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Die Keller in der Champagne sind voll.

Weinbau in Frankreich

Das Ende der Champagnerlaune?

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
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Die Winzerinnen und Winzer im Osten Frankreichs fahren die Produktion des Edelgetränks zurück, um den Jahrgang über die Coronakrise zu retten. Die Preise dürften trotzdem sinken.

Der Jahrgang 2020 werde von hervorragender Qualität sein, schätzen die Champagner-Kenner mit Verweis auf den trockenen Vorwinter, gefolgt von einem kurzen Frühling und heißen Sommer. In den gewellten Rebbergen der Champagne um die Stadt Reims (östlich von Paris) hat die Ernte zum ersten Mal überhaupt schon Mitte August begonnen, zwei Wochen früher als sonst.

Doch wer hat in Covid-Zeiten überhaupt noch Lust auf den französischen Edelsprudel, diesen Ausdruck von Feierlaune, Glamour und Festlichkeit? Weltweit knallen die Schampuskorken bedeutend weniger häufig als in den letzten Jahren. Thibault Le Mailloux vom Winzerverband CIVC rechnet in diesem Jahr mit einem Verkaufseinbruch von 30 Prozent.

Anders als Spirituosen und harte Alkoholika, deren Konsum bisweilen auch in Rezessionszeiten ansteigt, bildet Champagner den Zustand der Weltwirtschaft wie ein Stimmungsbarometer ziemlich genau ab. Und die jahrelange Zunahme seines Umsatzes endet nun auf einen Schlag. Hart getroffen sind Kleinwinzer, aber auch alle großen Marken wie Mumm, Piper-Heidsieck oder Taittinger, die vor allem ins Ausland exportieren. In den Hauptmärkten Frankreich, Großbritannien und USA, aber auch in Schwellenländern wie China oder Brasilien ist Champagner weniger gefragt. Nach einem Rekordabsatz von fünf Milliarden Euro in 2019 dürften dieses Jahr weltweit nur 3,3 Milliarden Euro anfallen.

Die Branche weiß seit der Finanzkrise von 2008, was es geschlagen hat: Ihr bisher so lukratives Geschäft mit dem doppelt gegärten Kohlensäuresprudel – ein Champagner-Winzer ohne Mercedes mache etwas falsch, besagt ein Bonmot – ist auf einmal bedroht. Es reagiert so empfindlich auf die gesellschaftlichen Stimmungen, dass die Winzerinnen und Winzer geschlossen reagieren. In Absprache mit den großen Marken-Imperien wie LVMH (Moët&Chandon, Veuve Clicquot, Dom Pérignon) haben sie sich zu einer bislang noch nie praktizierten Senkung der Jahresproduktion durchgerungen: Nur noch acht Tonnen Trauben werden pro Hektar geerntet; der Rest bleibt hängen oder verschwindet in den Brennereien für Industriealkohol. Das ist fast die Hälfte der zugelassenen Höchsternte von 15,5 Tonnen.

Als Folge wird die Jahresproduktion von früher teilweise weit über 300 Millionen auf 230 Millionen Flaschen sinken. Diese künstliche Verknappung ist nötig, um die übervollen Lager zu entlasten – fast anderthalb Milliarden Flaschen warten in den Kalkstein-Gruften der Champagne. Vor allem aber soll auf diese Weise ein Einbruch der Preise verhindert werden. Viele Kenner rechnen trotzdem mit einem „Preiskrieg“.

Und die Aussichten bleiben über das Jahr hinaus düster, befürchtet der Branchenverband CIVC. Da er nicht mit übertrieben vielen Gelegenheiten für Feiern rund um den Globus rechnet, will ein Teil der 16 000 Champagner-Winzer nun weg vom Image ihres Edelgetränkes für gehobene Anlässe. Werbekampagnen empfehlen bereits Champagner als Alltagsgetränk zum Snack, begleitet von einem harten Ei oder einer Büchse Sardinen.

Mit diesem Kurswechsel sind allerdings nicht alle einverstanden. Wer schon Schaumwein in die eigene Küche hole, tue das lieber mit Spumante oder günstigeren Sektmarken, wenden andere Winzerinnen und Winzer aus der Champagne ein. Ihr Königsgetränk sei nun einmal für den besonderen Anlass bestimmt.

Der CIVC hütet sich deshalb in seinen Kampagnen vor einer allzu weitgehenden, auch preispolitischen Banalisierung des Champagners. Denn irgendwann wird die Coronakrise ausgestanden sein – und dann sollen die Korken wieder in Serie knallen.

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