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Commerzbank-Chef Martin Zielke am Donnerstag in Frankfurt.

Commerzbank

Nicht schlecht, aber ...

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Auf den ersten Blick weisen die Ergebnisse der Commerzbank in die richtige Richtung. Seine Ziele muss das Institut aber fast alle kassieren.

Wenn jemand auffällig oft betont, dass etwas wirklich gut funktioniert, dann horcht man irgendwann auf und fragt sich, warum dieser Punkt so gebetsmühlenartig hervorgehoben wird. Gibt es da vielleicht ein Problem, das das Gegenüber kleinreden will? 

So geschehen am Donnerstag auf der Bilanz-Pressekonferenz der Commerzbank in Frankfurt. Institutschef Martin Zielke und sein Finanzvorstand Stephan Engels erklärten mehrfach, dass die Strategie ihrer Bank „funktioniert“. „Wir haben ein Geschäftsmodell, das auch im gegenwärtigen Umfeld funktioniert. Das war das Ziel, mit dem wir 2016 angetreten sind. Und das haben wir geschafft: Es funktioniert“, sagte Zielke auch am Ende seiner Rede vor Journalisten.

Dazu zunächst einmal die guten Nachrichten: Die Commerzbank hat ihren Gewinn im vergangenen Jahr auf 865 Millionen Euro fast versiebenfacht. Allerdings war 2017 der Gewinn auch deswegen so niedrig ausgefallen, weil damals Restrukturierungskosten von 800 Millionen Euro verbucht worden waren. 

Die Commerzbank hat mit ihrem Ergebnis die Deutsche Bank deutlich übertroffen, die 2018 nur 341 Millionen Euro verdient hat. Wobei die strauchelnde Deutsche Bank inzwischen kein guter Maßstab für Vergleiche mehr ist. 

Auch positiv: Die Aktionäre der Commerzbank sollen – nach Zustimmung der Hauptversammlung im Mai – für 2018 eine Dividende von 20 Cent je Aktie erhalten. Es wäre erst das zweite Mal seit der Rettung der Commerzbank durch den Steuerzahler im Jahr 2008, dass die Aktionäre eine Ausschüttung erhalten. 

Zudem gewinnt die inzwischen nach Deutscher Bank, DZ Bank und KFW nur noch viertgrößte Bank Deutschlands weiter Kunden. Im Herbst 2016 hatte das Institut bei der Vorstellung der neuen Unternehmensstrategie „Commerzbank 4.0“ erklärt, bis 2020 netto zwei Millionen Neukunden anlocken zu wollen. Davon sind nun, sozusagen zur Halbzeit des Planungszeitraums, eine Million geschafft.

Commerzbank: Von großen Zielen nicht viel übrig

Nun kommt allerdings der große Haken. Von den sonstigen Zielen, die 2016 verkündet worden waren, ist nämlich nicht viel übrig geblieben. Was am Donnerstag auf der Pressekonferenz umso offensichtlicher wurde, da Bankchef Zielke und Finanzvorstand Engels die Fragen der Journalisten dazu nur ausweichend und teils ziemlich schnippisch beantworteten. 

Bis 2020 wollte die Bank bei gleichbleibend niedrigem Zinsniveau eigentlich 9,8 Milliarden bis 10,3 Milliarden Euro Erträge erwirtschaften. Nun ist nur noch von einem Ertragswachstum von drei Prozent die Rede, was für 2020 etwa 9,1 Milliarden Euro bedeuten würde. Selbst wollten die Vorstände diese heruntergeschraubte Zahl gar nicht in den Mund nehmen, sondern forderten die Journalisten – ziemlich untypisch – auf, selbst nachzurechnen. Was so rüberkam, als wollten sie sich einfach am liebsten auf gar keine Zahl festlegen und schon gar nicht konkret eingestehen, dass es mit den einst festgelegten Zielen eben doch nicht „funktioniert“ hat. 

Da die Erträge der Bank nicht so stark steigen wie erhofft, wird auch die einst anvisierte Aufwand-Ertrags-Quote trotz geplanter Kostensenkungen 2020 nicht erreicht. Derzeit liegt sie bei 80,3 Prozent und ist damit zuletzt sogar gestiegen. Das heißt, die Bank muss mehr als 80 Cent aufwenden um einen Euro zu verdienen. Zum Vergleich: Die spanische Banco Santander, die auch kostspielige Filialen betreibt, hat eine Quote von 47,4 Prozent, die in Deutschland aktive Targobank von 56 Prozent. 

2020 wollte die Commerzbank eigentlich bei unter 66 Prozent liegen. Nun sind das Ziel wohl eher etwa 71 Prozent – auch hier wollte Engels selbst keine Zahl nennen, sondern legte Journalisten das Kopfrechnen nahe. Die Eigenkapitalrendite lag 2018 bei 3,4 Prozent – weit entfernt von den mehr als sechs Prozent, die für 2020 geplant waren. Das Ziel kassierten die Commerzbank-Manager nun ebenfalls. 

Bekannt ist, dass der deutsche Markt für Banken schwierig ist und die hiesigen Institute Profitabilitätsprobleme haben. Darauf wies auch Zielke noch einmal hin. In Deutschland gibt es besonders viele Geldhäuser, der Preisdruck ist hoch. In anderen Ländern sind Bankprodukte für Verbraucher deutlich teurer als hierzulande. Darüber hinaus setzen die niedrigen Zinsen den europäischen Geldhäusern zu.

Nicht zuletzt diese Profitabilitätsprobleme, vor allem aber der desaströse Zustand der Deutschen Bank, heizten in den vergangenen Wochen erneut die Gerüchte über eine mögliche Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank an. Der Bund hält nach wie vor gut 15 Prozent an der Commerzbank. Seit dem Sommer werben Finanzstaatssekretär Jörg Kukies, Ex-Deutschlandchef von Goldman Sachs, und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) für stärkere deutsche Banken. Erwartungsgemäß wollte Zielke sich zu den Gerüchten nicht äußern. 

Ende 2018 beschäftigte die Commerzbank 41.500 Mitarbeiter. 2016 war verkündet worden, dass die Zahl bis 2020 um 7300 auf dann 36.000 schrumpfen soll. Nun stellt die Bank allerdings vor allem IT-Experten ein, um diese Kompetenz im eigenen Haus zu haben und externe Berater einzusparen. Dadurch soll die Mitarbeiterzahl künftig bei 38.000 liegen. 

Die Anleger waren am Donnerstag zufrieden mit der Commerzbank. Die Aktie, die im Herbst aus dem Dax in den M-Max abgestiegen ist, legte deutlich zu.

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