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Dänemark: Von Unruhen keine Spur

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Von: Thomas Borchert

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Das in Dänemark traditionell starke Grundvertrauen der Bevölkerung ist für die politische Führung in dieser Krisenzeit ein enormes Pfund.
Das in Dänemark traditionell starke Grundvertrauen der Bevölkerung ist für die politische Führung in dieser Krisenzeit ein enormes Pfund. © FR

Die Inflation ist hoch in Dänemark. Die Regierung reagiert mit umfassenden Hilfspaketen.

Gerade erst haben Dänemarks regierende Sozialdemokraten mit ihrem Wahlsieg einen starken Vertrauensbeweis für ihr Krisenmanagement mit Corona und Ukraine-Krieg eingefahren. Wie überall sonst ächzt die Bevölkerung unter der zweistelligen Inflation und spürt eine echte Wirtschaftskrise bedrohlich nahe im Nacken. Aber sie ist noch nicht angekommen. Von Unruhe, gewerkschaftlicher Mobilisierung gegen Teuerungsfolgen und gar Massenprotesten auf der Straße war im Wahlkampf nichts zu sehen. Die Parteien überboten einander mit immer höheren Lohn-Versprechungen aus der Staatskasse, um dem Personalmangel in Krankenhäusern und dem Pflegesektor zu begegnen.

Die bisherigen Stützungspakete für Privathaushalte umfassen neben Einmalzahlungen unter anderem eine Begrenzung von Mietsteigerungen auf vier Prozent über zwei Jahre und die langfristige Stundung von Stromrechnungen. Mal Gießkanne, mal gezielt. Sie sind im Parlament mit breiter Mehrheit beschlossen worden und auch in den Medien wenig kontrovers. Die berichten in Moll über trotzdem hart getroffene Einzelne oder Familien, die aus Geldnot von der Wohnung in den Campingwagen umziehen müssen. Von organisiertem Protest gegen Ungerechtigkeit oder „generell zu wenig“ aber keine Spur.

Das in Dänemark traditionell starke Grundvertrauen der Bevölkerung ist für die politische Führung in dieser Krisenzeit ein enormes Pfund. Hinzu kommt die noch relativ günstige Lage bei der Energieversorgung. Schon fast die Hälfte der Energie wird vor allem dank der Windkraft und der stürmischen Küste aus erneuerbaren Quellen selbst erzeugt. Beim Gas hat das Land über die Zwischenstation Deutschland auch an russischen Importen gehangen und nun mit dem Ausfall zu kämpfen. Aber nur in Maßen.

Politisch ungemütlich wird es mit Sicherheit in Kopenhagen werden, sollte sich der Abwärtstrend auf dem Immobilienmarkt bei steigenden Zinsen in den kommenden Monaten beschleunigen. Für das Selbstverständnis der breiten Mittelklasse sind der Wert der eigenen Immobilie und der dazugehörende Bankkredit wichtiger als der Blick auf die in Dänemark nach wie vor niedrigen Arbeitslosenzahlen. Thomas Borchert

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