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Über Tisch und Bänke: Auch Verbote von einst treten angsichts der Corona-bedingten Einschränkungen in den Hintergrund.

Pandemie und Alltag

Später duschen, früher fernsehen: Wie die Corona-Krise unsere Gewohnheiten verändert

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Durch die Corona-Pandemie haben die Menschen ihre Tagesabläufe umgestellt.

  • Die Corona-Pandemie stellt unseren Alltag auf dem Kopf.
  • Auch unsere alltäglichen Tagesabläufe haben sich durch die Corona-Krise verändert.
  • Ein Überblick über neue Gewohnheiten.

Um sechs Uhr duschen, nach Büroschluss einkaufen, abends fernsehen - das war einmal. Die Corona-Krise hat die Tagesabläufe vieler Menschen durcheinander gebracht. Die FR gibt einen Überblick über neue Gewohnheiten.

Einkaufen:  Vor der Corona-Krise gingen die Deutschen gerne Donnerstags und Freitags nach Feierabend sowie am Samstag ab dem späten Vormittag in den Supermarkt. „Unter Corona haben sich die Einkaufstage verschoben“, sagt Christian Böttcher, Sprecher des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH). Es gingen mehr Menschen zu Wochenanfang, vor allem am Montag, einkaufen – „vielleicht auch, weil sie festgestellt haben, dass die Regale Samstags oft schnell leer sind“. Insgesamt verteilten sich die Einkäufe gleichmäßiger über die Wochentage und die Uhrzeiten. Randzeiten würden stärker genutzt als sonst: „Früh morgens und spät abends gehen mehr Menschen einkaufen als vor Corona“, so Böttcher. Und: Der durchschnittliche Einkaufswagen ist deutlich voller als sonst, da die Leute seltener aus dem Haus gehen wollen.

Wasserverbrauch:  Wer nicht ins Büro muss, steht offensichtlich auch später auf. Das lässt sich auch am Wasserverbrauch ablesen. So twitterten die Berliner Wasserbetriebe bereits Ende März: „Wer heute etwas länger pennt, gehört schon zum Establishment: Berlin schläft in der Krise länger. Hunderttausende Homies verschieben morgendliche Wasserspritze um anderthalb Stunden.“ War vor der Krise der Höhepunkt des morgendlichen Wasserverbrauchs in der Hauptstadt um etwa 7.30 Uhr, lag er während des Shutdowns um etwa neun Uhr. In Frankfurt am Main dagegen scheint der Tag für die meisten Menschen früher loszugehen: Normalerweise findet der Peak im Wasserverbrauch gegen sechs Uhr morgens statt, sagte ein Sprecher von Hessen Wasser, dem Trinkwasserversorger für das Rhein-Main-Gebiet. Zuletzt dagegen schnellte der Wasserverbrauch erst um acht Uhr nach oben.

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Fernsehkonsum:  Wer viel zu Hause ist, der schaut offenbar auch viel mehr Fernsehen. Im März, dem Monat als Schulen und Geschäfte in Deutschland schlossen, schauten fünf Prozent mehr Menschen Fernsehen als ein Jahr zuvor. In der Altersgruppe der 14- bis 19-Jährigen stieg die Nutzerzahl sogar um 12,5 Prozent. Das teilte die AGF Videoforschung GmbH mit, die in Deutschland das Fernsehverhalten der Verbraucher misst. Die Sehdauer nahm über alle Altersgruppen hinweg um durchschnittlich 18 Minuten zu. So schauten die 14- bis 49-Jährigen täglich im Schnitt 157 Minuten auf den Fernseher. Besonders Nachrichtensendungen erlebten einen Boom: Insgesamt schalteten knapp drei Prozent mehr Menschen die Nachrichten ein als im März 2019, bei den 14- bis 19-Jährigen lag der Zuwachs bei 17,4 Prozent. Reality Sendungen profitierten ebenfalls enorm. Und: Der Fernseher läuft offenbar häufig „berufsbegleitend“: Die durchschnittliche tägliche Sehdauer von Vollberufstätigen stieg zwischen neun und 17 Uhr um 12,5 Prozent auf 40 Minuten an.

Internetnutzung:  Der Shutdown zwingt viele Menschen, mit Kollegen oder Geschäftspartnern über Videokonferenzen – etwa Skype oder Teamviewer – zu kommunizieren. Der Datenverkehr bei der Nutzung solcher Applikationen stieg nach Angaben von De-Cix, dem Betreiber des weltgrößten Internetknotens in Frankfurt, bis Mitte April um 20 Prozent im Vergleich zu Ende März. Im März war bereits ein Plus von mehr als 100 Prozent im Vergleich zu Ende Februar zu sehen. Der Datenverkehr bei Online-Spielen stieg von Ende Februar bis Mitte April um mehr als 60 Prozent – die Menschen in Deutschland daddeln also mehr am Bildschirm. Laut einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Nielsen gaben auch 27 Prozent der Befragten an, in der Krise mehr auf Video Streaming zurückzugreifen – also etwa Filme über Netflix, Amazon Prime oder Mediatheken zu schauen. 38 Prozent erklärten, dass sie mehr im Internet lesen und 31 Prozent nutzen soziale Onlinenetzwerke stärker als vor der Krise.

von Nina Luttmer

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