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Daimler ist spitze beim Absatz

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Leiter von Mercedes-Benz Cars, zeigt sich in Detroit selbstbewusst.
Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Leiter von Mercedes-Benz Cars, zeigt sich in Detroit selbstbewusst. © dpa

Mercedes-Benz ist die absatzstärkste Premiummarke. Erstmals hat der Konzern weltweit mehr als zwei Millionen Autos ausgeliefert.

Mercedes gibt sich bescheiden. Zur Eröffnung der Automesse in Detroit haben die Stuttgarter die aufgefrischte Variante des GLA präsentiert. Es handelt sich um ein SUV der kleineren, der kompakten Art. Allerdings in goldener Lackierung. Das passt. Denn der Daimler-Konzern meldet neue Rekorde für 2016. Ähnliches ist von der Kernmarke des VW-Konzerns zu hören. Experten gehen davon aus, dass in diesem Jahr die Erfolgsstory der deutschen Autobauer weitergeht – allerdings wird es auf dem enorm wichtigen US-Markt immer schwieriger, Marktanteile zu verteidigen.

VW hat im vergangenen Jahr trotz des Abgasskandals ein bemerkenswertes Absatzplus von 2,8 Prozent auf fast sechs Millionen Fahrzeuge weltweit hingelegt. Die Zuwächse wurden vor allem wegen massiv gestiegener Verkäufe in China erzielt. Mit rund drei Millionen ausgelieferten Autos wurde eine Steigerung um 14 Prozent erzielt. In den USA hingegen ging der Absatz um fast acht Prozent zurück. Nicht viel besser sah es mit einem Minus von 7,2 Prozent auf dem deutschen Heimatmarkt aus – was zeigt, dass die systematischen Manipulationen bei Dieselautos diesseits und jenseits des Atlantiks eben doch deutliche Spuren hinterlassen haben.

Mercedes ist indes 2016 noch viel stärker als VW gewachsen, und zwar um genau 11,3 Prozent und hat erstmals weltweit mehr als zwei Millionen Autos ausgeliefert. „Jetzt ist Mercedes-Benz die absatzstärkste Premiummarke; wir haben unser Ziel vier Jahre früher erreicht“, sagt Ola Källenius, der bislang Mercedes-Vertriebschef war und seit Jahresbeginn für Forschung und Entwicklung im Konzern zuständig ist. Dass es erheblich schneller ging, ist vor allem Vorstandschef Dieter Zetsche zu verdanken, der die Modellpalette in großem Tempo runderneuert und erweitert hat. So sind vor allem immer mehr SUV wie der GLA im Angebot. Diese erfreuen sich auch aus dem weltgrößten Automarkt China wachsender Beliebtheit, wo Mercedes 2016 einen Absatzzuwachs um mehr als ein Viertel schaffte.

Die Experten stimmen darin überein, dass der chinesische Markt auch in diesem Jahr weiter wachsen wird. Das CAR-Institut der Uni Duisburg-Essen geht von allemal fünf Prozent aus. Davon werden Mercedes und VW mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit profitieren. Die Wolfsburger können froh darüber sein, dass in der Volksrepublik der Abgasskandal keine Rolle spielt.

Auch in den USA dürfte die Nachfrage in diesem Jahr steigen. Fachleute erwarten für dieses Jahr einen „Trump-Effekt“ mit Neuzulassungen auf einem Rekordhoch, das laut CAR-Prognose nahe der 18 Millionen liegen könnte. Da der neue Präsident Umweltstandards zurückfahren will, wird ein Comeback PS-starker Vehikel prognostiziert. Auf der Messe in Detroit werden solche Fahrzeuge präsentiert. Etwa Muscle-Cars wie die Chevy Corvette oder der neue Ford Mustang, wie der Chevrolet Traverse oder der GMC Terrain. Die beiden Letzteren sind wuchtige SUV – deren Boom in den USA und die Nachfrage nach schweren Pick-ups dürften sich 2017 noch verstärken. Insbesondere VW offeriert bislang aber ein nur ein beschränktes Angebot an hochgebockten Fahrzeugen, auch deshalb gehen Marktanteile dort stark zurück. VW will nun aufholen und präsentiert in Detroit den Allspace, einen verlängerten Tiguan. VW-Markenchef Herbert Diess betonte bei der Vorstellung des Wagens: Man wolle Amerikas Liebe für VW wieder entfachen. Ganz anders Mercedes. Die Stuttgarter konnten 2016 ihre Marktanteile einigermaßen halten. Und neben dem GLA bietet unter anderem neue die X-Klasse Potenziale für die nächsten Jahre. Dabei handelt es sich um enorm wuchtige Pick-ups.

VW dürfte unter Trump leiden

Doch was, wenn Trump seine Drohungen mit Einfuhrzöllen für Import-Pkw wahrmacht? Für Mercedes und BMW dürften die Folgen überschaubar bleiben. Beide Hersteller produzieren in den USA mehr Fahrzeuge als sie dort verkaufen. Schwieriger wird es für den VW-Konzern. So haben die beiden enorm wichtigen Nobelmarken Audi und Porsche gar keine eigenen Werke in den USA. Die volumenstarken VW-Modelle Jetta und Golf werden für den US-Markt in Mexiko gefertigt. In Chattanooga (Bundesstaat Tennessee) wird lediglich der Passat gebaut, der aber nicht gerade ein Verkaufsschlager ist. Diess betonte in Detroit aber, das Werk könne noch erweitert werden. Darüber hinaus werde Volkswagen in den USA künftig auch Elektroautos produzieren. Über den Standort werde Anfang 2018 entschieden. Doch stellt sich die Frage, wie stark unter Trump die Nachfrage nach E-Autos sein wird. In Detroit zeigt VW schon einmal den I.D. Buzz – eine Stromer-Variante des VW-Busses im Retrodesign.

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