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The Dash heißt der Mini-PC fürs Ohr, der fast alles kann.
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The Dash heißt der Mini-PC fürs Ohr, der fast alles kann.

Neue Technologie vor Durchbruch

The Dash - das nächste große Ding?

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    VonThomas Magenheim-Hörmann
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Was kommt nach Smartphone und Tablet? Ein Münchner Start-up könnte die Antwort haben.

Startups greifen bisweilen nach den Sternen und manchmal muss Überirdisches herhalten, um ihnen einen Namen zu geben. In der nordischen Mythologie ist Bragi der Gott der Dichtkunst, der die gefallenen Helden im himmlischen Walhall begrüßt. „Das Größte, was einem passieren konnte, war nach Walhall zu kommen“, erklärt Nikolaj Hviid. Der 41-Jährige ist Däne und als solcher mit der Götterwelt alter Wikinger vertraut. Zudem hat er 2013 in einem Münchner Keller ein Startup gegründet und es Bragi genannt. „Am Anfang war ich allein, nach fünf Monaten kam der erste Mitarbeiter, Ende 2013 waren wir 15“, erzählt Hviid. Heute zählt Bragi 150 Beschäftigte. Wenn alles klappt, ist es Ende 2017 das Vierfache. Das klingt nach großem Selbstbewusstsein.

Grenzen setzt nur die Fantasie

Der Hoffnungsträger von Bragi ist gerade 13 Gramm leicht, passt in ein menschliches Ohr und wird paarweise unter dem Namen The Dash vermarktet. Man könnte die Ohrstöpsel als kabellose Kopfhörer mit Bluetooth-Verbindung bezeichnen. Hviid nennt sie einen diskreten Assistenten in Form eines Mini-PCs. Denn The Dash besitzt nicht nur einen Vier-Gigabyte-Speicher, sondern auch ein eigenes Betriebssystem. Dazu kommen Sensoren, die Puls und andere Körperfunktionen messen oder Kopfbewegungen registrieren. Heute kann man das Gerät zum Musik hören nutzen, als Sammler von Fitnessdaten oder als Kopfhörer für ein Smartphone.

Grenzen setzt den Anwendungen aber nur die Fantasie eines Programmierers. Dem Bragi-Gründer mangelt es daran nicht. Über seinen Bewegungssensor könne sein Wunderknabe einmal einen Rollstuhl steuern, Töne vorspielen und Gesangsunterricht erteilen oder per Lichtsensor vor gefährlicher UV-Einstrahlung warnen. Weil sein diskreter Helfer zudem Umgebungsgeräusche durchlässt, könne er auch als Mann im Ohr von Polizisten oder Feuerwehrleuten kritische Einsätze koordinieren helfen. „Wir sind noch ganz am Anfang“, schätzt Hviid.

Die intelligenten Ohrstöpsel, die seit Frühjahr produziert werden, sind ein Stück tragbare Technologie wie eine Google-Brille, eine Smartwatch oder ein Fitnessarmband, die unter dem Sammelbegriff Wearables gerade für Furore sorgen. „Wearables sind heute aber mehr Spielzeug, wir wollen es zum Werkzeug machen“, sagt der Däne. Außerdem hätten die Ohrstöpsel das Zeug, einmal Mobiltelefone abzulösen. „Wir haben einen Teil der Lösung für das, was nach dem Smartphone kommt, “ sagt Hviid und lässt die Bedeutung dieser Worte erst einmal wirken. Szene-Magazine wie „Business Punk“ glauben schon daran, dass The Dash das nächste große Ding nach Smartphone und iPad werden könnte.

Heutige Fernsehbildschirme werde es auch nicht ewig geben, sagt Hviid. Die würden in Form intelligenter Kontaktlinsen direkt aufs Auge wandern und das Handy eben als Minicomputer ins Ohr. Eine dafür nötige Sprachsteuerung für The Dash sei in Arbeit und in den nächsten fünf Jahren werde man darüber telefonieren können und zwar ohne zusätzliches Handy, ist der Bragi-Gründer zuversichtlich. „Verbinde mich mit meiner Frau“, sage ein Dash-Träger dann vor sich hin und kurz danach sei sie akustisch im Ohr. Per Sprachbefehl könne man dann auch das selbstfahrende Auto der Zukunft zu sich zitieren oder online Blumen bestellen und zwar ohne Umweg über eine Google-Suchmaschine, was demjenigen, der eine solche Schnittstelle zum Kunden besitzt, ein gigantisches Gebühren-Füllhorn öffnet. In dieser Vision wäre das Bragi.

„Ich halte das für sehr realistisch“, sagt Vodafone-Sprecher Dirk Ellenbeck zur Aussicht, das Bragi-Gerät könne einmal das Smartphone ersetzen. Seit April ist das Telekommunikations-Unternehmen der bundesweit erste Bragi-Vertriebspartner. Mittlerweile sind auch Amazon und die Deutsche Telekom im Boot.

The Dash sei ein besonders innovatives Produkt, das viele Möglichkeiten eröffnet, lobt die Telekom. Dazu zähle, im Urlaub per Kopfhörer im Ohr simultan eine Übersetzung der jeweiligen Landessprache zu erhalten. Die Miniaturisierung in der Telekommunikation schreite immer weiter voran, betont Ellenbeck. Deshalb sei ein miniaturisiertes Telefon in Größe eines Ohrsteckers kein Teufelswerk mehr. „Wearables sind die Zukunft“, schätzt auch der Vodafone-Experte.

An die Ideen Hviids geglaubt haben auch andere. Gut 3,3 Millionen Dollar Einnahmen haben The Dash 2014 zur erfolgreichsten Crowdfunding-Kampagne Europas gemacht. 20 Millionen Euro haben Privatinvestoren beigesteuert, denen nun 40 Prozent an Bragi gehören. Die Mehrheit hält Hviid. 600.000 Paare seiner Kopfhörer will er bis Ende des laufenden Jahres ausliefern und 2017 rund 150 Millionen Euro Umsatz erreichen. Profitabel sei man bereits. Für noch rasanteres Wachstum suche er bei Investoren weitere 100 Millionen Euro. Dann könne Bragi das Personal auf 600 Leute aufstocken und richtig Gas geben.

„Ich spiele, um zu gewinnen“

Sind die Investoren weniger spendabel, gehe es eben langsamer. Ein Scheitern drohe nicht mehr, beruhigt Hviid. Dieses Stadium habe Bragi hinter sich. Entweder gehe man irgendwann an die Börse oder man werde von potenten Großkonzenen gekauft. Zwar ist die Technologie mit 150 Patenten abgesichert. Aber Hviid gibt sich keinen Illusionen hin. Falls ein Telefonriese wie Apple oder Samsung ernsthaft ein Auge auf Bragi werfe, sei die Chance auf einen Alleingang gering.

Daran, welche Zukunftsvariante er bevorzugt, lässt der Däne allerdings keinen Zweifel. „Ich spiele, um zu gewinnen und nicht nur um dabei zu sein“, stellt er kämpferisch klar.

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