Während des Lockdowns fuhren die Menschen deutlich weniger Auto. Doch diese Zeiten sind schon wieder passé. Foto: Imago Images
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Während des Lockdowns fuhren die Menschen deutlich weniger Auto. Doch diese Zeiten sind schon wieder passé. Foto: Imago Images

Kurzfristige Klimaschonung

Corona-Effekt verpufft

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Die CO2-Emissionen sind wieder stark angestiegen. Waren die Einsparungen während Corona nur eine Delle in Kurve?

Der Corona-Lockdown hatte immerhin einen positiven Nebeneffekt: Der globale Treibhausgas-Ausstoß ging stark zurück – um bis zu ein Viertel. Doch nun zeigt sich: eine Trendwende ist damit noch nicht eingeleitet worden. Neue Daten belegen, dass dieser Corona-Effekt wieder verpufft.

D ie CO2-Emissionen werden laut einer Studie der Universität East Anglia im britischen Norwich im Schnitt voraussichtlich nur um rund 5,5 Prozent unter dem Wert von 2019 liegen. „Wir haben erwartet, dass die Emissionen wieder ansteigen. Doch dass das so schnell passieren würde, ist eine Riesen-Überraschung“, so die Hauptautorin der Studie, Professorin Corinne Le Quéré.

Auf dem Höhepunkt des Lockdowns sanken die Emissionen extrem – kaum Flugverkehr, Homeoffice statt Fahrten zum Büro, gestoppte Produktion in Fabriken. Vor allem die drastischen Maßnahmen im globalen CO2-Obereinheizer China und dann in den Industriestaaten wirkten sich hier aus. Anfang April lag der globale CO2-Ausstoß laut den britischen Forschern weltweit noch um 17 Prozent unter dem 2019er-Niveau, so die Studie im Fachmagazin „Nature Climate Change“.

Ein aktuelles Update der Untersuchung zeigt, dass der CO2-Ausstoß vom 1. Januar bis zum 11. Juni rund 8,6 Prozent unter dem Wert für die gleiche Vorjahresperiode lag. Hochgerechnet auf das ganze Jahr 2020 rechnen die Experten damit, dass die Emissionen zwischen vier und sieben Prozent niedriger als 2019 liegen werden. Mit anderen Worten: Im zweiten Halbjahr dürfte annähernd wieder das alte Niveau erreicht werden. 2020 wäre damit nur eine Delle in der weiter nach oben weisenden Emissionskurve – eine ähnliche Situation wie nach der Weltwirtschaftskrise 2008, als der globale CO2-Ausstoß aufgrund der von den Regierungen aufgelegten Konjunkturprogramme schnell wieder anstieg.

Im letzten Jahrzehnt waren die Emissionen weiter angewachsen. Um auf einen Pfad zu kommen, der das Einhalten der Pariser Klimaziele ermöglicht, müssten sie ab sofort spürbar sinken. So ist das 1,5-Grad-Erwärmungslimit laut dem Weltklimarat IPCC nur zu halten, wenn der CO2-Ausstoß pro Jahr um 7,6 Prozent sinkt.

Wissenschaftlerin Le Quéré zeigte sich besorgt, dass die Emissionen künftig sogar deutlich über dem Vor-Corona-Niveau liegen könnten. Nämlich dann, wenn die staatlichen Anreize zur Ankurbelung der Wirtschaft blind gegenüber dem Klimawandel sind. „Der Bau von Straßen zum Beispiel wäre sehr schädlich“, sagte sie.

Das letzte Wort ist dabei noch nicht gesprochen. Eine Analyse der weltweit aufgelegten Konjunkturprogramme des Thinktanks „E3G“ zeigt, dass eine Reihe Länder darin durchaus auch „grüne“ Ansätze verfolgen - wie die Förderung der E-Mobilität oder der energetischen Sanierung von Häusern. Vieles erscheine allerdings eher als Zusatz denn als Signal für einen echten Richtungswechsel.

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