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Aktien von Branchengrößen wie Vonovia - hier der Firmensitz in Bochum - bröckeln.

Mietendeckel

„Dann kaufen wir in Schweden“

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Der Wohnungskonzern Vonovia reagiert auf die Kritik aus Politik und Gesellschaft – und malt ein düsteres Bild für Mieter.

Wohnungsunternehmen in Deutschland gelten vielfach als Abzocker und geraten deshalb immer mehr unter Druck. In Berlin kommt nun ein Mietpreisstopp. Einzelne Politiker fordern den für ganz Deutschland. Auch nach Enteignung von Immobilienkonzernen wird gerufen. Aktien von Branchengrößen wie Vonovia bröckeln.

Nachdem die Deutsche Wohnen am Wochenende zugesagt hatte, die Mieten nur noch so weit zu erhöhen, dass Haushalte höchstens 30 Prozent ihres Nettoeinkommens für Kaltmiete zahlen müssen, verspricht Vonovia nun, dass kein Mieter über 70 Jahre mehr ausziehen muss, weil er eine Mieterhöhungen nicht verkraften kann. Zugleich wird aber auch gedroht.

„Dann kaufen wir Wohnungsbestände in Schweden“, sagt Vonovia-Chef Rolf Buch zu den mutmaßlichen Konsequenzen des geplanten fünfjährigen Einfrierens der Mieten in Berlin. Vonovia werde Investitionen umschichten. Am Beispiel der Bundeshauptstadt dekliniert der 54-Jährige durch, wie Wohnungskonzerne wohl auf Mietpreisstopps nach Berliner Vorbild reagieren würden und warum das für Mieter wie Gesellschaft keine gute Entwicklung sei.

Wenn Vonovia & Co. künftig wie in Berlin geplant sich jede Modernisierung von der Verwaltung genehmigen lassen müssten, käme das bei den üblichen Bearbeitungszeiten einem Modernisierungsstopp nahe, unkt Buch. „Investitionen werden dann de facto verboten“, sagt er. Häuser würden nicht mehr energetisch saniert oder altengerecht umgebaut. Weil der Wohnungsbestand in Deutschland überaltert ist und Gebäude zu knapp einem Drittel am Ausstoß des Klimakillers CO2 beteiligt sind, drohe das alle Klimaziele zu sabotieren. Derzeit modernisiere Vonovia jährlich fünf Prozent aller bundesweit rund 400 000 Wohnungen. Branchenüblich seien 1,5 Prozent. In Städten mit Mietpreisstopp würde es künftig nahe null Prozent sein. Berliner Wohnungen drohten zum Umweltsünder Nummer eins unter deutschen Großstädten zu werden.

Auch die drei Millionen altersgerechten Wohnungen, die Deutschland binnen zehn Jahren demografisch bedingt benötige, würden bei Mietpreisstopps nicht entstehen, sagt Buch voraus. Auch dringend nötiger Neubau werde gedrosselt. Schon jetzt könne Vonovia mangels Genehmigungen jährlich nur 3000 Wohnungen bauen, obwohl der Konzern Grundstücke für mehr als das Zehnfache habe. Wenn zudem fünf Jahre lang die Kosten für Vermieter stiegen, die Einnahmen aber per Mietpreisdeckel gleich blieben, lasse sich das nur durch verminderte Instandhaltung kompensieren. „Wir werden auf Verschleiß fahren“, warnt Buch.

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