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Krieg in der Ukraine: „Das macht uns große Sorgen“

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Von: Hermannus Pfeiffer

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Der Hamburger Hafen bei Nacht: Russland ist wichtiger Handelspartner des Unternehmens.
Der Hamburger Hafen bei Nacht: Russland ist wichtiger Handelspartner des Unternehmens. © picture alliance/Zoonar

Der Krieg gegen die Ukraine wird sich auch auf den Seegüterumschlag auswirken, befürchtet der Hamburger Hafen, der gerade erst wieder aus dem Corona-Tief aufgetaucht ist.

Hamburg – Der Hamburger Hafen hat sich positiver entwickelt, als von den Verantwortlichen lange erwartet worden war. So legte der Seegüterumschlag im Vergleich zum ersten Jahr der Corona-Pandemie, in dem der Hafen einen heftigen Einbruch zu verkraften hatte, um rund zwei Prozent auf 128,7 Millionen Tonnen zu; der Containerumschlag erreichte 2021 mit 8,7 Millionen Boxen ein Plus von 2,2 Prozent. Und der „starke Januar“ stimme eigentlich optimistisch, hieß es am Montag auf der Jahrespressekonferenz der Hafen Hamburg Marketing (HHM), die online stattfand.

Rund ein Drittel des Umschlags macht der Hafen zwar mit China. Aber ein wichtiger Handelspartner des größten deutschen Hafens ist traditionell auch Russland. Rund 350 000 Container reichen für Rang vier in der Länderhitliste. Noch bedeutender sind die Mengen an Holz und Kohle, die in Hamburg entladen werden. „Der Krieg in der Ukraine wird sich auch auf die Umschlagentwicklung des Hafens auswirken“, befürchtet HHM-Vorstand Ingo Egloff. „Wir beobachten alles mit großer Sorge.“ Die Sanktionen nach der Annexion der Krim hätten 2014 das Ladeaufkommen mit Russland halbiert.

Probleme mit globaler Lieferkette führt zu Gewinnanstieg bei Häfen

Dabei war eigentlich alles auf Wachstum getrimmt. Die Reederei Hapag-Lloyd meldete kürzlich einen Rekordgewinn: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern wuchs auf rund 11,1 Milliarden Dollar (9,4 Milliarden Euro). Grund für diese positive Geschäftsentwicklung waren deutlich höhere Frachtraten, eine Folge der sehr starken Nachfrage nach Exportgütern aus dem asiatischen Raum. Zugleich führten die erheblichen Störungen in den globalen Lieferketten und Staus vor amerikanischen Häfen zu einem deutlichen Preisanstieg. Leere Container und freier Schiffsraum sind seit Monaten knapp und entsprechend teuer. Die Hamburger Reederei rechnet frühestens im Sommer damit, dass sich die Lage entspannt.

Von der angespannten Lage profitieren auch Häfen. Mehr Güter werden an vielen Kais umgeschlagen. Rotterdam, die Nummer eins in Europa, fertigte 2021 erstmals mehr als 15 Millionen TEU ab. „Twenty-foot Equivalent Unit“, kurz TEU, ist die Maßeinheit für einen Standardcontainer. Und viele Container können nicht wie geplant verladen werden, sondern bleiben im Hafen meist länger stehen als vorgesehen. Bei Import- und Exportcontainern wird nach drei beziehungsweise fünf Tagen ein Lagergeld fällig. Das bescherte der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) einen Gewinnsprung. Auf das teilstaatliche Unternehmen entfällt zwei Drittel des Umschlags im Hamburger Hafen.

Bald mehr Verkehr auf der Elbe – Hafenverantwortliche: „Wir sind nun bereit für mehr Ladung“

Vom russischen Truppeneinmarsch in die Ukraine ist die HHLA unmittelbar betroffen. Sie betreibt in der Hafenstadt Odessa seit 2001 einen Terminal. „Unsere besondere Besorgnis gilt den 480 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die auf unserem Terminal beschäftigt sind“, sagte die HHLA-Vorstandsvorsitzende Angela Titzrath. Die Beschäftigten hätten das Gelände am vergangenen Donnerstagmorgen (25.02.2022) verlassen.

Für die Zukunft bleiben die Hafenverantwortlichen in Hamburg hoffnungsvoll. Ende Januar war die Fahrrinnenanpassung der Unter- und Außenelbe abgeschlossen worden. Je nach Schiffsabmessung ist jetzt größerer Tiefgang zwischen 1,00 Meter und 1,90 Meter möglich. „Wir sind nun bereit für mehr Ladung“, freute sich Jens Meier, Chef der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA), auf der Hafenpressekonferenz. Die eher unscheinbare Vertiefung erlaubt es den Reedereien, bis zu 2400 TEU mehr in jedem Schiff nach Hamburg zu verfrachten.

Schmidt: Auswirkungen des Krieges in der Ukraine werden geringen Einfluss haben

Dass es dazu kommen wird, davon ist man in Europas drittgrößtem Hafen überzeugt. Der ebenfalls am Montag veröffentlichte Containerumschlag-Index des RWI–Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik ist im Januar saisonbereinigt weiter gestiegen. In den chinesischen Häfen wurde der Containerumschlag sogar deutlich ausgeweitet. „Der erneute Anstieg des Containerumschlags ist ein Zeichen, dass die Lieferengpässe weiter zurückgehen“, ist RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt überzeugt. Auch in den chinesischen Häfen scheine die Omikron-Welle zu keinen gravierenden Einschränkungen des Umschlags mehr zu führen. Die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf den weltweiten Containerumschlag dürften gering sein, ist Schmidt überzeugt. (Hermannus Pfeiffer)

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