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Commerzbank-Zentrale in Frankfurt.
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Commerzbank-Zentrale in Frankfurt.

Vorsorglicher Schritt

Commerzbank zockt nicht mehr mit Nahrung

Hohe Risiken in der eigenen Bad Bank und ein schwaches Geschäft mit Privatkunden prägen das Geschäft der Commerzbank. Investoren sind enttäuscht, aber Verbraucherschützer loben die Bank: Sie ist aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln ausgestiegen.

Von Julian Mertens

Die zweitgrößte deutsche Großbank hat vorsorglich alle Agrarprodukte aus ihrem Rohstoff-Fonds herausgenommen und beabsichtigt auch keine neuen börsennotierten Anlageprodukte auf Basis von Grundnahrungsmitteln aufzulegen. Eine Sprecherin der Bank bestätigte eine Meldung der Verbraucherorganisation foodwatch. Die Commerzbank-Sprecherin erklärte, ihr Haus habe bereits im November 2011 beschlossen, keine neuen börsennotierten Produkte auf Basis von Grundnahrungsmitteln aufzulegen. Der betroffene Fonds ComStage ETF CB Commodity EW Index TR enthält nun keine Grundnahrungsmittel mehr.

Damit reagiere das Geldhaus auf die Debatte über eine Reihe von Studien, nach denen Anlagen in derartige Rohstoff-Fonds die Preise für Nahrungsmittel nach oben treiben und so zu Hungerkrisen in vielen Teilen der Welt beitragen, kommentierte Foodwatch die Entscheidung. Auch die DekaBank der Sparkassen und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hätten angekündigt, künftig auf die Spekulation mit Agrarrohstoffen zu verzichten. Beim Commerzbank-Fonds wurde die Umbildung zum 30. Juli 2012 bereits vollzogen.

Deutsche Bank solle sich Beispiel nehmen

„Wenn sich eine Bank nicht sicher ist, welchen Schaden ihre Rohstoffanlagen anrichten, gibt es nur einen verantwortlichen Schritt: Diese Anlagen aus Vorsorgegründen nicht mehr anzubieten“, sagte foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode. „Am Handeln der Commerzbank sollten sich andere Häuser ein Beispiel nehmen - allen voran die Deutsche Bank. Denn während ihre Gremien angeblich seit Monaten das Geschäftsfeld Nahrungsmittelspekulation überprüfen, treiben ihre Produkte weiterhin Menschen in Armut und Hunger. Unter der neuen Spitze Jain/Fitschen scheint der Überprüfung jede Ernsthaftigkeit verloren gegangen zu sein.“

Diesen Vorwurf wollte ein Deutsche-Bank-Sprecher nicht kommentieren. Das Institut stehe mit Foodwatch in Kontakt und habe bereits früher angekündigt, in diesem Jahr keine neuen börsennotierten Produkte auf Nahrungsmittel aufzulegen, sagte der Sprecher.

Gewinn sinkt um ein Drittel

Die Commerzbank hat im ersten Halbjahr deutlich weniger Geld verdient als noch ein Jahr zuvor. Von Januar bis Juni verdiente das Geldinstitut unter dem Strich 644 Millionen Euro. Das ist ein Minus von über 36 Prozent im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Jahres 2011. Die Erträge sanken in dieser Zeit um 14 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro.

Ihre riskanten Geschäfte hat die Commerzbank weiter verringert - allein im zweiten Quartal um 13 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorquartal. Zugleich legte sie im ersten Halbjahr 616 Millionen Euro zur Risikovorsorge zurück. Gut lief in den ersten sechs Monaten dieses Jahres das Geschäft mit mittelständischen Kunden, auch in Mittel- und Osteuropa. Schlechter hingegen entwickelten sich das Geschäft mit Privatkunden und das Investmentbanking, die beide durch die Finanzkrise geschwächt worden seien.

Vorstände wickeln Töchter ab

Für die „anhaltend schwierigen Marktbedingungen“ sei das Unternehmen allerdings „gut gewappnet“, erklärte die Bank. Da allerdings nicht mit einer „Stabilisierung des Marktumfeldes“ zu rechnen sei, werde die Bank im zweiten Halbjahr voraussichtlich weniger verdienen als in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Das Kernkapital der Commerzbank erfüllt mittlerweile die notwendigen Vorgaben. Statt des ursprünglich angestrebten Puffers von mindestens einer Milliarde Euro habe die Bank Ende Juni das Ziel sogar um 2,8 Milliarden Euro übertroffen.

Für die Abwicklung der immensen Altlasten sind gleich zwei Vorstände abgestellt. Ulrich Sieber und Jochen Klösges sind künftig gemeinsam für die neue interne „Bad Bank“ NCA (Non Core Assets) zuständig. Darin lagern der Staats- und Immobilienfinanzierer Eurohypo sowie die Schiffsbank, die beide komplett abgewickelt werden. Hinzu kommen einige Portfolien der bisherigen Abwicklungseinheit PRU, die ebenso wie die alte Eurohypo-Sparte ABF aufgelöst wird. In der neuen NCA lagern nun Risiken im Volumen von 158 Milliarden Euro. Die zumeist langlaufenden und großvolumigen Kredite sollen über die Zeit möglichst wertschonend abgebaut werden.

Klösges schafft eigene Abteilung ab

Klösges sollte ursprünglich das neue Geschäftsfeld Real Estate and Ship Finance leiten, das im Juni aber überraschend wieder eingestampft wurde. Sieber bleibt weiterhin Personalchef. Er war bislang auch für das Osteuropa-Geschäft zuständig, diesen inzwischen ebenfalls geschrumpften Bereich gibt er jetzt an Vorstandschef Martin Blessing ab. Blessing wiederum reicht den Bereich Treasury an Investmentbank-Chef Michael Reuther weiter. Der Commerzbank-Vorstand besteht aus insgesamt neun Managern. (rtr/dapd/afp/jam)

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