Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Einen Anspruch auf Neustarthilfe haben Selbstständige, die keine Überbrückungshilfe III beziehen oder beantragt haben, und deren Umsätze im ersten Halbjahr 2021 deutlich zurückgegangen sind.
+
Einen Anspruch auf Neustarthilfe haben Selbstständige, die keine Überbrückungshilfe III beziehen oder beantragt haben, und deren Umsätze im ersten Halbjahr 2021 deutlich zurückgegangen sind.

Neustarthilfe des Staates

Finanzielle Unterstützung in der Corona-Krise: So beantragen Sie die Neustarthilfe

  • Martin Staiger
    VonMartin Staiger
    schließen

Die Coronakrise hat viele Kleinstunternehmer hart getroffen. Sie können staatliche Gelder beantragen, darunter die sogenannte Neustarthilfe. Die Berechnung hat es allerdings in sich.

  • Selbstständige und Kleinunternehmer leiden finanziell durch die Corona-Krise.
  • Staatliche Gelder können in diesem Fall helfen.
  • Wir erklären, wie Sie die Neustarthilfe beantragen können.

Frankfurt – Novemberhilfe, Dezemberhilfe, Überbrückungshilfe I, Überbrückungshilfe II, Überbrückungshilfe III und so weiter. Viele Selbstständige, die wegen der Corona-Pandemie seit Monaten weitgehend untätig sind, haben schon lange den Überblick verloren, wann sie welche Hilfszahlungen bekommen können. Um die Verwirrung noch einmal zu steigern, gibt es mit der „Neustarthilfe“ eine weitere Leistung. Zielgruppe sind Selbstständige, die keine oder nur geringe Fixkosten haben.

Einen Anspruch auf Neustarthilfe haben Selbstständige, die keine Überbrückungshilfe III beziehen oder beantragt haben, und deren Umsätze im ersten Halbjahr 2021 deutlich zurückgegangen sind. Vergleichszeitraum ist in der Regel das Jahr 2019. Für Personen, die später ihre selbstständige Tätigkeit aufgenommen haben, wird der Vergleichszeitraum abweichend festgelegt. Wer erst ab Mai 2020 oder später selbstständig ist, erhält keine Neustarthilfe.

Corona in Deutschland: Keine Möglichkeit für Selbstständige mit Rettungsbeihilfen

Auch Selbstständige, die in der Vergangenheit Rettungsbeihilfen erhalten und diese nicht oder nicht vollständig zurückgezahlt haben, haben keine Möglichkeit, Neustarthilfe zu bekommen. Das gleiche gilt für Personen, über deren Vermögen ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde - oder bereits eines beantragt ist.

Die Höhe der Neustarthilfe berechnet sich anhand des Umsatzes (nicht des Gewinns) im Vergleichszeitraum. Um abschätzen zu können, wie hoch sie ausfällt, wird der Umsatz im Vergleichszeitraum herangezogen und auf einen Monat umgerechnet. Lag der Umsatz bei einer bereits am 1. Januar 2019 selbstständigen Person im Jahr 2019 beispielsweise bei 24 000 Euro, errechnet sich ein „Referenzmonatsumsatz“ genannter Betrag von 2000 Euro. Die Neustarthilfe beträgt das Dreifache dieses Betrags, im Beispiel liegt sie also bei 6000 Euro. Der Höchstbetrag der Neustarthilfe, der bei einem Umsatz von mindestens 30 000 Euro im Referenzzeitraum gezahlt wird, liegt bei 7500 Euro.

Neustarthilfe: Enabrechnung für Corona-Hilfen

Wer Neustarthilfe bekommt, ist verpflichtet, anhand der tatsächlich im ersten Halbjahr 2021 erzielten Umsätze bis spätestens Ende des Jahres eine Endabrechnung zu erstellen. Lag der auf den Monat umgerechnete Umsatz im ersten Halbjahr 2021 bei maximal vierzig Prozent des Referenzmonatsumsatzes, darf die Neustarthilfe in voller Höhe behalten werden. War der Umsatz höher, muss ein Teil der Neustarthilfe wieder zurückgezahlt werden.

In welcher Höhe zurückgezahlt werden muss, ist in typischem Bürokrat:innendeutsch so geregelt, dass kaum verständlich ist, was eigentlich gemeint ist. In den „FAQ zur „Neustarthilfe für Soloselbständige““ schreiben das Bundeswirtschafts- und das Bundesfinanzministerium: „Sollte Ihr Umsatz während der sechsmonatigen Laufzeit bei über 40 Prozent des sechsmonatigen Referenzumsatzes liegen, sind die Vorschusszahlungen anteilig so zurückzuzahlen, dass in Summe der erzielte Umsatz und die Förderung 90 Prozent des Referenzumsatzes nicht überschreiten. Liegt der im ersten Halbjahr 2021 erzielte Umsatz bei 90 Prozent oder mehr, ist die Neustarthilfe vollständig zurückzuzahlen.“

Corona-Neustarthilfe: Referenzmonatsumsatz und Referenzumsatz

Der nicht mit dem Referenzmonatsumsatz zu verwechselnde Referenzumsatz ist der auf ein halbes Jahr umgerechnete Umsatz des Referenzzeitraums. Im Beispiel beträgt der Referenzumsatz die Hälfte des Umsatzes aus dem Jahr 2019, also 12.000 Euro. Wird im ersten Halbjahr dieses Jahres ein Umsatz von über 4800 Euro erzielt, muss die Neustarthilfe zum Teil oder sogar ganz zurückgezahlt werden. Läge der Umsatz im ersten Halbjahr zum Beispiel bei 6000 Euro, müsste ein Betrag von 1200 Euro zurückerstattet werden. Ab einem Umsatz von 10.800 Euro wäre die Neustarthilfe in vollem Umfang zurückzuzahlen.

Wer in einer Branche tätig ist, die bald wieder anläuft, kann im ersten Halbjahr durchaus einen Umsatz von mehr als vierzig Prozent des Referenzumsatzes generieren, auch wenn im ersten Vierteljahr kaum Geld in die Kasse kam. In diesen Fällen sollte eine ausreichende Rückstellung gebildet werden, damit nicht am Ende des Jahres das böse Erwachen kommt. Auch wer unter vierzig Prozent bleibt, sollte nicht die gesamte Neustarthilfe ausgeben. Denn sie ist zwar nicht umsatz-, aber einkommensteuerpflichtig.

Neustarthilfe in der Corona-Krise: 7500 Euro für sechs Monate

7500 Euro für sechs Monate ist nicht gerade üppig. Umgerechnet auf einen Monat sind das 1250 Euro, die selbst einem alleinstehenden Selbstständigen ohne Kinder, auch wenn nur geringe Betriebskosten anfallen, kaum zum Leben reichen. Die Neustarthilfe ist auch gar nicht dazu gedacht, den Lebensunterhalt zu sichern, auch wenn viele Kleinselbstständige sie vermutlich genau dazu verwenden werden.

Die Sicherung des Lebensunterhalts ist Aufgabe der Grundsicherung, und Menschen ohne oder mit nur geringen Einkünften haben einen Rechtsanspruch darauf – auch wenn auf vielen Kanälen immer wieder herausposaunt wird, dass es sich bei der gerne als „Hartz IV“ bezeichneten Grundsicherung um ein staatliches Almosen handelt, in das man „hineinfällt“ oder „hineinrutscht“ oder wie die Metaphern auch immer lauten mögen.

Coronakrise: Neustarthilfe zusätzlich zur Grundsicherung beziehen

Die Neustarthilfe kann zusätzlich zur Grundsicherung bezogen werden und wird nicht als Einkommen angerechnet. So ergeben Neustarthilfe plus Grundsicherung ein stimmiges Ganzes, mit dem Kleinselbstständige über das erste Halbjahr kommen können und für den Neustart den einen oder andern Euro auf die Seite legen können.

Oft genug werden während der Coronakrise Verbindlichkeiten aufgelaufen sein, die mit der Neustarthilfe ganz oder teilweise getilgt werden können – realistischerweise aber nur, wenn gleichzeitig Grundsicherung bezogen wird.

Die Neustarthilfe lässt sich im Netz über diese Website beantragen. Ein Antrag kann nur ein Mal und längstens bis Ende August dieses Jahres gestellt werden. „Die Auszahlung der Neustarthilfe erfolgt“, so schreiben die Bundesministerien für Wirtschaft und für Finanzen, „in der Regel wenige Tage nach Antragstellung.“ Bleibt die Hoffnung auf möglichst viele Regelfälle. Denn in der Vergangenheit hat es mit der schnellen Auszahlung von Corona-Hilfen ja immer wieder gehapert. (Martin Staiger)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare