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Bernanke bleibt an der Spitze der US-Notenbank.

US-Notenbankchef

Ben darf noch mal ran

US-Präsident Obama nominiert Notenbankchef Bernanke für eine weitere Amtszeit. Dabei sah es nicht gut aus für den früheren Hochschullehrer an Eliteuniversitäten. Von Bernd Salzmann

Von Bernd Salzmann

Es ist nicht einmal eine Woche her, da stellte sich Ben Bernanke in Jackson Hole in den Rocky Mountains selbst ein gutes Zwischenzeugnis aus. "Die Aussichten für eine Rückkehr auf den Wachstumspfad scheinen kurzfristig gut", sagt der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) im Kreise von Kollegen und Wissenschaftlern aus aller Welt beim schon traditionellen Gedankenaustausch über aktuelle geldpolitische Strategien fernab der Finanzmetropolen.

Selbstbewusst fügte der Chef der mächtigsten Notenbank auf dem Globus hinzu: "Wir haben das Schlimmste verhindert." Wen genau er damit meinte, ließ Bernanke offen. Nur eins war klar: Sich selbst zählte er zu den Rettern in höchster Not.

Am Dienstag folgte Lob von höchster Stelle. US-Präsident Barack Obama hatte eigens seinen Urlaub auf Martha's Vineyard unterbrochen, um Bernanke für eine zweite Amtszeit zu nominieren. Der Fed-Chef habe dazu beigetragen, dass eine Große Depression wie in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts vermieden worden sei, sagte Obama zur Begründung.

Damit ist Bernanke durch. Die Wiederernennung des 56-Jährigen muss zwar noch vom Senat bestätigt werden, doch dort haben Obamas Demokraten die Mehrheit. Ihr Vorsitzender des Bankenausschusses, Christopher Dodd, erklärte bereits: "Obwohl ich in den vergangenen Jahren einige ernste Differenzen mit der Federal Reserve gehabt habe, denke ich, dass eine Wiederernennung von Ben Bernanke wahrscheinlich die richtige Wahl ist."

Dabei sah es eine Zeit lang gar nicht so gut aus für den früheren Hochschullehrer an den Eliteuniversitäten Stanford und Princeton. Obamas Wirtschaftsberater Lawrence Summers wurde bereits als Nachfolger gehandelt. Und das hatte vor allem zwei Gründe: Bernanke hat die Lehman-Pleite zugelassen, die die Märkte in eine Schockstarre versetzte, und er hat womöglich mit unfeinen Mitteln die Übernahme der ruinierten US-Investmentbank Merrill Lynch durch die Bank of America (BoA) durchgesetzt.

Bernanke bestreitet allerdings, BoA-Chef Kenneth Lewis persönliche Konsequenzen angedroht zu haben, sollte die Übernahme platzen. Er habe lediglich vor den Folgen für das Finanzsystem gewarnt, erläuterte Bernanke dem US-Kongress.

Gerade als Bernankes Wiederernennung auf der Kippe stand, erntete er jedoch auch Zuspruch von Notenbank-Kollegen und anderen Ökonomen für seine radikale Zinssenkungspolitik und die unorthodoxen Maßnahmen der Fed gegen die Krise. Dazu zählt zum Beispiel der Ankauf von Wertpapieren am Markt, um das Bankensystem mit Liquidität zu versorgen. Die Bilanz der Fed ist inzwischen auf mehr als zwei Billionen Dollar angewachsen.

In seiner zweiten Amtszeit könnte Bernanke erneut Lorbeeren einheimsen. Irgendwann müssen er und seine Kollegen das Geld, das sie in den Markt gepumpt haben, dort wieder absaugen. Andernfalls wächst die Gefahr einer Inflation. Die Herausforderung für den Fed-Chef besteht darin, einer Geldentwertung zuvor zu kommen, ohne zugleich das allmählich wieder anziehende Wachstum abzuwürgen.

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