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Credit Suisse Manager: Boni trotz fatalem Miss-Management

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Von: Amy Walker

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Nachdem am Wochenende im Hauruckverfahren die Schweizer Großbank UBS dem Kauf der angeschlagenen Credit Suisse zugestimmt hat, zittert der Finanzsektor weiter. Aber: Boni sollen trotzdem ausgezahlt werden.

Zürich – Die 170-jährige Großbank Credit Suisse hat am Wochenende ihr Ende gefunden. Nach Jahren geprägt von Skandalen, Risikogeschäften und Misswirtschaft ist die Bank in der vergangenen Woche in Schieflage geraten. Im Eilverfahren wurde ein Deal mit der Konkurrenz gemacht: UBS übernimmt die Bank für einen Schleuderpreis, die Schweizer Regierung ist Garant. Doch trotz der Krise will CS am Freitag wie geplant Boni auszahlen und hält an Gehaltserhöhungen fest. Das berichtet Bloomberg und beruft sich auf eine interne Mitteilung an Mitarbeitende.

Credit Suisse hat trotz Misswirtschaft jedes Jahr Milliarden für Boni ausgezahlt

Laut der internen Mitteilung sollen Mitarbeitende an ihre Arbeitsplätze zurückkommen, es gelte „business as usual“, zitiert Bloomberg. Die für März angekündigten Bonuszahlungen und Gehaltserhöhungen würden wie geplant ausgezahlt werden. Dass Boni eigentlich Erfolgsprämien sind und die Bank 2022 einen Verlust in Höhe von mindestens 7,3 Milliarden Franken eingefahren hat, scheint kein Hindernis zu sein.

Credit Suisse
Die Credit Suisse ist gescheitert. © Jakub Porzycki / Imago Images

Die schweizerische Zeitung Tages-Anzeiger berichtete, dass die Bank seit 2013 mindestens 32 Milliarden Franken an Boni ausgezahlt hatte. Und das, obwohl es der Bank schon lange schlecht geht und in Verruf geraten war: Da war die bulgarische Mafia, die 2004 bis 2007 laut Staatsanwaltschaft ungestört Geldwäsche über CS-Konten abwickelte. Da waren 2013 die windigen Geschäfte einer britischen CS-Tochter in Mosambik, wo bei Krediten an Staatsfirmen Millionen verschwanden. Dann gab es zwischen 2016 und 2019 die Bespitzelung eigener Kaderleute, von denen einer in Gangstermanier auf den Straßen Zürichs verfolgt wurde. Und die Bank war jüngst bei den Risikogeschäften des Hedgefonds Archegos und der Greensill-Fonds dabei und verlor bei deren Zusammenbruch Millionen.

Schweiz prüft Bankengesetz: Top-Manager sollen Auflagen erhalten

Wie der Tages-Anzeiger weiter berichtet, könnte die Bankenaufsicht die Auszahlung bestimmter Boni aber auch verbieten. Das sehe das schweizerische Bankengesetz im Falle staatlicher Unterstützung vor. Bundesrätin Karin Keller-Sutter sagte dazu: „Das Bankengesetz sieht beispielsweise vor, dass bei einer Unterstützung durch den Staat ein Dividendenverbot oder Maßnahmen betreffend Löhne durch die Finma verfügt werden können.“

Die Bundesrätin gehe außerdem davon aus, dass das CS-Management Auflagen bekommen wird. Dass Boni an die Top-Manager ausgezahlt werden, sei unwahrscheinlich.

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