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Commerzbank überrascht positiv

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Von: Nina Luttmer

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Ein Wahrzeichen Frankfurts: die Commerzbank-Zentrale.
Ein Wahrzeichen Frankfurts: die Commerzbank-Zentrale. © dpa

Das Frankfurter Geldhaus weist für 2021 einen deutlich höheren Gewinn aus als erwartet.

Ach ja, die Technik … Auch nach zwei Jahren Pandemieerfahrung klappen virtuelle Konferenzen oft nicht so, wie geplant. Das war auch bei der über die Plattform Teams abgehaltenen Bilanzpressekonferenz der Commerzbank so. Was nicht unbedingt ungewöhnlich, aber doch insofern etwas absurd wirkte, da Commerzbank-Chef Manfred Knof auch am Donnerstag wieder betonte, dass seine Bank „DIE digitale Beratungsbank in Deutschland“ werden will. Den vielen Journalist:innen, die während der Konferenz wegen Technikproblemen ihre Fragen zunächst nicht oder gar nicht stellen konnten, konnte allerdings der Gedanke kommen, dass die Bank da noch einen längeren Weg vor sich hat.

Dividende in Sicht

Dabei war das, was das Geldhaus verkündete, überraschend gut. Was denn auch den Aktienkurs des im M-Dax gelisteten Unternehmens am Donnerstag stark nach oben trieb. Im vergangenen Jahr hat das nach Bilanzsumme viertgrößte Finanzinstitut Deutschlands einen Gewinn von 430 Millionen Euro geschrieben und damit deutlich mehr, als Analystinnen und Analysten der Bank zugetraut hatten. Auch die Erträge lagen mit 8,5 Milliarden Euro (Vorjahr: 8,2 Milliarden Euro) über den Erwartungen der Fachleute.

Vor einem Jahr hatte die Bank noch einen Verlust von 2,9 Milliarden Euro ausgewiesen, vor allem verursacht durch Umbaukosten und eine hohe Risikovorsorge für ausgefallene oder ausfallgefährdete Kredite. Die fiel nun, wie bei anderen Finanzhäusern auch schon, wieder deutlich niedriger aus. Die Sorge, dass wegen der Corona-Pandemie viele Unternehmen insolvent gehen könnten, hat sich verflüchtigt. Die Banken haben indirekt stark davon profitiert, dass der Staat die Unternehmen in der Krise gestützt hat. An der Commerzbank ist der deutsche Staat weiterhin mit mehr als 15 Prozent beteiligt.

Für die Aktionärinnen und Aktionäre der gelben Bank gab es weitere gute Nachrichten. Für das Geschäftsjahr 2022 – und damit ein Jahr früher als bislang geplant – will das Geldhaus wieder eine Dividende zahlen. Zunächst 30 Prozent des Konzernergebnisses, in den darauffolgenden Jahren sollen 30 bis 50 Prozent ausgeschüttet werden, sofern die Bank ihre Ziele erreiche, so Knof. Zudem seien Aktienrückkäufe möglich.

„Gerade die Aktionäre der Commerzbank haben viel ertragen müssen in den letzten Jahren, in der letzten Dekade“, so Knof. Da dürften viele Eigentümer:innen der Bank nur zustimmend nicken. Seit der Finanzkrise und dem Einstieg des Staates bei der Commerzbank 2008 hat sie überhaupt nur zweimal, 2015 und 2018, eine Minidividende von 20 Cent je Aktie gezahlt. Sonst gab es nur Nullrunden – und teils massive Kursverluste.

Eigenständigkeit soll erhalten werden

In diesem Jahr will die Commerzbank einen Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro erzielen – also mehr als doppelt so viel wie 2021, wie Knof sagte. Er sprach von einem „großen Erfolgspotenzial“ seiner Bank. „Wir haben geliefert, was wir versprochen haben. Das ist das Ergebnis harter Arbeit und schwieriger Entscheidungen“, so Knof. Die Bank hatte im vergangenen Jahr angekündigt, bis 2024 insgesamt 10 000 Stellen abzubauen – auf dann 32 000 Vollzeitstellen. Davon sei durch Freiwilligen- und Altersteilzeitprogramme bereits die Streichung von mehr als 6000 Stellen fixiert, so Knof. Anfang 2022 hatte die Bank noch knapp 36 700 Vollzeitstellen. Zudem hat sie wie geplant viele Filialen geschlossen. Vor der Pandemie hatte sie noch 1000 davon, Anfang 2021 noch 790, nun 550 – und 100 weitere sollen noch zumachen.

Gleichwohl ist das Kreditinstitut von den Zielen, die es sich im vergangenen Jahr in der „Strategie 2024“ gesetzt hat, noch weit entfernt. Etwa von einem operativen Ergebnis von 2,7 Milliarden Euro – dieses lag 2021 bei 1,2 Milliarden Euro. Oder von Gesamtkosten von 5,3 Milliarden Euro – sie betrugen zuletzt 6,7 Milliarden Euro. Auch die Kosten-Ertrag-Relation von fast 80 Prozent ist noch sehr hoch. Sie zeigt, dass die Bank knapp 80 Cent ausgeben muss, um einen Euro zu erwirtschaften.

Die Commerzbank gilt ob ihrer langwierigen Probleme seit Jahren als Übernahmekandidatin. Knof machte aber am Donnerstag deutlich, dass er das nicht so sieht. Allerdings: Was soll er als Unternehmenschef auch anderes sagen? „Unser Anspruch ist, dass die Commerzbank eigenständig bleibt“, betonte er. Die Kundschaft der Bank sei ein wichtiger Antrieb: „Alle sagen: Wir brauchen eine zweite Privatbank in Deutschland.“

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