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Bank-Chef Martin Zielke.

Commerzbank

Läuft schon – irgendwie

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Gescheiterte Fusion, massive Umbrüche: Die Commerzbank muss große Herausforderungen bewältigen. Doch die Aktionäre zeigen sich auf der Hauptversammlung seltsam desinteressiert.

Das waren noch Zeiten, als es auf den Hauptversammlungen der Commerzbank hoch herging. Als der damalige Vorstandschef Martin Blessing von aufgebrachten Aktionären etwa als „Pfui-pfui-Vorstand“ und größter Kapitalvernichter aller Zeiten beschimpft wurde und tumultartige Zustände im Saal herrschten. Oder als sich im Jahr 2009 so viele Anteilseigner zu Wort meldeten, dass die HV auf zwei Tage gestreckt werden musste – und die Aktionäre am Ende widerwillig dem Einstieg des Staates in die gelbe Bank zustimmten.

Diese Zeiten sind offensichtlich vorbei. Auf der Versammlung der Commerzbank am Mittwoch in Wiesbaden ging es ausgesprochen ruhig zu. Bank-Chef Martin Zielke eröffnete seine Rede zwar mit den markigen Worten: „Herzlich willkommen mitten im größten Strukturwandel der Banken. Aktuell erleben wir den gewaltigsten Umbruch, den die Branche je erlebt hat“ – was sich nach allerhand aufregendem Gesprächsstoff für den Tag anhörte. Doch das Thema Strukturwandel spielte dann kaum mehr eine Rolle.

Die Ruhe im Saal kann je nach Blickwinkel positiv wie negativ bewertet werden. Positiv natürlich, weil es der Bank offensichtlich besser geht als vor einigen Jahren. Die Aktionäre sind dadurch entsprechend zufriedener, erst zum zweiten Mal seit Ausbruch der Finanzkrise zahlt die Bank für 2018 eine kleine Dividende von 20 Cent je Aktie. Alles in allem traten die Aktionärsvertreter und Einzelaktionäre daher auf der HV sehr zahm auf und hatten auch durchaus Lob für den Vorstand übrig. Was insofern überraschend war, als dass der Vorstand erst vor wenigen Wochen fast alle seine Ziele kassiert und nach unten revidiert hatte – was am Mittwoch jedoch überhaupt kein Thema war.

Man kann die Ruhe im Saal aber auch anders deuten. Als ein Zeichen für den Bedeutungsverlust der Bank, die im vergangenen Jahr sogar ihren Platz in der ersten Börsenliga verloren hat und in den MDax abgestiegen ist. Nur 1200 Aktionäre waren anwesend, insgesamt 54 Prozent des Grundkapitals vertreten. Das ist keine gute Quote. Bereits gegen Mittag war der ohnehin auch morgens schon nur halb gefüllte HV-Saal sehr leer. Es gab weder lautstarke Proteste von Umweltaktivisten – was auf Banken-HVs eigentlich üblich ist – noch wurden Flugblätter etwa von Attac oder anderen Organisationen verteilt. Die Zahl der Redner war überschaubar. Man könnte das auch als Desinteresse der Anteilseigner und der Öffentlichkeit auslegen und als ein Zeichen für den Niedergang des Instituts.

Was die Aktionäre am Mittwoch bei aller sonstigen „Gemütlichkeit“ aber brennend interessierte, war die gescheiterte Fusion mit der Deutschen Bank. Commerzbank und Deutsche Bank hatten im Frühjahr einen Zusammenschluss geprüft. Mehrere Aktionärsvertreter äußerten sich glücklich darüber, dass die Verhandlungen eingestellt worden sind. „Die Commerzbank hat eigene Baustellen. Sie muss sich nicht noch die ungleich größeren Probleme der Deutschen Bank zu eigen machen“, sagte Wolfgang Aleff von der Aktionärsvertretung Effecten-Spiegel. Für die Deutsche Bank wäre es sicherlich positiv gewesen, den großen Kundenstamm der Commerzbank hinzuzugewinnen, so Aleff. Dieser „Missbrauch als Organspender hätte den Kunden der Commerzbank aber sicher nicht gefallen“. Eine Übernahme decke sich grundsätzlich nicht mit den Interessen von Mitarbeitern und Kunden der Bank, die Commerzbank solle kein „Ersatzteillager“ für andere Banken werden.

Zielke musste viele Fragen zu den Gesprächen mit der Deutschen Bank beantworten. Ob das Bundesfinanzministerium die Banken zu Fusionsverhandlungen gedrängt habe? „Die Politik war an der Entscheidung über die Aufnahme und die Beendigung der Gespräche nicht beteiligt und hat keinen Einfluss auf den Verlauf der Gespräche genommen“, beteuerte Zielke. Was zumindest angezweifelt werden kann, ist doch bekannt, wie sehr sich Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Finanzstaatssekretär Jörg Kukies einen nationalen Champion gewünscht haben.

Die Aktionäre wollten natürlich auch wissen, wie es weitergeht – ob es wahr ist, dass die niederländische Bank ING Interesse an einem Kauf der Commerzbank habe? Zielke sagte, dass die ING keine konkreten Angebote bezüglich eines Zusammenschlusses gemacht habe. Die Commerzbank prüfe weiterhin alle Möglichkeiten, um Wachstum zu erzeugen. „Das schließt auch Partnerschaften nicht aus.“ Das Kredithaus gilt als Übernahmekandidat.

Auf vielen Hauptversammlungen sind in diesem Jahr neue, junge Gesichter zu sehen. Die Schüler-Protestbewegung Fridays for Future, die sich für einen engagierteren Klimaschutz einsetzt, spricht auf vielen Aktionärsversammlungen. So auch auf der HV der Commerzbank. Vincent Lohmann von der Bewegung forderte das Institut auf, keine Kredite mehr an Unternehmen zu vergeben, die „schmutzige Energie“ förderten – also Kohle-, Öl- und Gasfirmen. „Mit solchen Krediten verbrennen Sie die Zukunft Ihrer Kinder und Enkelkinder“, sagte er. Er hoffe, auch die anwesenden Aktionäre zum Nachdenken über ihren Lebensstil anzuregen. Commerzbank-Chef Zielke lobte das Engagement der Fridays-for-Future-Bewegung und lud Lohmann zu einem weiteren persönlichen Dialog ein.

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