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40 Banken haben laut Verivox inzwischen Negativzinsen eingeführt.

Strafe fürs Sparen

Dammbruch bei Minuszinsen

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Erst wollte es keine Bank machen, dann nur bei großen Vermögen und nun werden schon 75.000 Euro mit Strafzinsen belegt. Die Analyse.

Ein Gespenst geht um in Deutschland: Die Angst vor Strafzinsen. Gerade erst hat der Finanzchef der Commerzbank, Stephan Engels, erklärt, man wolle wohlhabende Privatkunden davon überzeugen, ihr Geld alternativ anzulegen. Es geht um Zeitgenossen, die über „deutlich mehr als eine Million Euro“ an Einlagen verfügen. Doch es werde auch erwogen, wo es „nötig und gerechtfertigt“ sei, Minuszinsen zu verlangen. Die Commerzbank ist nicht allein.

Setzt sich der aktuelle Trend fort, „dann drohen auf breiter Front Negativzinsen auch für durchschnittliche Sparer“, sagte Oliver Maier vom Vergleichsportal Verivox dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Lange hatten Banken und Sparkassen gezögert. Keiner wollte der Erste sein, der an den Pranger gestellt wird.

Mittlerweile vergeht kaum ein Tag, da aus der Finanzbranche keine Ansagen kommen, die zwischen freundlichen Hinweisen und offenen Drohungen changieren, wenn’s um Geld auf dem Tagesgeld- oder dem Girokonto geht. Engels gehört ins Lager der Vorsichtigen. Bei privaten Kunden der Commerzbank werde „die Treppe von oben gekehrt“. Man sei noch weit weg von einer Annäherung an die Grenze von 100 000 Euro.

Nach den Daten von Verivox haben mittlerweile mindestens 40 Banken die Negativzinsen eingeführt. Auf anderen Websites werden teilweise mehr als 130 Geldhäuser aufgelistet. Allein seit der Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) im September hätten mindestens zwölf Banken und Sparkassen neue Negativzinsen eingeführt oder bestehende tiefer in den Minusbereich abgesenkt, betont Verivox-Experte Maier. Einen Strafzins von 0,5 Prozent müssen Geschäftsbanken seither zahlen, wenn sie kurzfristig Liquidität bei der Zentralbank parken wollen – zuvor waren es minus 0,4 Prozent gewesen. Die EZB will damit die Kreditinstitute ermuntern, das Geld nicht zu horten, sondern mehr Kredite zu vergeben, zum Wohle der konjunkturellen Entwicklung.

0,5 Prozent – das hört sich nach wenig an. Doch laut Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing bringt das für sein Haus eine Belastung in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags. Auf vier Jahre hochgerechnet seien das zwei Milliarden Euro. Und um genau diese Einbußen abzufedern, soll auch Deutschlands größte Privatbank bereits erwägen, alsbald reichen Kunden mit Minuszinsen zu drohen.

Doch nicht nur die Millionäre könnte es treffen. Kürzlich wurde bekannt, dass der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) in einem Rundschreiben Empfehlungen gegeben hat, wie mit Kunden über die Möglichkeit von Strafzinsen kommuniziert werden sollte. Mindestens fünf BVR-Mitglieder haben danach an der Negativ-Schraube gedreht. Darunter die VR Bayreuth, die mit minus 0,6 Prozent für Tagesgeld ab 300 000 Euro sogar noch den EZB-Einlagezins übertrifft. Um den Begriff mit der negativen Konnotation zu vermeiden, haben zahlreiche andere Banken bei den üblicherweise kostenlosen Tagesgeldkonten Gebühren eingeführt, die bis zu fünf Euro pro Monat reichen, was letztlich Minuszinsen durch die Hintertür bedeutet. Die Volksbank Magdeburg verlangt seit neustem sogar ein „Verwahrungsentgeld“ von 0,5 Prozent auf Tagesgeld ab 75 000 Euro. Ein Dammbruch.

Wie weit die Kreditinstitute noch gehen werden, wird in den nächsten Monaten auch vom Verhalten der Kundschaft abhängen.

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