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Zwei Konservative, ein Skandal: Karl-Theodor zu Guttenberg (l.) und Ole von Beust setzten sich für Wirecard ein.
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Zwei Konservative, ein Skandal: Karl-Theodor zu Guttenberg (l.) und Ole von Beust setzten sich für Wirecard ein.

Geldhäuser

Das Verhör der Banker

  • vonFinn Mayer-Kuckuk
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Vor dem Wirecard-Untersuchungsausschuss wurde die Rolle der Kreditinstitute beleuchtet – in der Kritik: die Commerzbank

Der Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestags fördert immer neue Überraschungen aus Wirtschaft und der Politik zutage – und zwar vor allem da, wo die beiden Welten sich profitabel überschneiden. Bei der Sitzung am Donnerstag mussten sich Deutschlands Topbanker dafür rechtfertigen, das Unternehmen und seine Manager nicht nur bis zum Schluss mit üppigen Krediten versorgt, sondern zum Teil anscheinend auch Privatanleger in öffentlichen Einschätzungen getäuscht zu haben.

Vor allem die Commerzbank steht derzeit im Kreuzfeuer. Als eine Bank, die zu 15 Prozent dem Staat gehört, lässt sich von ihr besondere Verantwortung für eine korrekte Unternehmensführung erwarten. Doch am Donnerstag wurden Vorwürfe gegen eine Analystin des Hauses laut: Die Marktexpertin soll die Probleme von Wirecard bis kurz vor der Insolvenz im Juni 2020 systematisch kleingeredet und die Aktien zum Kauf empfohlen haben. Das hatte zuerst „Der Spiegel“ berichtet.

Die Empfehlung der Aktie wirkt umso fragwürdiger, als die Risikoabteilung des Unternehmens intern schon im Mai 2019 wegen „kritischer Transaktionen“ die Kreditwürdigkeit von Wirecard infrage gestellt hat, wie das Magazin „Capital“ aufgedeckt hat. Die Commerzbank hatte Wirecard in den Jahren zuvor rund 175 Millionen Euro geliehen.

Die Bank verteidigte die Existenz der Parallelwelten jedoch am Donnerstag als sinnvoll, beabsichtigt und sogar erforderlich. „Um potenzielle Interessenkonflikte zwischen dem Kundengeschäft und dem Aktienresearch auszuschließen, existieren strikte Informationsbarrieren“, sagte ein Sprecher. Die Teams seien räumlich getrennt. Offenbar informierte die Analystin Wirecard-Manager aber auch aktiv über Investoren, die dem Zahlungsdienstleister kritisch gegenüberstanden. Warum sie das tat? Vollkommen unklar.

Um das ehemalige Dax-Unternehmen Wirecard rankt sich der größte Wirtschaftsskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte. Es stellte sich heraus: Der Umsatz war durch Kreisgeschäfte aufgebläht, der Gewinn erfunden. Die Manager an der Spitze entpuppten sich als Kriminelle.

Marcus Kramer, Mitglied des Vorstandes der Bayern-LB, gab am Donnerstag vor dem Untersuchungsausschuss an, dass auch er als Banker die Herkunft der besonders hohen Gewinne nie ganz verstanden habe. Die staatliche Bayern-LB hatte die Beziehung zu Wirecard daher 2018 auslaufen lassen.

Christian Sewing, Chef der Deutschen Bank, die ebenfalls Kredite an Wirecard vergeben hatte, erklärte, die Manipulationen seien bei den üblichen Prüfungen durch die Bank nicht zu erkennen gewesen. In solchen Situationen sei ein Geldhaus darauf angewiesen, dass es sich etwa auf Jahresabschlüsse verlassen könne. Diese waren manipuliert – was den Wirecard-Wirtschaftsprüfern von EY aber offenbar jahrelang nicht auffiel.

Das Kanzleramt setzte sich noch im Herbst 2019 für Wirecard ein, als Banken längst misstrauisch waren und schlaue Investoren absprangen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) setzte sich auf Besuch in Peking persönlich bei der dortigen Staats- und Parteiführung für einen Markteintritt Wirecards ein. Das war nach den Erkenntnissen des Ausschusses auch die Frucht einer Lobby-Offensive durch mehrere Ex-Politiker der Union.

Neben Karl-Theodor zu Guttenberg waren das Ole von Beust, ehemals Bürgermeister von Hamburg, und Klaus-Dieter Fritsche, ehemals Staatssekretär und Geheimdienstexperte im Kanzleramt. Alle drei nahmen zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit Lars-Hendrik Röller Kontakt auf, dem heutigen Leiter der Wirtschaftsabteilung des Kanzleramts. Das sagte Röller vor dem Ausschuss aus.

Es war vor allem zu Guttenberg, der auf das Engagement in Peking hingearbeitet hat. Ole von Beust und seine Firma Beust & Coll. Beratungsgesellschaft setzten sich hingegen bei verschiedenen Beamten und Politikern für die Legalisierung des Glücksspiels ein – Wirecard wollte in das Geschäft einsteigen. Fritsches genaue Rolle ist noch zu klären.

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