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Das Geld des Königs

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Von: Thomas Roser

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Daniel Cioaba (vorne) bei der Krönung zum „Roma-König“.
Daniel Cioaba (vorne) bei der Krönung zum „Roma-König“. © picture alliance / dpa

Rumänischer Roma-Clanchef lanciert den „Gypsycoin“ für wohltätige Zwecke.

In ganz Südosteuropa hat die größte Minderheit auf dem Balkan keinen leichten Stand: Auch in Rumänien sind es Armut, mangelhafte Ausbildung und die soziale Ausgrenzung, die den oft diskriminierten Roma zu schaffen machen. Doch Rumäniens sogenannter „Roma-König“ Daniel Cioaba will seine Volksgruppe nun mit einer neuen Kryptowährung in eine bessere digitale Zukunft führen. Ende Juli hat der Geschäftsmann und sozial bewegte Baptisten-Prediger in seiner Heimatstadt Sibiu (Hermannstadt) den sogenannten „Gypsycoin“ lanciert: Der digitale Roma-Taler soll laut Angaben seiner Gründungsväter vor allem der Finanzierung sozialer Projekte dienen.

Ein von elektronischen Schaltleitungen umranktes Roma-Rad ist das Signet des Gypsycoin. Die neue Digitalwährung verfolgt laut der Website „gypsycoin.finance“ mehrere Zwecke. Einerseits soll der Gypsycoin den Roma als „Handelswährung“ dienen und allen Interessierten für ein „langfristiges Finanzinvestment“ offen stehen. Andererseits sollen zwei Prozent der Transaktionsgewinne Sozialprojekten in verarmten Roma-Vierteln zufließen: „Das Projekt steht jedem offen, der damit sympathisiert.“

Es ist zwar kaum davon auszugehen, dass Rumäniens Roma in Zukunft im Cafe oder am Kiosk mit Gypsycoin ihren Kaffee oder Zigaretten bezahlen. Doch mit mittlerweile 2700 Nutzern ist zumindest die Zielvorgabe der Einführungsphase weit übertroffen worden. Langfristig sind mehr als 25 000 Nutzer und ein Kurs von einem Dollar pro Gypsycoin anvisiert. Die 50 000 Euro Startkapital, die Cioaba investierte, scheinen zumindest bisher gut angelegt: Der Ausgabewert von 0,00001 Dollar soll bereits um das Tausendfache gestiegen sein.

Viel, was der Kupferkönig anfasst, wird Gold. Aber selbst ein Scheitern seine Kryptoprojekts könnte der steinreiche Geschäftsmann problemlos verkraften. Denn von seinem 2013 verstorbenen Vater Florin hat der 41-jährige Roma-Monarch nicht nur den g Titel eines selbsterklärten Roma-Königs geerbt, sondern auch ein stattliches Vermögen und ausgeprägten Geschäftssinn: Der mächtige, auf Metallhandel spezialisierte Kupferschmied-Clan der Cioaba zählt zu den wohlhabensten Familien im Karpatenstaat.

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