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Manfred Knof, Vorsitzender des Vorstands der Commerzbank, spricht während der Finanzkonferenz „Frankfurt Euro Finance Summit 2021“ im Frankfurter Hilton Hotel.
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Manfred Knof, Vorsitzender des Vorstands der Commerzbank, spricht während der Finanzkonferenz „Frankfurt Euro Finance Summit 2021“ im Frankfurter Hilton Hotel.

Bilanz

Commerzbank überrascht

  • Nina Luttmer
    VonNina Luttmer
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Das Geldhaus legt viel bessere Zahlen vor als erwartet. Und auch der Umbau geht gut voran.

Bewegungen an der Börse sind nicht immer nachvollziehbar - oft ist es sogar ziemlich unerklärlich, warum ein Unternehmenswert oder ein ganzer Index deutlich zulegt oder abstürzt. Dass Anlegerinnen und Anleger sich am Donnerstag mit Aktien der Commerzbank eindeckten und damit für einen Kursanstieg des Wertpapiers von zeitweise über sechs Prozent sorgten, hatte allerdings einen klaren Grund: Das Frankfurter Geldhaus hatte am Morgen überraschend gute Quartalszahlen vorgelegt und verkündet, auch für das Gesamtjahr einen Gewinn zu erwarten.

Das ist keineswegs selbstverständlich. Im vergangenen Jahr hatte das Institut einen Verlust von 2,9 Milliarden Euro ausgewiesen, im ersten Halbjahr 2021 ein Minus von 394 Millionen Euro. Die Bank befindet sich - mal wieder - inmitten eines Umbauprogramms, das viel Geld kostet und das Geldhaus endlich nachhaltig profitabel machen soll. Der seit Januar amtierende neue Vorstandschef Manfred Knof betonte am Donnerstag: „Wir sind auf dem richtigen Weg. Den großen Teil der Wegstrecke haben wir aber noch vor uns, wir sind in einem Marathon.“

Im dritten Quartal wies die viertgrößte deutsche Bank einen Gewinn von 403 Millionen Euro aus - Analyst:innen hatten im Schnitt nur mit etwa 250 Millionen Euro gerechnet. Sie waren auch davon ausgegangen, dass das Geldhaus im Gesamtjahr einen Verlust machen wird - und wurden nun positiv von der Gewinnprognose überrascht. Auf eine auch nur grobe Schätzung der Gewinnhöhe wollte Finanzvorständin Bettina Orlopp sich allerdings nicht einlassen.

Risikovorsorge stark gesunken

Fast allen Banken, nicht nur der Commerzbank, kommt momentan zugute, dass die Corona-Krise zumindest bislang nicht annähernd so viele Unternehmen ins Wanken gebracht hat wie ursprünglich befürchtet. Orlopp rechnet nun damit, dass die Commerzbank weniger als 700 Millionen Euro Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite für 2021 bilden muss - ursprünglich war sie von deutlich mehr ausgegangen. „Wir bleiben aber weiter vorsichtig“, sagte Orlopp. Es sei durchaus wahrscheinlich, dass die Zahl der Ausfälle von Unternehmen noch steigen werde.

Was Anleger:innen mit Blick auf die Zukunft der nach wie vor teilstaatlichen Commerzbank optimistisch stimmt, sind die Fortschritte bei der Umsetzung des Restrukturierungsprogramms. Die Kosten dafür von gut zwei Milliarden Euro sind nun fast vollständig verbucht. Bis Ende 2024 sollen 10 000 Vollzeitstellen auf dann noch 32 000 Mitarbeitende abgebaut werden - Knof verkündete am Donnerstag, dass 5200 Abgänge bereits vertraglich sichergestellt und teils schon erfolgt seien. Das Filialnetz wird bis Ende 2022 von 790 auf 450 Standorte verkleinert - davon 240 in diesem Jahr. Die Erhebung von Strafzinsen - von den Banken selbst gerne „Verwahrentgelte“ genannt - auf Ersparnisse der Kund:innen sowie neue, teurere Preismodelle für Konten - alles Teil der neuen Bankstrategie - hätten bei der Commerzbank bislang zu deutlich weniger Kundenverlusten geführt als erwartet, so Knof.

Investoren hoffen nun, dass die Commerzbank endlich die Transformation zu einer zukunftsfähigen Bank schafft. Der Aktienkurs bewegte sich am Donnerstag auf die Sieben-Euro-Marke hin. Im vergangenen Jahr hatte er zeitweise bei unter drei Euro gelegen, 2018 aber auch schon mal bei über 13 Euro. Die Zeiten vor der Finanzkrise, als die Commerzbank-Aktie sich sogar in Sphären deutlich über 200 Euro bewegte, wirken heute allerdings wie ein verrückter Traum.

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