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Vermögen

Corona trifft die Superreichen - ein bisschen

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Studie: Weltweite private Finanzvermögen schrumpfen um 16 Billionen Dollar.

Die Reichen dieser Erde müssen mit mageren Jahren rechnen - sofern die Corona-Pandemie eine lang anhaltende Wirtschaftskrise nach sich zieht. Das geht aus dem „Global Wealth Report“ der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) hervor. Die Autoren der Studie erwarten, dass die privaten Finanzvermögen weltweit in diesem Jahr um 16 Billionen Dollar schrumpfen und erst im Laufe des Jahres 2022 wieder das Niveau von 2019 erreichen werden. Dem liegt zugrunde, dass das Virus lang andauernde Schäden auf dem Arbeitsmarkt und bei den Unternehmen zeitigen wird – und es nennenswertes Wirtschaftswachstum erst wieder von 2023 an geben wird. Zum Vergleich: Im Finanzkrisenjahr 2008 wurden „nur“ zehn Billionen Dollar vernichtet.

Für Ende 2019 haben die BCG-Experten ein globales Finanzvermögen von 226 Billionen Dollar errechnet. Das sind knapp zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Die gesamte Wirtschaft ist im vorigen Jahr weltweit aber nur um 2,9 Prozent gewachsen. Das bedeutet auch: die Reichen und Superreichen profitierten deutlich stärker als der Mittelstand und untere Einkommensgruppen von der Aufwärtsentwicklung.

Das Zehn-Prozent-Plus markiert den Abschluss einer Dekade mit kontinuierlichem Vermögenswachstum. Der Hauptfaktor war die „positive Entwicklung an den Kapitalmärkten“, erläutert Anna Zakrzewski, Hauptautorin der Studie, in der die Entwicklungen bei Wertpapieren wie Aktien, Fonds, Spareinlagen und Bargeld analysiert werden. Ein schwerer Corona-Rückschlag werde nun aber auch die Reichsten am härtesten treffen, weil deren Vermögensentwicklung stark von den Börsen und von den Schwankungen am Finanzmarkt abhängig sei.

Dennoch rechnen die BCG-Leute damit, dass es insgesamt mit den Finanzvermögen in der Halbdekade bis Ende 2024 nach einem Durchsacken wieder bergauf gehen wird. Im ungünstigsten Szenario wären es dann insgesamt 243 Billionen Dollar oder durchschnittlich 1,4 Prozent mehr im Jahr. Im günstigsten Fall könnten die Vermögen sogar auf 282 Billionen klettern. Das setzt aber eine schnelle Erholung der Wirtschaft voraus.

Die größten Nutznießer davon wären dann die Ultra-Reichen, die ohnehin schon über ein persönliches Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen Dollar verfügen. Sie werden sich nach den BCG-Hochrechnungen über Zuwächse von jährlich bis zu 5,8 Prozent freuen und damit erneut deutlich über dem Gesamtwachstum der Wirtschaft liegen.

Treffen die Prognosen zu, setzt sich ein Trend fort, der seit langer Zeit zu erkennen ist. Krisen haben das Plus der Finanzvermögen seit dem Zweiten Weltkrieg immer nur für kurze Zeit unterbrochen. Damit geht einher, dass sich die Zahl der Dollar-Millionäre in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf weltweit 24 Millionen verdreifacht hat. Zudem besitzen diese Millionäre mittlerweile etwas mehr als die Hälfte des gesamten Finanzvermögens. Auch hier ist langfristig eine kontinuierliche Steigerung zu erkennen.

Die Berechnungen lassen sich wie eine Bestätigung der Thesen des französischen Ökonomen Thomas Piketty lesen. In seinem neuen Buch „Kapital und Ideologie“ beschreibt er die Entwicklung von „neo-proprietistischen“ Gesellschaften, die etwa seit 1980 zu erkennen sei. Hauptmerkmale seien ein relativ geringes Wirtschaftswachstum und starke Vermögenszuwächse für die Reichen, während ärmere Schichten zurückfallen. Folge: eine steil ansteigende Ungleichheit. Unter anderen macht er darauf aufmerksam, dass insbesondere in China, Indien und den USA die Vermögen der Ultra-Reichen sehr stark gestiegen seien.

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