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Lockangebote führen häufig auf die Seiten von Internet-Betrügern und Fake-Shops.
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Lockangebote führen häufig auf die Seiten von Internet-Betrügern und Fake-Shops.

Betrug im Internet

Onlinehandel in Zeiten von Corona: Fake-Shops boomen

  • Nina Luttmer
    vonNina Luttmer
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Der Online-Handel boomt mit gefälschte Shoppingseiten. Verbraucherzentralen berichten von vielen Hilfesuchenden – und erklären, wie man sich schützen kann.

  • In Zeiten von Corona-Lockdowns blüht der Online-Handel.
  • Woran erkennt man die sogenannten Fake-Shops?
  • Opfer sollten dringend zur Polizei gehen.

Die Geschäfte sind zu – für viele Erledigungen bleibt Verbraucher:innen daher momentan nur der Gang ins Internet zum Online-Shopping. Herrliche Zeiten für Betrüger:innen. Mit sogenannten Fake-Shops – „gefälschten Geschäften“ – ziehen sie Kundinnen und Kunden über den Tisch. „Bei der Verbraucherzentrale vergeht kein Tag, ohne dass Opfer von Fake-Shops in den Beratungsstellen Rat suchen“, sagt Lore Herrmann-Karch, Pressereferentin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Der Schaden für Betroffene beläuft sich nicht selten auf weit mehr als tausend Euro. Leider ist das Geld meist auch nicht wiederzuerlangen. Daher ist es wichtig, Abzocke im Internet konsequent zu bekämpfen“, sagt sie.

Dank Corona: Viermal so viele Beschwwerden wegen Fake-Shops

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg berichtet, dass sich im Jahr 2020 rund viermal so viele Menschen mit Beschwerden über Fake-Shops an sie gewendet haben wie im Jahr zuvor. „Besonders in den Bereichen Bekleidung und Elektroartikel wurden Verbraucherinnen und Verbraucher dieses Jahr massiv abgezockt“, so Oliver Buttler, Abteilungsleiter Telekommunikation, Internet und Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Aber wie kann man erkennen, ob es sich bei der besuchten Internetseite um einen Fake-Shop handelt?

Zunächst einmal weist die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz darauf hin, dass es zwei Arten von Fake-Shops gibt. Da sind zum einen die Online-Shops, die bestellte und bezahlte Ware gar nicht liefern – die also komplett erfunden sind. Internetshops, die nur gegen Vorkasse liefern wollen, sollten Verbraucher:innen daher grundsätzlich misstrauisch machen. Das gezahlte Geld kann unwiederbringlich verloren sein.

Fake-Shops wenden verschiedene Tricks an

Dann gibt es allerdings auch Internetseiten, die auch Online-Bezahldienste zulassen und die Ware tatsächlich abschicken, aber: „Beim Auspacken stellt sich schnell heraus, dass es sich um billig produzierte Ware aus dem Ausland handelt“, sagt Jennifer Kaiser, Fachberaterin Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Will die Kundin oder der Kunde das Produkt dann zurückgeben, wird es meistens sehr kompliziert. Denn diese Shops sitzen häufig im Ausland, oft ist es schon mühsam, überhaupt die Adresse herauszufinden. „Wer die erhaltene Ware zurückgeben möchte, findet zwar eine Rücksendeadresse, wird aber auch gleich darauf hingewiesen, dass er die Rücksendekosten tragen muss“, so Kaiser. Oft müssen auch noch Gebühren für den Zoll bezahlt werden. Die Shops raten den Käufer:innen daher häufig von einer Rücksendung ab und bieten an, einen Teil des Kaufpreises zurückzuerstatten – meist zehn bis 15 Prozent. Auf dem Restbetrag und der minderwertigen Ware bleiben die Kundinnen und Kunden sitzen.

Anzeige erstatten

Die Polizei Hessen nimmt Anzeigen wegen Betrugs im Internet und einiger weiterer Delikte derzeit nur online entgegen. Persönliches Vorsprechen ist coronabedingt nicht erwünscht. Auf der Internetseite www.polizei.hessen.de findet sich ein Hinweis auf die Onlinewache. Das Feld anklicken und in der Onlinewache „Strafanzeige erstellen“ wählen. Hier können Geschädigte neben Fahrrad-, Kfz- oder Mobiltelefon-Diebstählen auch einen möglichen Online-Auktionsbetrug, EC- oder Kreditkartenbetrug oder ein Skimming-Delikt bei der zuständigen Behörde melden.

Ausgefüllt werden müssen die Angaben zur eigenen Person und alle Informationen und Kontaktdaten, die über den betrügerischen Verkäufer bekannt sind. Außerdem ist Platz für eine Schilderung des Tathergangs. Je mehr Informationen die Polizei erhält, desto besser. Es ergeht aber auch ein rechtlicher Hinweis: Wer eine rechtswidrige Tat vortäuscht oder durch wissentlich falsche Angaben einen anderen zu unrecht verdächtigt, macht sich selbst strafbar. Die Geschädigten erhalten bei Abschluss der Anzeige ein Online-Aktenzeichen. Nimmt die Polizei nicht von sich aus Kontakt auf, empfiehlt es sich, einige Tage nach Erstattung der Anzeige telefonisch unter Nennung des Aktenzeichens den Stand der Ermittlungen zu erfragen.

Gut gemachte Fake-Shops sind für Verbraucher:innen sehr schwer zu erkennen – anders als noch vor einigen Jahren sind sie oft sprachlich fehlerfrei verfasst und sehen sehr professionell aus. Sollte Ware dort außergewöhnlich günstig angeboten werden, sollten Verbraucher:innen aber immer genau hinschauen, statt bei solchen Lockangeboten sofort auf „Kaufen“ zu klicken.

Fehlendes Impressum: Sicheres Anzeichen für Fake-Shop

Häufig ist bei betrügerischen Shops das gesetzliche erforderliche Impressum unvollständig, inkorrekt oder fehlt komplett. Ein fehlendes Impressum ist ein sicheres Anzeichen für einen Fake-Shop. Wenn es ein Impressum gibt, rät das Landeskriminalamt Niedersachsen Internet-Shoppern Firmenadressen und angebliche Geschäftsinhaber mittels Online-Telefonbuch, Suchmaschinen und Kartendiensten zu überprüfen. Oft gibt es die Adressen überhaupt nicht. Sollten Telefon-Hotlinenummern angegeben sein, empfiehlt das LKA zudem, diese einfach einmal anzurufen. Häufig führen sie ins Nirgendwo oder zu überraschten Unbeteiligten. Kund:innen sollten aber auch misstrauisch werden, wenn ein Kontakt zu dem Händler nur über E-Mail erfolgen kann – und nur auf englisch.

Verbraucherinnen und Verbraucher sollten außerdem doppelt hinschauen, wenn die inzwischen bei Online-Shops ziemlich verbreiteten Gütesiegel wie etwa Trusted Shops lediglich als Bild in eine Seite hineinkopiert sind. Aber selbst wenn man den Link anklicken kann: wer sichergehen möchte, dann nicht auf eine weitere gefälschte Seite weitergeleitet zu werden, sollte auf den Webseiten der Gütesiegel selbst nachschauen, ob das Unternehmen das Zertifikat tatsächlich hat.

Opfer von Fake-Shops umgehend Polizei kontaktieren

Sollte zur Begleichung der grundsätzlich immer gefährlichen Vorkasse eine ausländische Kontonummer angegeben sein – oder aber auch ungewöhnliche inländische Bankverbindungen, die eher nach privaten Bankkonten aussehen, sollte der Kauf besser nicht getätigt werden, so das LKA Niedersachsen. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz empfiehlt außerdem, vor einer Bestellung den Namen des Shops in eine Suchmaschine einzugeben. Denn dort finden sich oft Hinweise von Betroffenen, falls der Shop bereits negativ aufgefallen ist.

Wer auf einen Fake-Shop hereingefallen ist, sollte umgehend Anzeige bei der Polizei erstatten. Das sei wichtig, betont das LKA Niedersachsen. Denn: „Strafrechtlich kann die Polizei gegen die Betreiber eines Fake-Shops nicht vorgehen, wenn keine Anzeige eines Geschädigten vorliegt“, heißt es auf der Internetseite des LKA. Zudem sollten sich Betrogene schnellstmöglich mit der eigenen Bank in Verbindung setzen und versuchen, eine getätigte Zahlung rückgängig zu machen. „Gegebenenfalls lässt sich die Überweisung noch aufhalten. In der heutigen Zeit kann diese Zeitspanne jedoch sehr kurz und somit erfolglos sein“, erklärt das LKA.

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz weist darauf hin, dass die strafrechtliche Verfolgung der betrügerischen Anbieter schwierig ist. Denn sie verwenden bei der Registrierung der .de-Domains falsche Adressdaten im In- und Ausland oder aber gestohlene Daten einer real existierenden Person. Möglich sei das, weil das derzeitige Registrierungsverfahren keine Identitätsprüfung des späteren Domaininhabers vorsieht.

In anderen europäischen Ländern, in denen eine Identitätsprüfung eingeführt wurde, sei der Anteil betrügerischer Online-Shops deutlich gesunken. Die Verbraucherschützer:innen fordern daher die Einführung einer verpflichtenden Identitätsprüfung bei der Domainregistrierung – ein Vorhaben, für das sich auch der Deutsche Bundesrat einsetzt. (Nina Luttmer)

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