aufmerksam, dass in mehreren EU-Ländern Listen angelegt worden sind, die Wissenschaftler, Journalisten und Politiker erfassen, die sich mit Themen des Unternehmens auseinandersetzen.

Der Münchner gemeinnützige Verein nahm dies zum Anlass, um für fünf Mitarbeiter die erhobenen Daten abzufragen. Drei der angefragten Datensätze für beobachtete Personen der Nichtregierungsorganisation hat Bayer nach langwieriger Anfrage als Excel-Liste zur Verfügung gestellt. „Es sind mehr als 1000 Einträge für eine Person“, erklärt Jurek Vengels, Vorstandsmitglied des Umweltinstituts München. Monsanto beobachte systematisch über Listening-Software Onlinebeiträge, Social-Media-Postings, aber auch Printbeiträge und speichere diese personengebunden. „In dem Datensatz sind rund dreihundert Personen teilweise mit Klarnamen genannt, die ohne direkten beruflichen Zusammenhang mit den Themen stehen“, so Vengels.

Bayer lehnt Datenlöschung ab 

Einer Nachfrage zur Löschung der Daten kam die Bayer AG nicht nach. Den Hinweis auf die Datenschutzgrundverordnung weist der Chemieriese in seinem Antwortschreiben ab, „da Sie uns gegenüber keine zwingend schutzwürdigen Gründe genannt haben, die sich aus Ihrer besonderen Situation ergeben, die im Rahmen einer Interessensabwägung mit unserem berechtigten Interesse an der Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten überwiegen würden“. Vengels will im nächsten Schritt den Datenschutzbeauftragten von Nordrhein-Westfalen prüfen lassen, ob eine Löschung erzwungen werden kann.

Ein Konzernsprecher von Bayer verweist darauf, dass nur Beiträge gesammelt wurden, die öffentlich zugänglich seien. „Bayer verschafft sich hier, wie jede andere modern aufgestellte Kommunikationsabteilung, lediglich einen Überblick darüber, wie in Medien und Social-Media-Kanälen über unsere Produkte und unsere Geschäftsfelder berichtet und diskutiert wird“, so ein Sprecher zur Frankfurter Rundschau. 

Ausspähen in den sozialen Medien

Wie umfassend die sozialen Netzwerke beobachtet und miteinander in Beziehung gesetzt werden, zeigen die Daten. So werden nicht nur die Beiträge auf Twitter von Wissenschaftlern gespeichert, sondern auch alle Antworten darauf. Zudem werden auch Nutzer erfasst, wenn sie einen Beitrag teilen. Durch die systematische und automatische Beobachtung von Schlüsselwörtern und Personennamen werden auch Informationen etwa zu Vorträgen bei einem Gartenbauverein oder zu fachfremden Themen wie TTIP gespeichert. Und: Das Umweltinstitut hat ein Mitglied mit Namen Bär, zu dem Monsanto dann auch Beiträge vom „Berliner Problem-Bären“ erfasste.

Der gemeinnützige Verein stellt nun auf seiner Webseite eine einfache Abfrage zur Verfügung, über die Internetnutzer bei dem zu Bayer gehörenden Unternehmen Auskunft über die Nutzung eigener Daten verlangen können.

Zum Verein

Die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl war der Anlass für die Gründung des Umweltinstituts München e. V. Der gemeinnützige Verein wird aus Spenden finanziert und hat das Ziel, eine von Firmen unabhängige Forschung und Öffentlichkeitsarbeit zu fördern.

Eine Musterabfrage an Bayer stellt das Umweltinstitut auf seiner Webseite zur Verfügung. Auf der Webseite sind auch die Hintergründe und das Antwortschreiben von Bayer dokumentiert.

Internetadresse: www.umweltinstitut.org 

Lesen Sie auch: 

Blinder Fleck: Monsanto sammelt massenweise Daten von Privatpersonen - ohne dass diese sich dagegen wehren können. Der Kommentar. 

Umstrittenes Pflanzenschutzmittel Glyphosat: Monsanto-Klagewelle reißt nicht ab - doch Bayer bleibt gelassen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare