Die Börse hofft auf einen schnellen Corona-Impfstoff.
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Verschiedene Unternehmen entwickeln einen Corona-Impfstoff. Die Hoffnung auf eine baldige Verfügbarkeit bestimmt das Verhalten vieler Anleger:innen an der Börse. (Archivfoto)

Investitionen

Börsenhype um Corona-Impfstoff: Finanzmarkt-Experten warnen Anleger

  • Tobias Utz
    vonTobias Utz
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Die Nachrichten von fortgeschrittenen Corona-Impfstoffen lassen die Euphorie unter Anlegern wachsen. Experten warnen vor voreiligen Investitionen.

  • Verschiedene Unternehmen haben enorme Fortschritte bei der Entwicklung von Corona-Impfstoffen bekannt gegeben.
  • An den Börsen herrscht Euphorie und Risikobereitschaft.
  • Finanzmarktexperten raten jedoch davon ab, voreilig zu investieren.

Frankfurt - Die Perspektive eines Corona-Impfstoffes hat an den Börsen einen regelrechten Hype ausgelöst. Nicht erst seitdem „BioNTech“, ein Pharmaunternehmen aus Mainz, bekannt gegeben hat, dass es erhebliche Fortschritte in der Entwicklung eines Impfstoffes gab, erreicht die Euphorie unter Anleger:innen Tag für Tag einen neuen Höhepunkt. Laut „BioNTech“ weist ihr Corona-Impfstoff eine Wirksamkeit von 90 Prozent auf. Am Montag (16.11.2020) gab nun der US-Hersteller „Moderna“ bekannt, dass sogar ein Impfstoff mit einer Wirksamkeit von 94,5 Prozent entwickelt worden sei.

Die Aktienkurse der Pharmaunternehmen schnellen also in die Höhe: Dieser Anstieg geht mit einer Risikobereitschaft unter Anleger:innen einher, die zeigt, wie groß die Hoffnung auf einen baldigen Impfstoff ist. Finanzmarktexperten halten das für gefährlich und warnen davor.

Corona-Impfstoff: Aktien steigen rasant - Experten warnen vor Investitionen

„Tatsächlich haben die offenbar positiven Nachrichten bei der Impfstoffentwicklung zu einem Hype an der Börse geführt. Allerdings sollten Kleinanlegerinnen und Kleinanleger lieber die Finger von diesem Hype lassen“, sagt zum Beispiel Hendrik Buhrs, Experte für Geldanlagen, im Interview mit „Zeit Online“. Seine Warnung begründet Buhrs damit, dass aktuell noch zu viele Unsicherheitsfaktoren im Raum stünden, das Risiko sei „viel zu groß“. Statt auf einzelne Pharmaunternehmen zu setzen, empfiehlt er, auf sogenannte „Exchange Traded Funds“ - kurz: „ETFs“ - zu bauen. Dabei handelt es sich um an der Börse gehandelte Fonds, die ohne aktives Investitionsmanagement auskommen und sehr breit angelegt sind.

Mit seiner Warnung vor zu eiligen Investitionen ist Buhrs nicht alleine. Mario Linimeier, Fondsmanager und Molekularbiologe, betont im Gespräch mit „ntv“: „Durch die Corona-Krise ist es zu spekulativen Übertreibungen gekommen.“ Linimeier zufolge, sei bei einer Bewertung des Analyse-Hauses „Leerink“ festgestellt worden, dass die Marktkapitalisierung, um mehr als 115 Milliarden US-Dollar angestiegen sei. Bei der Marktkapitalisierung handelt es sich um den Wert der sich im Umlauf befindlichen Aktien. „Wenn man das in Perspektive setzt zum Gewinnpotenzial, das man mit einem Corona-Impfstoff erzielen kann, dann gibt es [...] eine ziemliche Diskrepanz bei der Bewertung“, so der Finanzmarktexperte.

Impfstoff gegen Corona - weitere Studien entscheiden

Es bleibt abzuwarten, wie schnell die an den Impfstoffen forschenden Unternehmen sichere Ergebnisse zu Wirksamkeit und Sichtbarkeit vorstellen können. Abhängig davon dürften sich die Aktienkurse der jeweiligen Wettbewerber weiter positiv entwickeln - zu groß sind Euphorie und Hoffnung auf ein baldiges Ende der Pandemie. (Tobias Utz)

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