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Das Potenzial von Insekten

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Von: Tobias Schwab

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Luisa und Christian Benning haben Probenda gegründet. Das Pfung-städter Start-up produziert aus Insektenlarven hochwertiges Protein und Dünger für die Landwirtschaft.
Luisa und Christian Benning haben Probenda gegründet. Das Pfungstädter Start-up produziert aus Insektenlarven hochwertiges Protein und Dünger für die Landwirtschaft. © Benjamin-Schenk

Die Frankfurter Rundschau präsentiert die Nominierten des Hessischen Gründerpreises 2022 mit Kurzinterviews: Probenda ist Finalist in der Kategorie Innovative Geschäftsidee.

Wer braucht Sie?
Alle, die Nutztiere wie zum Beispiel Hühner, Schweine und Fische in Aquakultur füttern und den ökologischen Fußabdruck ihrer Produkte verringern wollen. Und dabei ihren Tieren die natürlichste (tierische) Eiweißquelle anbieten, zum Beispiel als Ersatz für Fischmehl. Außerdem werden die Produkte auch für die Heimtiernahrung verwendet und taugen auch für Hunde und Katzen.

Warum haben Sie gegründet?
Der großen Verschwendung von Lebensmitteln in der Industrie und in den Supermärkten sowie dem weltweiten Raubbau an der Natur zur Futtermittelproduktion wollen wir mit Hilfe von Insekten entgegenwirken. Als Eltern von zwei kleinen Kindern wollen wir etwas dafür tun, dass die Landwirtschaft effizienter und nachhaltiger wird.

Wer hat in Sie investiert/wer nicht?
Bisher haben wir alles privat finanziert, insgesamt rund 1,5 Millionen Euro. Wir haben mit unterschiedlichsten Begründungen keine Förderkredite bekommen. Die staatliche Förderbank KFW teilte uns mit, sie finanziere keine Primärproduktion und verwies uns an die Landwirtschaftliche Rentenbank. Die wiederum erklärte, wir seinen keine Landwirtschaft und empfahl uns die KFW. Die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen fand uns nicht innovativ genug. Wir sind aktuell auf der Suche nach Investoren und Partnern.

Was war die größte Hürde?
Sicherlich die Zusammenarbeit mit den Behörden. Die Zucht von Nutzinsekten, ihre Haltung und Verarbeitung ist ein in der Europäischen Union sehr neues Thema. Diese Zulassung war sehr kosten- und zeitintensiv. Am Ende hat es sich aber gelohnt. Wir sind das erste und auch bisher einzige deutsche Unternehmen mit einer Zulassung für die Produkte aus der Schwarzen Soldatenfliege für Nutztierfutter.

Wo brennt es im Betrieb?
Bei den hohen Temperaturen im Sommer kam unsere Klimatechnik in der Mast tatsächlich an ihre Grenzen. Das hat sich aber wieder normalisiert. Auch sind die hohen Energiekosten aktuell für uns eine große finanzielle Herausforderung. Wir sind außerdem immer daran, weitere Futterquellen für unsere Larven zu finden.

Was ist der große Traum?
Wir träumen davon, dass sich in Europa in fünf bis zehn Jahren die Gesetzeslage so ändert, dass wir das ganze Potenzial der Insekten voll ausschöpfen können. Damit meine ich zum Beispiel die Fütterung mit Schlachtabfällen, die aktuell entsorgt (verbrannt) werden müssen. Dies wäre für unsere Insekten sogar eine artgerechte und ihrer Natur entsprechende Nahrungsquelle. In drei bis vier Jahren wollen wir eine Großanlage in Betrieb nehmen, die täglich etwa 60 Tonnen organische Reststoffe zu hochwertigem Proteinmehl, Insektenfett und organischem Dünger aufwertet. Denkbar sind dann weitere Anlagen in urbanen Ballungszentren, dort wo die meisten Reststoffe anfallen.

Taugt die Schwarze Soldatenfliege auch für den menschlichen Speiseplan?
Insekten können in Zukunft durchaus eine größere Rolle in der westlichen (europäischen) Ernährung spielen. Aber offen gesagt, die Larve der Soldatenfliegen ist nicht sehr schmackhaft, da kommen eher andere Tierchen wie die Grille in Frage. Mit unserer Pilotanlage dürften wir auch keine Nahrungsmittel für Menschen herstellen. Dies wäre dann, sollte sich der Markt öffnen, im nächsten Wachstumsschritt denkbar.

Das sagt die Jury:
„In der Kategorie Innovative Geschäftsidee überzeugte das Geschäftsmodell von Probenda durch hochwertige Produkte, ein rundum nachhaltiges, regionales Produktionssystem und ein engagiertes, gut qualifiziertes Gründerteam. Aus Reststoffen werden unter Nutzung der Soldatenfliege hochwertige Nährstoffe für die Landwirtschaft produziert, die als Einzelfuttermittel und Dünger zum Einsatz kommen. Seit Ende 2021 hat Probenda eine Zulassung als erstes und bisher einziges Unternehmen für die Verwendung dieser Upcycling-Produkte als Nutz- und Heimtierfutter. Die Nachfrage und Wachstumserwartungen sind vielversprechend, der Fahrplan des Gründerehepaars für die nächsten Jahre scheint schlüssig und realistisch.“ FR

Partnerschaft: Die FR unterstützt den Hessischen Gründerpreis. Bis zum Finale am 4. November in Kassel stellen wir die zwölf nominierten Gründerinnen und Gründer vor. fr.de/gruenderpreis

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