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Wiedeking hat viele Fans, obwohl er schlechte Nachrichten überbringt.

Porsche

Dagobert Duck aus Zuffenhausen

Die Aktionäre loben den Porsche-Chef Wendelin Wiedeking - der Autobauer stimmt die Eigner auf herbe Einbußen ein. Von Christine Skowronowski

Von CHRISTINE SKOWRONOWSKI

Stuttgart. "Da mache mir uns mal en gemietliche Dach". Der Porsche-Aktionär aus Schwaben betritt gut gelaunt die Hauptversammlung und hat dafür langes Warten in Kauf genommen. Denn der Andrang ist enorm. Etwa 8500 Anteilseigner sind in die baden-württembergische Landeshauptstadt geströmt, fast 3700 mehr als beim vorigen Mal. Und das, obwohl sie als Vorzugsaktionäre nichts zu melden haben, "stimmrechtskastriert", wie später ein Redner moniert. Das alleinige Sagen haben die Familien Porsche und Piëch, deren Vertreter entspannt auf dem Podium sitzen.

So richtig gemütlich lässt es Porsche-Chef Wendelin Wiedeking in seiner Rede nicht angehen. Er führt die "Prognoseexperten" vor und die Wirtschaftsweisen. Und er straft die Banken ab, um ironisch hinzuzufügen: "Es liegt mir völlig fern, hier auch nur irgendjemanden zu nahe zu treten." Wiedeking steigert sich in der Analyse der Wirtschaftskrise herein. "Wenn gut gehende Zulieferer trotz milliardenschwerer Regenschirmpolitik für die Banken keine Kredite mehr bekommen, wenn Bankvorstände selbst einer Verstaatlichung ihrer Institute als einzigen Ausweg das Wort reden, dann macht uns das schon betroffen."

Die Dramaturgie dient dazu, die Aktionäre darauf einzustimmen, dass auch der Sportwagenbauer herbe Einbußen erleidet: Der Absatz ist nach ersten Schätzungen in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres per Ende Juli um rund 27 Prozent eingebrochen, der Umsatz um gut 14 Prozent. Wiedeking kündigt an, bis zur Sommerpause für 19 Tage die Produktion auszusetzen, nachdem dies nach Weihnachten bereits an elf Tagen geschah.

Als Wiedeking auf die Deals mit VW-Aktien eingeht, wird er leidenschaftlich. Dass dem Vorstand Marktmanipulation vorgeworfen werde, sei unerhört und rufschädigend. Er erntet kräftigen Beifall. Später wird Hans-Christoph Hirt von der britischen Fondsgesellschaft Hermes den Vorwurf wiederholen, Wiedeking habe dem Ansehen des Finanzplatzes Deutschland geschadet. Ein Aktionärsvertreter bezeichnet Porsche aber eher liebevoll als "Dagobert Duck aus Zuffenhausen".

Wiedeking kann sich dennoch ruhig zurücklehnen. Ein Redner nimmt ihn in Schutz. Wenn mit den Optionsgeschäften von Porsche erreicht worden sei, dass "das Zockergesindel" vertrieben wurde, dann sei Finanzvorstand Holger Härter "ein Segen".

Viele Anteilseigner zollen dem Porsche-Vorstand großes Lob. "Das ist doch logisch", sagt ein Aktionär der FR zu dem VW-Engagement. VW-Touareg und Cayenne passten gut zusammen - sie werden schon heute auf der gleichen Plattform gebaut. "Da wäre es doch blöd, sich an Ferrari zu beteiligen." Dass Porsche nicht doch am Markt selbst gezockt hat, will er wie andere Anteilseigner Wiedeking allerdings nicht abnehmen.

Auf Schmusekurs

Einen Vorwurf muss sich das Porsche-Management immer wieder gefallen lassen: mangelnde Transparenz. Was Wiedeking & Co aber wenig kümmert. Weder über die Höhe des Gehalts noch über die Form der Optionsgeschäfte lüften sie den Schleier.

Geschickt bindet Wiedeking die VW-Arbeitnehmervertreter ein: Sowohl VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh als auch der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber und Audi-Betriebsratschef Peter Mosch sind präsent und werden herzlich begrüßt. Sie wurden gestern bei einer Sitzung des Porsche-Aufsichtsrates auch im Kontrollgremium der Porsche-Holding etabliert. Wiedeking räumt ein, im Streit über Mitbestimmung und VW-Gesetz nicht immer die "Diplomatensprache" gewählt zu haben. Aber: Er glaube, dass "in naher Zukunft eine einvernehmliche Lösung" für die noch strittigen Themen erreicht werde. Osterloh verzieht keine Miene. "Aber es sieht gut aus", sagte er der FR.

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