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Ein Experte wünscht sich einen "atmenden Steuersatz".

Niedrige Spritpreise

Corona-Krise bremst Verkehrswende aus: Sprit günstiger als Strom

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Aufgrund der Corona-Krise sind die Spritpreise momentan so günstig wie seit langer Zeit nicht mehr. Die Preise für Benzin und Diesel sinken unter die für Strom. Das stellt ein Problem für die  Verkehrswende dar. 

  • Wegen der Corona-Krise sind die Spritpreise momentan so günstig wie seit langer Zeit nicht mehr.
  • Dies stellt ein Problem für die  Verkehrswende dar.
  • Ein Experte wünscht sich einen "atmenden Steuersatz".

Die Spritpreise sind im Keller, bedingt durch die Corona-verursachte Schwemme auf dem Welt-Ölmarkt. Diesel kostet teils weniger als einen Euro, Benzin rund 1,10 Euro. Dadurch kippt ein bisheriger Vorteil von klima- und umweltfreundlichen Elektroautos: die vergleichsweise niedrigen Betriebskosten. Der Ladestrom für einen E-Pkw ist jetzt teurer als der Kraftstoff von der Tankstelle, den ein vergleichbarer Diesel verbraucht. Für die Pläne der Bundesregierung, auf E-Mobilität umzusteigen, ist das Gift. Experten fordern nun, die Mineralölsteuer so weit anzuheben, dass das Vor-Corona-Niveau wieder hergestellt ist, oder einen Mindest-Energiepreis festzusetzen.

Hans Joachim Schellnhuber, Deutschlands renommiertester Klimaforscher, spricht über die Lehren aus der Viruskrise und fordert, dass der Green Deal realisiert werden muss.

In Zeiten der Corona-Krise: Ladestrom für E-Pkw teurer als Kraftstoff von der Tankstelle

Ein Rechenbeispiel: Der Sprit für einen Diesel-Pkw, der rund fünf Liter Sprit pro 100 Kilometer schluckt, kostet heute knapp fünf Euro. Ein vergleichbares E-Auto braucht für dieselbe Strecke gut 18 Kilowattstunden Strom, die mit rund 5,50 Euro zu Buche schlagen. Folglich sinkt der Anreiz, auf ein E-Auto umzusteigen. Hinzu kommt: Fahrer von Plug-in-Hybriden, die alternativ mit Strom oder Sprit fahren können, werden in dieser Situation noch stärker als bisher schon zum fossilen Antrieb tendieren, anstatt den teureren Strom zu laden und dafür noch lange Ladezeiten in Kauf zunehmen.

Den Nachteil hat die Umwelt: Der CO2-Ausstoß beim Dieselbetrieb liegt rund ein Drittel höher als beim Fahren mit Strom – fünf Liter Diesel verursachen rund 13,3 Kilogramm CO2, 18 Kilowattstunden Strom beim aktuellen Strommix 7,3 Kilogramm.

Wegen der Coronakrise und dem milden Winter könnte Deutschland das Klimaziel 2020 erreicht. Umweltverbände fordern grüne Investitionsprogramme.

Erhöhung der Mineralölsteuer um Aushebelung der Verkehrswende zu verhindern?

Der Berliner Verkehrsexperte Axel Friedrich spricht sich angesichts dieser „Fehlanreize, die die nötige Verkehrswende aushebeln“, für eine Erhöhung der Mineralölsteuer um 20 Cent pro Liter Kraftstoffe aus. „Damit wäre in etwa wieder das Niveau von vor Corona erreicht“, sagte er der FR. Zusätzlich empfiehlt er einen „atmenden Steuersatz“, der hoch ist, wenn der Ölpreis niedrig ist, aber sinkt, wenn er wieder steigt. Die Einnahmen aus der höheren Steuer könnten Friedrich zufolge genutzt werden, um die aktuell diskutierten Kaufprämien für klimafreundliche Autos zu finanzieren. Bei 20 Cent pro Liter kämen laut dem Experten pro Jahr rund acht Milliarden Euro zusammen.

von Joachim Wille

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