Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Fatigue-Syndrom: Chronische Müdigkeit als Folge einer Corona-Infektion macht produktives Arbeiten oft unmöglich.
+
Fatigue-Syndrom: Chronische Müdigkeit als Folge einer Corona-Infektion macht produktives Arbeiten oft unmöglich.

Unfallkassen

Corona als Berufskrankheit oder Arbeitsunfall – Meldungen schnellen in die Höhe

  • vonFinn Mayer-Kuckuk
    schließen

Die Bundesregierung macht den Weg für eine schnelle Anerkennung von Corona als Berufskrankheit frei – allerdings nicht für alle Branchen. Auf die Unfallkassen kommen hohe Kosten zu.

Frankfurt – Covid-19 ist keine Grippe: Das gilt auch für den Status als Berufskrankheit. Nachdem das Arbeitsministerium im vergangenen Jahr die Weichen dafür gestellt hat, die Pandemie entsprechend zu behandeln, haben sich Covid-Folgen in der Statistik der Unfallkassen schnell nach ganz oben gearbeitet. Seit Beginn der Pandemie bis Ende Februar sind bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) 77 907 Verdachtsfälle auf Covid als Berufskrankheit eingegangen. Das ist ungefähr so viel wie die Gesamtzahl sonstiger Meldungen in einem normalen Jahr. Corona verdoppelt also die Zahl der Berufserkrankungen.

Besonders die dritte Welle macht sich heftig bemerkbar: Im Januar und Februar allein gingen 30 329 Meldungen ein. „Die Entwicklung spiegelt die ungeheure Wucht, mit der diese Pandemie unser Land aktuell trifft“, sagt Stefan Hussy, Hauptgeschäftsführer des DGUV. Da die Zahl der tatsächlichen Anerkennungen bei Corona deutlich höher liegt als im Durchschnitt, müssen die Kassen erhebliche Leistungen zusätzlich stemmen. Seit Beginn der Pandemie wurden 42 753 Fälle anerkannt.

Anerkennung einer Corona-Infektion als Berufskrankheit ist in der Pflegebranche höher

Die weit überwiegende Zahl der Erkrankungen meldet die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). Auf Platz zwei kommt der Unfallversicherungsträger der Öffentlichen Hand. Der hohe Anteil der BGW und der Öffentlichen Hand hat einen konkreten Grund. Eine Infektion als Berufskrankheit setzt voraus, dass die oder der Beschäftigte „im Gesundheitsdienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Laboratorium tätig ist oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt war.“ So sagt es die Verordnung des Bundesarbeitsministeriums.

Die Möglichkeit, eine Covid-Infektion als Berufskrankheit anerkennen zu lassen, haben also vor allem Ärzt:innen, Kranken- und Altenpfleger:innen und ähnliche Berufe. Wer sich in einer anderen Branche beispielsweise beim Kundenkontakt ansteckt, fällt durchs Raster. Lehrer:innen, Erzieher:innen oder Polizist:innen können die Folgen einer Ansteckung bei der Arbeit also nicht ohne weiteres als Berufskrankheit anerkennen lassen, weil die Verordnung das für diese Berufsgruppen nicht hergibt. Ihre Aufnahme in die Liste ist nicht geplant. Und das, obwohl sich laut AOK besonders viele Menschen in Sozial- und Betreuungsberufen wegen Covid krankschreiben lassen.

Weitere Corona-News finden Sie auf unserer Themenseite.

Unfallversicherung: Anerkennung einer Corona-Infektion als Arbeitsunfall

Für diese Beamt:innen und Arbeitnehmer:innen gibt es jedoch noch eine zweite Möglichkeit, nach einer Corona-Infektion Leistungen aus der Unfallversicherung zu erhalten: durch Anerkennung als Arbeitsunfall. Das ist von der Regierung ausdrücklich so gewollt. „In den Tätigkeiten, in denen derzeit keine Anerkennung einer Covid-19-Erkrankung als Berufskrankheit möglich ist, ist dennoch die Anerkennung als Arbeitsunfall möglich“, teilte das Arbeitsministerium auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken mit.

Doch die Anerkennung als Unfall sei nicht so leicht wie die als Berufskrankheit, sagt Rechtsexperte Alexander Greth von der Anwaltskanzlei Simmons & Simmons in Düsseldorf. Die Betroffenen müssen hier grundsätzlich nachweisen, zu welchem Zeitpunkt sie sich bei welcher infizierten Person angesteckt haben. „Einer Friseurin dürfte das schwerer fallen als einer Büromitarbeiterin, die sich beim Kollegen angesteckt hat“, so Greth.

Unklare Unterscheidung zwischen Corona-Infektion als Berufskrankheit und Arbeitsunfall

Auf sachlicher Ebene lässt sich die Unterscheidung zwischen Covid als Berufskrankheit und als Arbeitsunfall nicht begründen – sie liegt rein am Wortlaut der Verordnung. „Die Infektion nimmt dadurch unter den Berufskrankheiten eine Sonderstellung ein“, sagt Greth. Eigentlich erfolgt die Ansteckung punktuell und ist damit in jedem Fall eher ein Unfall. Doch für Ärzte und Pfleger gilt so ein Einzelereignis dennoch als Berufskrankheit. Immerhin: „Es gibt keine Unterschiede beim Leistungsspektrum der Versicherungen“, sagt Greth.

Im vergangenen Jahr haben die Unfallkassen noch versucht, die hohen Forderungen abzuwehren, die Corona ihnen aufbürdet. Sie haben die Pandemie zur „Allgemeingefahr“ erklärt, der alle Menschen gleichermaßen ausgesetzt seien. „Von dieser Sicht sind die Versicherungsträger allerdings abgekommen“, sagt Greth. Aus den Unfallkassen können die anerkannten Covid-Opfer nun die regulären Leistungen wie Verletztengeld, Reha-Leistungen, Verletztenrente oder Hinterbliebenenleistungen beziehen.

Unproduktivität und Dauermüdigkeit: Chronisches Fatigue-Syndrom durch Corona-Infektion

Mit steigenden Infektionszahlen von Jüngeren dürfte sich die Zahl der Meldungen und Anerkennungen noch einmal deutlich erhöhen. In Deutschland gab es bisher bei den 20- bis 60-Jährigen rund 2500 Todesfälle von insgesamt 75 000. Von den Fällen, die ins Krankenhaus mussten, war rund die Hälfte der Patienten auf eine umfangreiche Nachbehandlung und eine Reha angewiesen. Ein Teil davon kämpft noch monatelang mit den Spätfolgen. Auch nach milden Covid-Verläufen ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts jeder zehnte Patient länger als einen Monat betroffen.

Für die Unfallkassen besonders relevant wird das chronische Fatigue-Syndrom sein. Dabei handelt es sich um Dauermüdigkeit, die produktive Arbeit nicht mehr zulässt. Es tritt unabhängig vom Alter und der Schwere der eigentlichen Erkrankung auf. Damit trifft es Versicherte, die mitten im Leben stehen, besonders schwer.

Rechtliche Probleme: Ort der Ansteckung mit Corona lässt sich schwer nachweisen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) befürwortet nun auch die Anerkennung von Corona als Arbeitsunfall, wenn die Ansteckung auf dem Weg in die Firma erfolgte. Es handele sich dann um einen Wegeunfall, was die Arbeitgeber und Unfallversicherungsträger nach Auffassung der Gewerkschaft zu akzeptieren haben. „Es gilt: Nicht abwimmeln lassen“, sagt Anja Piel, Mitglied des Vorstands beim DGB.

Die gesetzliche Unfallversicherung biete bei Arbeitsunfällen bessere Leistungen als die gesetzlichen Krankenkassen. Anwalt Greth sieht hier jedoch rechtliche Schwierigkeiten: Es lässt sich schließlich kaum nachweisen, wann und wo genau eine Corona-Infektion erfolgte – ob auf dem Weg zur Arbeit oder im privaten Bereich. (Finn Mayer-Kuckuk)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare