Die gelben Tonnen waren laut „Grünem Punkt“ im ersten Halbjahr 2020 durchschnittlich um 4,5 Prozent stärker gefüllt.
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Die gelben Tonnen waren laut „Grünem Punkt“ im ersten Halbjahr 2020 durchschnittlich um 4,5 Prozent stärker gefüllt.

Müll

Corona-Krise: Die Verpackungsflut steigt in der Pandemie

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Mehr Mahlzeiten auf Bestellung, mehr Verpackungen: Das Umweltbundesamt meldet steigendes Müllaufkommen in privaten Haushalten – und hat Tipps, wie sich die Flut eindämmen lässt.

Die Corona-Krise hat die Verpackungsflut zumindest bei den Privathaushalten seit diesem Frühjahr deutlich ansteigen lassen. Der Lockdown führte unter anderem zu mehr Serviceverpackungen für Essen und Getränke. Damit wird der schon länger anhaltende Trend zu mehr Verpackungsverbrauch auf die Spitze getrieben, über den das Umweltbundesamt (UBA) jetzt berichtete. Seit 2010 sind die Mengen pro Kopf um knapp 18 Prozent angestiegen, wie neue Zahlen für 2018 belegen. Auf jeden Bundesbürger entfielen in diesem Jahr im Schnitt 227,5 Kilogramm Verpackungsabfall. 

Die Gesamtmenge an Verpackungsmüll betrug laut UBA 2018 rund 18,9 Millionen Tonnen, 0,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Privathaushalte verursachen davon knapp die Hälfte (47 Prozent), also über 8,9 Millionen Tonnen oder 107,7 Kilogramm pro Kopf. Hier liegt die Steigerungsrate gegenüber 2017 mit 1,0 Prozent und gegenüber 2010 mit 20,6 Prozent noch höher.

Corona: Mehr Serviceverpackungen im Einsatz

Die Ursachen für den hohen Verpackungsverbrauch sind laut UBA vielfältig. Als wesentlichen Treiber benennt es das Wirtschaftswachstum: „Denn mehr Produkte führen auch zu mehr Verpackungen.“ Aber auch veränderte Konsumgewohnheiten seien für mehr Verpackungsabfall verantwortlich. Als Beispiel verweist das Amt auf die vermehrt eingesetzten wiederverschließbaren Verpackungen, Dosierhilfen und generell aufwendigeren Verschlüsse. Außerdem setzten sich die Trends zu kleineren Portionen oder zum Online-Einkauf fort. Auch habe es 2018 weiterhin den Trend zu To-Go Essen und Getränken gegeben, die unterwegs, in der Arbeit oder zu Hause verzehrt werden.

Wie sich der Verpackungsverbrauch während der Corona-Pandemie letztendlich entwickelt, ist laut UBA noch unklar. „Aufgrund der geschlossenen Geschäfte und Restaurants ist allerdings abzusehen, dass vor allem mehr Serviceverpackungen für Essen und Getränke verbraucht worden sind.“ Das Recyclingunternehmen „Der Grüne Punkt“ meldet für das erste Halbjahr deutlich mehr Plastikmüll aus Privathaushalten. Die gelben Tonnen waren durchschnittlich um 4,5 Prozent stärker gefüllt, hiess es dort auf FR-Anfrage. In den Monaten März, April und Juni betrug das Plus sogar zwischen knapp acht und zwölf Prozent. Im Gewerbebereich sei damals allerdings weniger Müll entsorgt worden, die Menge an Kunststoffmüll habe insgesamt aber zugenommen.

Coffee-To-Go: Mehrwegbecher müssen die Regel werden

UBA-Präsident Dirk Messner forderte: „Verpackungen sollten vermieden werden, bevor sie überhaupt anfallen. Mehrwegbecher beispielsweise für den Coffee-To-Go müssen die Regel werden, aber auch wer Essen mitnimmt, sollte dies in Mehrwegbehältern tun können. Die Flut an Pizzakartons und Kaffeebechern in Mülleimern und Parks hätte so ein Ende.“ Außerdem sollten Hersteller Umweltbelastungen durch Verpackungen verringern, indem sie auf unnötige Funktionen verzichten und Mehrwegverpackungen verwenden. Verpackungen sollten so einfach wie möglich gestaltet sein, auch damit sie leichter recycelt werden können, empfiehlt das UBA. Und: „Am besten werden gleich recycelte Rohstoffe zur Herstellung verwendet.“

Beim Recycling von Verpackungen gehört Deutschland laut dem Amt weiterhin zu den Vorreitern, trotzdem gebe es noch Verbesserungspotential. Vom gesamten Verpackungsabfallaufkommen wurden 69 Prozent dem Recycling zugeführt, der Rest wurde größtenteils energetisch verwertet. Hohe Recyclingquoten erreichen Glas (83,0 Prozent), Papier und Karton (87,7, Stahl (91,9 und Aluminium (90,1. Bei Kunststoffen (47,1 und Holz (25,3) sei jedoch noch viel Recyclingpotential vorhanden.

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