1. Startseite
  2. Wirtschaft

Damit das Paket zu Weihnachten kommt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Frank-Thomas Wenzel

Kommentare

Hermes legt  "regionale Mengenobergrenzen" fest: Kommen mehr Pakete in Logistikzentren an, bleiben sie liegen.
Hermes legt "regionale Mengenobergrenzen" fest: Kommen mehr Pakete in Logistikzentren an, bleiben sie liegen. © Imago

Vor Weihnachten arbeiten viele Paketdienste an der Kapazitätsgrenze. Wie die Unternehmen versuchen, die Flut zu meistern.

Was wäre das für ein tristes Weihnachtsfest. Päckchen und Pakete kommen nicht rechtzeitig an. Präsente trudeln irgendwann im Januar ein, wenn die festliche Stimmung längst verflogen ist. Nie war die Gefahr eines Paket-Gaus so groß wie heute. „Viele unserer Unternehmen arbeiten an der Kapazitätsgrenze, das ist eine enorme Herausforderung“, sagt Marten Bosselmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes Paket & Express Logistik. Die Ursache sei schlicht und einfach, dass der E-Commerce schneller wachse als erwartet. Und viele Unternehmen hätten vor allem ein Problem: Personalmangel.

Hermes, der Paketdienst des Otto-Konzerns, hat nun mit verschiedenen Onlinehändlern regionale Mengenobergrenzen eingeführt.  Die Kontingente seien „frühzeitig mit unseren Auftraggebern vereinbart“, teilt eine Hermes-Sprecherin auf Anfrage mit und fügt hinzu: „Gemeinsam haben wir verträgliche Lösungen gesucht, um den Boom im E-Commerce partnerschaftlich zu bewältigen.“ Deshalb bestehe keine Gefahr, dass Pakete zu Weihnachten nicht pünktlich zugestellt werden.

Gleichwohl, solche Vereinbarungen sind  neu in der Branche und zeigen,  dass  Boom zu einem Problem wird. „Wir sehen eine enorme Dynamik“, betont denn auch Bosselmann. Der Zuwachs lasse sich aber nur schwer prognostizieren, da er nicht linear sei. Einige Paketdienste hat es nun kalt erwischt. So hat auch das Unternehmen GLS reagiert und für das Weihnachtsgeschäft einen Aufnahmestopp  verhängt – für zusätzliche Onlineshops, die Transporteure suchen.

Jetzt schon mehr Pakete

Laut Bosselmann ist schon jetzt, knapp vier Wochen vor dem Fest, ein deutlich erhöhtes Aufkommen der Sendungen in  der bräunlichen Pappe zu erkennen. An normalen Tagen werden bundesweit etwa zehn Millionen Pakete verschickt. Im aktuellen Weihnachtsgeschäft müsse man mit bis zu 15 Millionen rechnen.

Indes gibt sich Marktführer DHL gelassen. Weihnachten komme auch in diesem Jahr nicht ganz überraschend, betont ein Sprecher der Tochter der Deutschen Post. Man habe sich ein erhöhtes Aufkommen eingestellt. Mit großer Wahrscheinlichkeit werde unmittelbar vor Heiligabend ein neuer Rekord mit etwa 8,5 Millionen Paketen täglich erreicht. An normalen Tagen bringt DHL halb so viel zu den Kunden. Unter anderem habe man in den vergangenen beiden Jahren, die Belegschaft um 10000 Frauen und Männer erhöht. Und gerade in den vergangenen Wochen habe es noch einmal eine intensive Werbekampagne gegeben. An Tausenden Post-Briefkästen wurden mit großen Aufklebern weitere Zusteller gesucht.

Vorteile für die Post

Die Post hat mehrere Vorteile gegenüber ihren Rivalen. Die schiere Größe spielt eine wichtige Rolle. Entscheidend ist dabei, ein dichtes Netz an Verteilzentren, das es ermöglicht, Paketmengen auch spontan hin- und her zu verschieben. Schiere Größe macht es auch möglich, Online-Versendern wie Amazon oder Zalando günstige Konditionen zu bieten. So tobt denn hierzulande auch ein heftiger Preiskampf. Doch nach Ansicht von Bosselmann herrschen da keine fairen Bedingungen – in seinem Verband haben sich fünf Konkurrenten von DHL organisiert. 

Der Marktführer werde aus den Einnahmen aus dem Briefgeschäft quersubventioniert - die Deutsche Post garantiert schnelle Zustellung im ganzen Land, dafür wird bei gewöhnlichen Briefsendungen keine Mehrwertsteuer erhoben. Die Verzerrung des Wettbewerbs könne man daran erkennen, dass in anderen Ländern wie Großbritannien kein vergleichbarer Preisdruck im Briefgeschäft herrsche.

Trotz aller Verwerfungen: Bosselmann ist sich sicher, dass auch privat verschickte Weihnachtspakete rechtzeitig ankommen werden. Er empfiehlt aber, die Sendungen ein bis zwei Tage früher als gewöhnlich auf den Weg zu bringen, also spätestens am 21. Dezember. Bei Hermes ist der Annahmeschluss schon ein Tag zuvor. Das Hamburger Unternehmen empfiehlt zudem, Paketshops als Abholadresse anzugeben, um die Zustellung zu beschleunigen.  Und : Der Transport von Privatpaketen bleibe von den Obergrenzen unberührt,  erläutert Dirk Rahn, der bei der Otto-Tochter für das operative Geschäft zuständig ist. Wer ganz sicher gehe wolle, so Bosselmann, könne Pakete generell per Expresslieferung verschicken. Gegen Aufpreis ist dann die Zustellung am nächsten Tag garantiert.     

Auch interessant

Kommentare