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Cum-Ex-Geschäfte: Staatsanwaltschaft fordert sieben Jahre Haft für Angeklagten

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Das Logo des Bankhauses M.M.Warburg & CO ist in großen Lettern über dem Haupteingang befestigt.
Im dritten Cum-Ex-Prozess hat die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe gegen den Angeklagten gefordert, einen ehemaligen Banker der Privatbank MM Warburg. © Axel Heimken/dpa/Archivbild

Durch die Cum-Ex-Geschäfte ist dem deutschen Staat ein Schaden in Milliardenhöhe entstanden. Der Angeklagte bezeichnet die Geschäfte als den „größten Fehler seines Berufslebens“.

Bonn - Im dritten Cum-Ex-Prozess vor dem Bonner Landgericht hat die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren gegen den Angeklagten gefordert, einen ehemaligen Banker der Privatbank MM Warburg. Die Cum-Ex-Geschäfte*, an denen der Angeklagte beteiligt gewesen sei, hätten zwischen 2009 und 2010 zu einem Steuerschaden von rund 150 Millionen Euro geführt, sagte Staatsanwalt Axel Körtgen am Donnerstag.

Staatsanwaltschaft: „Enorme Höhe der Steuerschäden“

Maßgeblich für die Strafforderung sei „die enorme Höhe der Steuerschäden“, die im Rahmen der Cum-Ex-Geschäfte durch einen „aktiven Griff in die Staatskasse“ entstanden seien. Der Angeklagte habe aber nicht selbst von den Transaktionen profitiert und sei nicht treibende Kraft bei den Geschäften innerhalb der Warburg-Gruppe gewesen. Der 63-jährige Angeklagte Detlef M. nannte die Geschäfte den „größten Fehler meines Berufslebens“. Seine Verteidigung sprach sich für eine Bewährungsstrafe aus. Das Gericht will nun am kommenden Mittwoch seine Entscheidung verkünden.

Erst im vergangenen Juni hatte das Landgericht Bonn einen ehemaligen Mitarbeiter der Hamburger Privatbank M.M. Warburg im Zusammenhang mit Cum-Ex-Geschäften zu einer Haftstrafe verurteilt. Am Landgericht Bonn laufen Verfahren im Zusammenhang mit dem Cum-Ex-Skandal, bei der Staatsanwaltschaft Köln sind Ermittlungen dazu gebündelt.

Staat: Milliardenschäden durch Cum-Ex-Geschäfte

Bei den Cum-Ex-Geschäften war dem deutschen Staat ein Schaden in Milliardenhöhe entstanden. Anleger ließen sich dabei eine einmal gezahlte Kapitalertragssteuer auf Aktiendividenden mit Hilfe von Banken mehrfach erstatten. Dazu verschoben sie um den Stichtag der Dividendenzahlung herum untereinander Aktien mit - also cum - und ohne - ex - Dividendenanspruch.

Die Fälle hatten weite Kreise gezogen, bei Banken und Anwaltskanzleien gibt es deswegen immer wieder Durchsuchungen. Im bundesweit ersten großen Strafprozess hatte das Gericht in Bonn im März 2020 Bewährungsstrafen gegen zwei britische Aktienhändler verhängt. Im Juli 2021 hatte der Bundesgerichtshof dann in einem Grundsatzurteil Cum-Ex-Geschäfte als strafbar* bewertet. (rtr)

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