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Curevac und Biontech

Corona-Impfstoff: Patentschutz wackelt - Jubel über Joe Bidens Entscheidung

Deutsche Pharmaunternehmen lehnen Aussetzung des Patentschutzes für Corona-Impfstoffe ab. Die Pharmaindustrie denkt an ihre Aktionäre und will Rendite.

Update vom Donnerstag, 6.5.2021, 22.56 Uhr: Im Kampf gegen die Corona-Pandemie rückt eine Aussetzung des Patentschutzes für Impfstoffe näher. Die Europäische Union (EU) zeigte sich am Donnerstag (06.05.2021) offen für einen Vorstoß der USA, die sich bei der Welthandelsorganisation WTO für eine Ausnahmeregelung beim Patentschutz einsetzen wollen. Hilfsorganisationen, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Afrikanische Union (AU) bejubelten den Schritt Washingtons. Aus der Bundesregierung gab es unterschiedliche Reaktion.  

Die Grünen fordern nach dem Vorstoß der USA eine rasche Zustimmung zur Aufhebung der Patente für Corona-Impfstoffe, Tests und Medikamente. „Joe Biden hat den Anfang gemacht, jetzt müssen sich die Bundesregierung und die EU-Kommission auf der nächsten Sitzung der Welthandelsorganisation hinter die Schwellen- und Entwicklungsländer stellen und die Patente für Diagnostika, Medikamente und weitere Covid-19 Technologien aussetzen“, sagte Grünen-Bundesvize Jamila Schäfer der Augsburger Allgemeinen (Freitag, 07.05.2021).

Curevac und Biontech lehnen Aussetzung von Patenten ab

Update vom Donnerstag, 6.5.2021, 22.56 Uhr: Die deutschen Impfstoff-Hersteller Biontech und Curevac haben ihre Ablehnung gegenüber einer vorübergehenden Aussetzung der Patente ihrer Corona-Vakzine eine Absage erteilt. Das Mainzer Unternehmen begründet die Ablehnung mit einem „komplexen Herstellungsprozess“. Dieser sei seit über einem Jahrzehnt entwickelt worden und benötige Expertise. Mit einer Produktion infolge einer Patent-Freigabe könne die Gesundheit der Geimpften gefährdet werden.

Impfzentrum in Tunesien: In vielen Teilen der Welt fehlt es massiv an Impfstoffen gegen Corona. Eine Aussetzung der Patente könnte helfen.

Pharmaindustrie gegen Aussetzung der Patente: Rendite und Aktionäre wichtiger

Das Tübinger Pharmaunternehmen Curevac beruft sich darauf, dass das eigentliche Problem nicht in der produzierten Menge der Vakzine liege, sondern im „Druck auf die Lieferketten“. Dieser sei ein Ergebnis der hohen Nachfrage an Ausgangsmaterialien und notwendigen Geräten, welche innerhalb kurzer Zeit in hohen Mengen angefordert werden würden.

Anders argumentiert die Pharmaindustrie. Laut dpa heißt es aus ihren Reihen, dass die Entwicklung von Medikamenten teuer und begleitet von „versandenden Projekten“ sei. Mit einem „erfolgreichen Mittel“ müsse man „Rendite machen können“, um „Aktionäre zu belohnen“.

Erstmeldung vom Donnerstag, 6.5.2021, 10.06 Uhr: Frankfurt/Main / Brüssel - Die Impfstoffentwickler Curevac und Biontech sorgen sich wegen der Diskussion um den teilweisen Wegfall des Patentschutzes für ihren Corona-Impfstoff. Der diesbezügliche Abwärtstrend der Erlöse hat die Aktien der Hersteller am Donnerstag (06.05.2021) schwer belastet.

Die US-Regierung um Präsident Joe Biden hatte am Mittwoch überraschend angekündigt, sich im Kampf gegen die Corona-Krise bei der Welthandelsorganisation WTO für eine Ausnahmeregelung beim Patentschutz einzusetzen. Nichtregierungsorganisationen sowie Entwicklungs- und Schwellenländer fordern diesen Schritt bereits seit Monaten, damit die weltweite Impfstoff-Produktion angekurbelt werden kann. Daraufhin brachen die Kurse von Curevac und Biontech um mehr als zehn Prozent sowie um fast ein Fünftel ein.

Die Aktien von Astrazeneca legten in London hingegen zu. Das Unternehmen hatte bereits früh angekündigt, mit seinem Impfstoff keinen Gewinn erzielen zu wollen. Im ersten Quartal hatte die Impstoffherstellung sogar etwas auf dem Ergebnis gelastet.

Patent-Diskussion um Corona-Impfstoffe: EU für Aussetzung des Patentschutzes

Neben den USA zeigt sich jetzt auch die EU offen für Gespräche über eine vorübergehende Aussetzung des Patentschutzes für Corona-Impfstoffe. Brüssel sei bereit, über einen entsprechenden Vorschlag der USA zu diskutieren, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einer Videobotschaft. „Kurzfristig rufen wir jedoch alle impfstoffproduzierenden Länder dazu auf, Exporte zuzulassen.“

Auslieferung des Corona-Impfstoffs des Herstellers Biontech-Pfizer: Das Pharmaunternehmen besteht auf Patentschutz.

Industrienationen, in denen die großen Pharmakonzerne ansässig sind, lehnten bislang eine Aussetzung des Patentschutzes ab. Der Dachverband der Pharmafirmen (IFPMA) kritisiert die Entscheidung der USA, weil es die Impfstoffproduktion kaum ankurbeln werde, teilte der in Genf ansässige Verband in der Nacht zu Donnerstag mit.

Corona-Impfstoff weltweit: Problem mit Handelsbarrieren

Das Problem seien vielmehr Handelsbarrieren sowie Mangel an Rohstoffen und Bestandteilen, die für die Herstellung der Impfstoffe nötig seien. Bei der Unterversorgung der ärmeren Länder könnten auch Regierungen reicher Länder in die Bresche springen und einen Teil der Impfdosen, die sie sich in bilateralen Verträgen gesichert haben, an ärmere Länder abgeben.

Gerade weil ihre Patente geschützt seien, hätten Impfstoffhersteller bereits mehr als 200 Technologietransfer-Abkommen abgeschlossen, um mit Partnern in ärmeren Ländern mehr Impfstoffe bereitstellen zu können. „Wir werden keine Mühe scheuen, um die Herstellung der Covid-19-Impfstoffe auszuweiten, denn niemand ist sicher, bis nicht alle sicher sind“, teilte der Verband mit. Hilfsorganisationen bejubelten sie hingegen.

EU-Kommission zu Corona-Impfstoffen mit Patent

Die EU-Kommission verwies bisher auf die Komplexität der Produktion von Corona-Impfstoffen. Selbst nach Aufhebung des Patentschutzes würde es noch mindestens ein Jahr dauern, bis andere Firmen tatsächlich produzieren könnten, sagte Industriekommissar Thierry Breton noch am Montag. Zunächst müsse es Priorität haben, „alle bestellten Impfstoffe so schnell wie möglich zu liefern.“

Die EU ist einer der wichtigsten Produktionsstandorte für Corona-Impfstoffe weltweit. Rund die Hälfte der Impfdosen aus EU-Produktion werden in den Rest der Welt exportiert. Die USA haben ihrerseits ein Exportverbot für Corona-Impfstoffe verhängt. (ktho/Agentur)

Rubriklistenbild: © FETHI BELAID/afp

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