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Das Spiel Call of Duty ist ein großer Erfolg. Derzeit kann man es aber nur zu Hause spielen. Foto: afp

Gaming in der Corona-Krise

WHO rät zu Computerspielen

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Besser daddeln als vereinsamen, denn die Gamebranche fürchtet eine Rezession.

Vieles spricht für einen neuen Rekord an diesem Wochenende – beim Datendurchsatz am De-Cix, dem weltgrößten Internetknoten, der sich in Frankfurt befindet. Denn die Firma Infinity Ward schaltet von Freitag, 19 Uhr, bis Montag, 19 Uhr, bei ihrem Computerspiel Call of Duty den Mehrspielermodus frei, ohne dass Nutzer etwas kaufen oder herunterladen müssen. Es dürfte bislang keine bessere Gelegenheit für eine derartige Marketingaktion gegeben haben als das Wochenende, an dem die halbe Welt zu Hause bleiben muss.

Der bisherige Weltrekord wurde am 10. März erreicht, als zeitweise schwer vorstellbare 9,1 Millionen Megabit in einer Sekunde durch den Internetknoten in Hessen rauschten (ein schneller Internetanschluss schafft 100 Megabit). Hauptverantwortlich für den gigantischen Datenverkehr war eine neue Version ebenfalls von Call of Duty. Das zeigt, wie Corona wirkt.

Der Betreiber von De-Cix berichtet von 25 Prozent mehr Datenaufkommen durch Spiele und soziale Medien. Um rund ein Viertel ist in jüngster Zeit auch die Zahl der Nutzer gestiegen, die auf Steam, der weltgrößten Spieleplattform, aktiv sind. Gerade wurde mit 23,8 Millionen ein neuer Rekord erreicht. Er dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit schon sehr bald überboten werden. Noch Mitte Februar waren zu besten Zeiten höchstens 19 Millionen Gamer online.

Das Daddeln am Rechner erlebt einen Boom. Und sogar die Weltgesundheitsorganisation (WHO) macht dafür Werbung – obwohl sie Online-Spielsucht erst vor zwei Jahren in ihren Katalog der Krankheiten aufgenommen hat, wegen der Gefahr psychischer Erkrankungen. Doch Covid-19 wird offenbar gefährlicher eingeschätzt. #PlayApartTogether (also etwa: Spielt auf Distanz gemeinsam) heißt die Kampagne, die die WHO zusammen mit mehreren Größen der Branche wie Activision und Riot Games auf den Weg gebracht hat.

Das Motto: Am Computer spielen, um Quarantänen und Ausgangsbeschränkungen auszuhalten, aber gleichzeitig mit anderen Spielern in Kontakt bleiben. „Spielen kann helfen, Menschenleben zu retten“, ließ Riot-Chef Nicolo Laurent mitteilen.

Die Krise als große Chance für eine Branche, deren globaler Umsatz vom Finanzdienst Bloomberg auf 150 Milliarden Dollar pro Jahr taxiert wird? Die Lage ist komplizierter. Die aktuelle Situation ist zwar ideal für Marketingaktionen. Deshalb offerieren viele Spieleanbieter zahlreiche Produkte derzeit kostenlos. Denn die Branche muss verstärkt Werbung machen. Auch in der Welt der Games geht die Angst um, dass eine heftige Rezession in den nächsten Monaten das Wirtschaftsleben lahm legen und die Konsumfreude der Verbraucher dämpfen wird.

Die hohe Nervosität von Investoren lässt sich gut am aktuell heftigen Auf und Ab bei Aktien von Spiele-Firmen ablesen. Auch bei hiesigen Unternehmen herrscht Verunsicherung. Laut einer Umfrage des Branchenverbandes Game gehen knapp zwei Drittel der Firmen davon aus, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kurzfristig verschlechtern werden. Genauso viele erwarten negative oder sogar sehr negative Auswirkungen auf ihren Geschäftsbetrieb.

Zu schaffen machen auch die Absagen der großen Messen, wie der E3 in Los Angeles. Die Riesenshows sind einerseits wichtige Schaufenster für Entwickler und Distributoren. Andererseits werden auf den Messen viele Deals vereinbart. Da spielt der persönliche Kontakt eine wichtigere Rolle als in anderen Sektoren.

Neues Pandemie-Spiel

Hinter den großen Unternehmen steht ein Riesenheer von Kleinst- und Ein-Personen-Unternehmen, die auf Honorarbasis Spiele und Teile davon entwickeln. Ohne Messen können sie keine Vereinbarungen treffen. Davon hängen aber die Zeitpläne für die Veröffentlichung neuer Produkte ab. Laut Bloomberg ist vielfach die Entwicklung von Novitäten ins Stocken geraten. Ein weiterer Faktor: Viele chinesische Spieleentwickler mussten ihre Studios über Wochen schließen. Das führt zu Verzögerungen.

Verkompliziert wird das alles noch dadurch, dass Microsoft (Xbox) und Sony (Playstation) Ende des Jahres mit neuen Konsolen nebst neuen Spielen auf den Markt kommen wollen. Das werde den Druck auf die Entwickler zusätzlich erhöhen, sagte der Computerspiele-Analyst Billy Pidgeon Bloomberg. Denn Pünktlichkeit sei entscheidend.

Geliefert hat bereits indes die Firma Ndemic Creations. Sie hatte 2012 das Spiel Plague Inc. auf den Markt gebracht. In der Ursprungsversion ist der Spieler ein Virus, das die gesamte Menschheit vernichten muss. Nun gibt es eine neue Variante, die mit Hilfe von WHO-Experten entwickelt wurde. Jetzt geht es darum, die Pandemie zu besiegen. Große Ähnlichkeiten mit der echten Corona-Krise sind gewollt. Das Spiel gibt’s kostenlos.

Von Frank-Thomas Wenzel

Thomas Gebauer von Medico International spricht im Interview über die Rolle der WHO, Interessenskonflikte und private Geldgeber wie Bill Gates.

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