Die Börsenkurse haben sich nach dem Corona-Schock schnell erholt.
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Die Börsenkurse haben sich nach dem Corona-Schock schnell erholt.

Aktien

„Corona beschleunigt Trends“

  • vonStefan Winter
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Für den Optimismus der Börsen gibt es gute Gründe, meint Blackrock-Stratege Felix Herrmann. Allerdings sieht er im Herbst noch einige Hürden.

Es war ein denkwürdiges erstes Halbjahr. Auf den Crash an den Aktienmärkten folgte die wohl schnellste Markterholung der Börsengeschichte. Das sei den beispiellosen Hilfspaketen von Regierungen und Notenbanken zu verdanken, meint Felix Herrmann, Anlagestratege bei der Fondsgesellschaft Blackrock. Im Herbst warte aber noch ein großes Risiko.

Warum ist der Corona-Schock an den Börsen so schnell verflogen, Herr Herrmann?

Der Absturz war sehr schmerzhaft, aber die Kurse haben sich nicht ganz zu Unrecht so schnell erholt. Es sieht so aus, als würde die Wirtschaft weitaus schneller auf den Wachstumspfad zurückkehren als befürchtet. Das liegt an der beispiellosen Reaktion der Politik. Sie hat entschlossener und umfassender gehandelt als in früheren Krisen. Das macht zumindest kurzfristig Hoffnung, dass es aufwärts geht.

Noch steckt die Konjunktur tief im Keller. Viel mehr als Hoffnung gibt es bisher nicht.

Aber die hat eine realistische Basis, und an der Börse wird nun einmal die Zukunft gehandelt. Die fiskalische Antwort der USA – also die staatlichen Ausgabenprogramme – ist nach unserer Schätzung größer als der ursprüngliche Corona-Schock. Und allen Pessimisten zum Trotz wird die EU mit ihrem geplanten Aufbaufonds wohl Handlungsfähigkeit beweisen. Zudem haben die jüngsten Konjunkturdaten eher positiv überrascht. Wir glauben deshalb, dass der wirtschaftliche Gesamtschaden durch die Corona-Pandemie geringer sein wird als der durch die Finanzkrise. Wenn das Tal durchschritten ist, dürften auch die Gewinnprognosen der Unternehmen wieder positiver werden.

Das klingt ziemlich optimistisch. Wo sind die Risiken?

Felix Herrmann , Kapitalmarktexperte bei der US-Fondsgesellschaft Blackrock.

Trotz allem bleiben wir in der zweiten Jahreshälfte vermutlich in unruhigem Fahrwasser. Erst einmal setzt das positive Szenario voraus, dass es keine größeren Lockdowns mehr gibt. Und dann gibt es im Herbst ein Ereignis, das an den Märkten aktuell wenig beachtet wird: Die US-Wahl hat das Potenzial für enorme Unsicherheit. Der Brexit steht auch noch an. Da lauern also noch einige Hürden, und beim aktuellen Kursniveau ist das Rückschlagpotenzial schon wieder beachtlich. Kurz gesagt: Im schlimmsten Fall kann es noch einmal sehr heftig abwärts gehen, aber dafür müsste wirklich schon sehr viel schieflaufen.

Regierungen und Notenbanken dämpfen den wirtschaftlichen Schock mit gigantischem Aufwand. Es scheint, als würde das Risiko am Finanzmarkt abgeschafft.

Was abgeschafft wird, ist der risikolose Zins – sichere Anleihen bringen keine Rendite mehr, im Gegenteil: Man zahlt noch drauf. Die Anleger werden in Aktien getrieben, die immer mit einem gewissen Risiko behaftet sind.

Gemessen an den Gewinnen der Unternehmen sind viele Aktien jetzt ziemlich teuer. Welche sind überhaupt noch einen Blick wert?

Der aktuelle Gewinn ist nicht der einzige Maßstab, man muss ganzheitlicher bewerten als vor der Krise. Wir erleben einen Strukturwandel, das Umfeld ändert sich schnell und radikal – nehmen Sie nur die Themen Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Die entscheidende Frage bei der Bewertung ist: Wie gut kommen Unternehmen mit diesem Wandel zurecht? Das ist der Unterschied der Pandemie zu früheren Krisen: Sie würgt Trends nicht ab, sondern beschleunigt sie – Corona wirkt wie ein Katalysator. Aussichtsreiche Anlagen sind Branchen und Unternehmen, die dauerhaft von diesem Wandel profitieren – beispielsweise Technologie, Gesundheit und Teile der Industrie.

Interview: Stefan Winter

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