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Ressourcen-Knappheit

Corona-Pandemie und Flutkatastrophe sorgen für Lieferengpässe und Preiserhöhungen

  • VonTanja Koch
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Vorprodukte, Baustoffe, elektronische Chips – durch Lieferschwierigkeiten bei Produkten wie diesen bleiben viele Regale leer. Welche Folgen hat das für Verbraucher:innen?

Frankfurt - Auf den ersten Blick sieht es gut für die Wirtschaft aus. Nachdem im Mai die Aufträge um 3,2 Prozent gesunken waren, lagen sie laut Statistischem Bundesamt im Juni so hoch wie seit zehn Monaten nicht mehr. „Insgesamt setzen die Auftragseingänge damit ihren seit Jahresanfang bestehenden Aufwärtstrend nach kurzer Unterbrechung im Mai weiter fort“, erklärte das Wirtschaftsministerium. Bei Autobauern wie BMW etwa sieht es mit Rekord-Absatzzahlen besonders gut aus.

Doch: Lieferengpässe bei Vorprodukten und Materialien verhindern, dass die Aufträge erfüllt werden können. Im Juni sank der Umsatz sogar. Wegen der Knappheit an Halbleitern und steigenden Rohstoffpreise „wird das zweite Halbjahr für die BMW Group etwas herausfordernder sein als das erste“, zitiert „Handelsblatt“ BMW-Chef Oliver Zipse.

Leere Regale und Preiserhöhungen: Engpässe im Alltag der Konsument:innen angekommen

Nun sind die Lieferengpässe im Alltag der Endverbraucher:innen angekommen. Die gute Nachricht zuerst: Lebensmittel sind von der Knappheit nicht betroffen. In den Bereichen Bau- und Heimwerkerbedarf, Möbel, Hausrat sowie in der Informations- und Kommunikationstechnik hingegen seien die Schwierigkeiten zu spüren, wie „Welt“ Klaus Wohlrabe, Experte beim Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung zitiert. Das sorgt für leere Regale beispielsweise in Bau- und Gartenmärkten, Drogerien, Möbelhäusern, Discountern. Hornbach etwa habe „Welt“ zufolge Probleme mit der Lieferung von etwa Abbeizern, Lachschutz-Farbe und Abwasserrohren. Der Mangel an elektronischen Chips äußere sich bei Produkten wie Rasenmäher-Robotern, Waschmaschinen und Spielekonsolen.

Neben leeren Regalen hat die Knappheit noch eine weitere Folge für die Endverbraucher:innen: Sie werden künftig mehr für Produkte zahlen müssen. So sind einer Berechnung des Vergleichsportals guenstiger.de zufolge die Preise für Autoreifen innerhalb von zwei Jahren durchschnittlich von 62 auf 102 Euro gestiegen – eine Erhöhung von 65 Prozent. Die Playstation 5 kostet laut Preisvergleichsportal Idealo derzeit 799 Euro. Die Preisempfehlung des Herstellers Sony liegt bei 499 Euro.

Baumärkte, Supermärkte und Drogerien haben wegen der Lieferengpässe Schwierigkeiten, ihre Regale zu füllen. (Archivbild)

Coronavirus und Hochwasserkatastrophie beeinträchtigen Lieferketten

Die Gründe für die Lieferengpässe sind unterschiedlich. So erklärte eine Sprecherin von Aldi Süd laut „Welt“, dass aufgrund des Hochwassers „vorübergehend in einigen Regionen“ mit Verzögerungen zu rechnen sei. Auch ein gesperrter Hafen im chinesischen Stadtbezirk Yantian sorge für Engpässe. „Da die vorübergehende Schließung die Infrastruktur des gesamten Frachtverkehrs beeinflusst, können wir aktuell nicht absehen, wie lange die Situation anhalten wird“, erklärt sie. Neben dem Hochwasser seien bei der Drogeriekette Rossman auch Pandemie-bedingte Lieferketten-Probleme eine Ursache für leere Regale.

Und die Lieferengpässe wiederum wirken sich auf die beiden Krisen aus. Wegen des Mangels an Baustoffen und Arbeitskräften geht der Hauptgeschäftsführer der Kölner Handwerkskammer, Garrelt Duin, von großen Schwierigkeiten beim Wiederaufbau in den Unwetter-Gebieten aus. „Es wird sicherlich kurzfristig gute Erfolge geben, etwa bei der Instandsetzung der Strom- oder Wasserversorgung. Aber beim Wiederaufbau wird es mittelfristig Engpässe geben“, sagte Duin dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Samstag-Ausgabe).

Coronavirus und Hochwasserkatastrophe - Engpässe erschweren die Bewältigung der Krisen

Der frühere Wirtschaftsminister von NRW forderte von der Politik eine Priorisierung von Bauprojekten. „Wir werden mit dem vorhandenen Material arbeiten müssen. Es muss auf Bundes- und Landesebene eine Koordinierung geben, wo was zuerst eingesetzt wird und welche Infrastruktur-Projekte Vorrang haben.“ Die Preise würden zudem weiter stark anziehen. „Eine Straße, die man vor zehn Jahren vielleicht für zehn Millionen Euro gebaut hat, wird man jetzt nicht für zehn Millionen wiederherstellen können.“

Auch auf die Bewältigung der Coronavirus-Pandemie wirkt sich die Knappheit aus: So wird es nach den Sommerferien dem Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund (NSGB) zufolge nicht an allen Schulen Luftfilter geben. Das liege nicht nur an fehlenden Vorarbeiten des Landes, sondern auch an Material-Engpässen, wie NSGB-Präsident Marco Trips erklärte.

Das Land hatte Anfang Juli angekündigt, angesichts der Ausbreitung der Delta-Variante mehr Geld für Lüftungsanlagen in Schulen zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich zu der bisherigen Förderung von Anlagen in eingeschränkt belüftbaren Unterrichtsräumen sollen die Schulträger 20 Millionen Euro erhalten, um Klassenräume der Jahrgänge 1 bis 6 zum Beispiel mit mobilen Geräten auszustatten. (Tanja Koch)

Rubriklistenbild: © Manfred Segerer/Imago

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