Olaf Scholz (SPD), Bundesminister der Finanzen, nimmt an der Sitzung des Bundestags zu Beginn der Haushaltswoche teil. Scholz stellt vor dem Bundestag den Gesetzentwurf der Bundesregierung für das Haushaltsgesetz 2021 vor.
+
Olaf Scholz (SPD), Bundesminister der Finanzen, nimmt an der Sitzung des Bundestags zu Beginn der Haushaltswoche teil.

Hilfen für Wirtschaft

Rekordwert der Staatsverschuldung: Warum die Lage in Deutschland trotzdem „relativ entspannt“ bleibt

  • Daniel Baumann
    vonDaniel Baumann
    schließen

Die Corona-Krise zwingt den Staat zu Hilfen für die Wirtschaft. Dafür muss er mehr Schulden aufnehmen, als erwartet.

  • Das Coronavirus hat die deutsche Wirtschaft stark belastet. Der Staat hilft mit Zahlungen aus.
  • In Folge dessen mussten sich die Haushalte verschulden.
  • Die Staatsverschuldung erreichte jetzt einen neuen Rekordwert.

Frankfurt - Die deutsche Staatsverschuldung ist infolge der Corona-Krise zu Ende Juni auf ein Rekordhoch gestiegen. Das hat am Dienstag das Statistische Bundesamt gemeldet. Demnach betrug die Verschuldung von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialkassen 2,11 Billionen Euro. Damit stieg die öffentliche Verschuldung seit dem Jahresanfang um 210 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von elf Prozent.

Kurzarbeit und Soforthilfen während der Corona-Krise belasten den Haushalt stark

Infolge der Corona-Krise und dem damit verbundenen wirtschaftlichen Abschwung sind die staatlichen Ausgaben zum Beispiel für Soforthilfen für Unternehmen oder fürs Kurzarbeitergeld gestiegen. Zugleich gingen die Steuereinnahmen zurück.

Der bisherige Höchststand bei der Staatsverschuldung war 2012 infolge der Finanzkrise erreicht worden. Auch damals griff der Staat der Wirtschaft unter die Arme. Die Schulden stiegen dadurch auf 2,07 Billionen Euro. Im folgenden Aufschwung wurden sie deutlich abgebaut.

Den stärksten Schuldenanstieg verzeichnete den Statistikern zufolge im ersten Halbjahr 2020 der Bund mit einem Plus von 163 Milliarden Euro, gefolgt von den Bundesländern mit einer Neuverschuldung von 46,1 Milliarden. Bei den Kommunen nahmen die Kredite um insgesamt 1,1 Milliarden zu.

Schuldenquote bei der Staatsverschguldung entscheidend

Zur Beurteilung der Frage, ob sich der Staat übernimmt, ist das Verhältnis der Verschuldung zur Wirtschaftsleistung maßgeblich. Läuft die Wirtschaft gut und nimmt der Staat mehr ein, kann er auch höhere Schulden bedienen. Zu Ende Juni lag diese Quote nach Schätzungen der Frankfurter Rundschau auf Basis von annualisierten Daten zur Wirtschaftsleistung bei rund 65 Prozent, zum Jahresanfang hatte sie noch 59,8 Prozent betragen.

Der Staat wird die Kreditaufnahme im zweiten Halbjahr fortsetzen. Von dem im Juni beschlossenen Konjunkturpaket ist vieles noch nicht umgesetzt worden. Tobias Hentze, Experte für Finanzpolitik am Institut der deutschen Wirtschaft, erwartet deshalb, dass die Staatsschuldenquote - immer auch in Abhängigkeit von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung – bis zum Jahresende auf 75 Prozent steigen wird. Damit läge sie weiterhin unter dem Niveau der Jahre 2010 bis 2012, als sich die Bundesrepublik mit 78,7 bis 82,4 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung verschuldet hatte.

Finanzexperte Hentze sieht die Schuldenentwicklung deshalb „noch relativ entspannt“. (Von Daniel Baumann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare