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Der leere Flughafen verschlingt jeden Monat 17 Millionen Euro an Betriebskosten.

Verzögerung

Darum verzögert sich BER-Eröffnung erneut

Der neue Hauptstadtflughafen in Berlin wird auch 2017 nicht eröffnet. Diesmals liegt es an der Steuerung der Türen - wer trägt die Verantwortung?

Von Peter Neumann

Reden kann helfen – vielleicht. Nachdem er offiziell bestätigt hat, dass die BER-Eröffnung erneut verschoben werden muss, will Michael Müller mit Baufirmen sprechen. „Der Regierende Bürgermeister lädt im Einvernehmen mit Bund und Brandenburg zu Anfang Februar zu einer Baurunde ein“, sagte Müllers Flughafenkoordinator, Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup (ebenfalls SPD), am Sonntag. Ein solches Spitzentreffen hatte es bereits 2016 gegeben. An diesem Montag berät der Sonderausschuss BER des Brandenburger Landtags über das jüngste Desaster.

Wie schon 2012 geht es um die Steuerungen für die rund 1400 Türen im neuen Schönefelder Fluggastterminal. Sie funktionieren in vielen Fällen nicht – über diese Diagnose besteht Einigkeit. Die Erklärungen gehen aber auseinander.

Flughafenchef Karsten Mühlenfeld teilte am vergangenen Dienstag mit, dass es um Türsteuerungen gehe, die für den Fall eines Brandes wichtig sind. Sie müssten gewährleisten, dass sich Türen verlässlich öffnen oder schließen, damit der Rauch abzieht. In diesem Zusammenhang wurde die Firma Bosch genannt. Sie sei im Frühjahr 2016 aufgefordert worden, die Probleme schneller als bisher zu lösen, hieß es auch in Senatskreisen. Doch Bosch komme nur sehr schleppend voran.

Das Stuttgarter Technologieunternehmen widersprach vehement. Immer wieder würden Vorgaben von der Flughafengesellschaft FBB geändert, was zusätzliche Abstimmungen mit anderen Firmen erfordere und die Fertigstellung verzögere, teilte ein Sprecher der Frankfurter Rundschau mit. „Allein im Dezember wurden uns 40 Änderungswünsche übermittelt. Und bis heute liegt uns vom Bauherren keine finale Ausführungsplanung vor.“ Das Personal am BER sei zudem aufgestockt worden.

CDU vermutet abgekartetes Spiel

In Aufsichtsratskreisen wird diese Erklärung aber nicht von jedem geglaubt. „Die Darstellung von Bosch ist nicht plausibel, sie haben viel zu wenig Personal auf der Baustelle, es ist allerdings in den letzten zwei Wochen etwas besser geworden“, bekräftigte ein Mitglied. Dem Vernehmen nach gab es Forderungen, spürbare Sanktionen gegen Bosch zu verhängen. Die Flughafengesellschaft gab als ersten Schritt bekannt, dass sie Schadenersatzforderungen prüfe.

Dazu gibt es aber auch Gegenstimmen – von Beteiligten, die Boschs Erklärung für nachvollziehbar und die FBB-Erklärungen für ein Ablenkungsmanöver halten. Es habe sich schon öfter gezeigt, dass die Flughafengesellschaft Probleme mit der Planung gehabt hat, hieß es. Es wäre nicht sinnvoll, Firmen dafür zu bestrafen. Kritisiert wurde auch, dass die Geschäftsführung das jüngste Problem erst spät bekannt gemacht habe – vor ungefähr einer Woche.

Aus Sicht der Berliner Jungliberalen verdient es der Flughafen nicht mehr, den Namen von Altkanzler Willy Brandt zu tragen. Der Airport sei „endgültig zum Symbol für Chaos und Planungslosigkeit geworden“, sagte der Landesvorsitzende der FDP-Nachwuchsorganisation Roman-Francesco Rogat. Angesichts des Regierungsversagens würde sich Brandt im Grabe umdrehen. „Der Senat sollte schnellstmöglich eine Umbenennung des Flughafens in Erwägung ziehen.“

Die Berliner CDU sieht bei der erneuten Verschiebung des Eröffnungstermins ein abgekartetes Spiel zwischen Michael Müller und Karsten Mühlenfeld. Zwischen beiden habe es im Vorfeld der Berlin-Wahl im vergangenen September eine Absprache gegeben, sagte der CDU-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Florian Graf, am Sonntag. Müller habe „schon viel länger“ von Mühlenfeld, gewusst, dass der Airport nicht mehr 2017 öffnen könne.

Graf nannte es „ein absolutes Unding“, dass zum Eröffnungstermin nicht im Senat oder Parlament offiziell berichtet wurde, sondern bei der Klausursitzung der SPD-Fraktion in Erfurt. (mit dpa)

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